Karneval

Verkleiden zum Fasching? Wo es in Hildesheim jetzt noch Kostüme gibt – und worauf es beim Kauf ankommt

Hildesheim - Wer ein Faschingskostüm sucht, sollte aufpassen: Auf das Tragen von Uniformen etwa können hohe Strafen stehen – auch, wenn die gar nicht echt sind. Auf diese und ein paar andere Regeln weisen Experten und Verbraucherschützer hin.

Bunte Haare, dazu eine rote Nase – und schon ist das Clownskostüm fast fertig. Foto: Fredrik von Erichsen/ dpa

Hildesheim - Spätestens in der kommenden Woche geht es auch in Hildesheim und der Region los, das große Verkleiden zum Faschingsfest.

Wer noch schnell ein fertiges Kostüm kaufen will, hat in Hildesheim die Gelegenheit dazu – allerdings längst nicht in allen Geschäften, in denen es reguläre Bekleidung gibt. So haben etwa C&A oder der Modepark Röther kein Kostüm-Angebot, auch nicht für Kinder. Die können sich aber unter anderem bei H&M in der Arneken Galerie mit Kleidern oder Anzügen in Prinzessinnen, Superhelden, Tiere oder Feen verwandeln. Dabei gilt es generell, darauf zu achten, welche Figur man verkörpern möchte.

Es reicht, wenn eine Uniform echt aussieht

Das ist in Paragraf 132a des Strafgesetzbuchs (StGB) geregelt. Dort heißt es sinngemäß: Wer unbefugt Uniformen, Amtskleidungen oder Amtsabzeichen trägt, wird mit einer Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Gefängnis bestraft. Das trifft auch zu, wenn Verkleidungen den echten Uniformen so ähnlich sehen, dass Verwechslungen theoretisch möglich wären.

Auch das Zeigen verfassungsfeindlicher Symbole ist zum Fasching ebenso verboten wie sonst auch. Geregelt ist dies Verbot in Paragraf 86a des StGB unter dem Stichwort „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen“. Wer ein solches verbotenes Kennzeichen trägt, muss mit einer Geldstrafe oder mit einem Freiheitsentzug von bis zu drei Jahren rechnen. Auch hier gilt wie bei den Uniformen: Das Zeigen von Symbolen, die den verbotenen Zeichen zum Verwechseln ähnlich aussehen, wird genauso bestraft.

Alte Kulturen nicht als Partygag missbrauchen

Und dann wäre da noch die sogenannte kulturelle Aneignung, um die es auch in Hildesheim schon oft Debatten gab. „Kostüme wie Rastafari, Orientdame, Afrikaner, sogenannte Indianer oder Scheichs sind heute verpönt“, sagte dazu aktuell Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti der Funke Mediengruppe. Sie seien kaum noch zu sehen. „Das ist eine Reaktion auf den gesellschaftlichen Druck, den die Debatten der letzten Jahre aufbauten.“ Die Kritik an den Kostümen: Man benutzt oft jahrhundertealte Symbole für die eigene Partygaudi und beraubt diese ihrer Bedeutung.

Die Deutsche Fastnachtakademie rät außerdem, Faschingskostüme umweltbewusst zu gestalten. Viele Kostüme könnten aus Materialien gemacht werden, die ansonsten weggeschmissen werden würden. So ließen sich etwa aus alten Milchtüten silbrig schimmernde Kostüme wie Ritterkostüme basteln. Aus Kartons können Wikingerhelme werden, aus Naturmaterialien wie getrockneten Blumen bunte Hüte, ebenso aus Zeitungen.

Billigwaren kann Käufer teuer zu stehen kommen

Auch wenn Fasching nur einmal im Jahr ist: Die Verbraucherzentralen raten allen, die fertige Kostüme im Laden einkaufen, Billigwaren zu meiden. Waren aus Fernost entsprächen in der Herstellung oft nicht den europäischen Gesetzen und könnten hier geltende Schadstoffgrenzen überschreiten.

Die Kostüme sollten aus diesem Grund auch am besten nicht direkt auf der Haut getragen werden. Besser sei es, ein Shirt, Leggins oder Hose unter die Verkleidung zu ziehen, bei Perücken eine kleine Mütze. Die zusätzliche Kleiderschicht hält gleichzeitig warm.

Der Geruchstest: Wenn Kostüme, Perücken, Masken und Accessoires schon unangenehm nach Chemie oder Kunststoff riechen, sollte man sie am besten gar nicht erst kaufen.

Bei Schminke besser zertifizierte Naturkosmetik verwenden. In der Regel ist sie frei von Mineralölen, Silikonen und synthetischen Inhaltsstoffen.

Und weil nach dem Fasching auch vor dem Fasching ist: Die Verkleidungen hinterher aufheben und im kommenden Jahr in der Familie oder mit Freunden tauschen. Das ist nachhaltiger und günstiger als Neuware.

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