Fassadenbegrünung

Natur am Betonklotz: Stadt Hildesheim plant Begrünung der Fassade am Modepark Röther

Hildesheim - Wer mit Öffis nach Hildesheim kommt, sieht meist als Erstes den Bahnhofsplatz. Und ganz viel Beton. Um diese Optik aufzufrischen und auch der Bernwardstraße mehr Leben zu geben, soll die Fassade des Modeparks Röther teilbegrünt werden.

So könnte der Modepark Röther am Hildesheimer Bahnhof ab dem kommenden Frühjahr aussehen. Foto: Montage/Stadt Hildesheim

Hildesheim - Viel Beton macht eine Stadt nicht gerade schöner. Ein Mittel gegen triste Fassaden und großflächige Wände ist deren Begrünung. In Hildesheim wird die an einigen privaten Wohnhäusern umgesetzt, mitunter auch an öffentlichen oder gewerblich genutzten Objekten. Bald soll ein neues, besonders sichtbares hinzukommen: der Modepark Röther am Hauptbahnhof der Stadt.

Seine Lage macht ihn zu einem der ersten Gebäude, auf die der Blick der meisten Menschen fällt, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hildesheim kommen. Aber auch seine schiere Größe: Der Modepark, der seinen Eingang in der Bernwardstraße hat, zieht sich auf großer, nahezu fensterloser Fläche bis zur Hannoverschen Straße.

Bunte Graffiti helfen hier auch nicht mehr

Ein Anblick, der verschönert werden könnte, meinte man bei der Wirtschaftsförderung der Stadt, wo sich Wiebke Wrede-Olberg und Eckhard Homeister der Belebung des Bernward-Quartiers widmen, das sich vom Bahnhof bis zur Kaiserstraße erstreckt. „Im Rahmen unserer Überlegungen zur Stabilisierung des Quartiers ist die Frage entstanden, wie es möglich wäre, auf das Betonimage der Immobilie am Bahnhof grundlegend Einfluss zu nehmen“, teilen die Wirtschaftsförderer mit. „Da kam die Idee auf, dem Beton Natur entgegenzusetzen.“

Während die Fassaden anderer Gebäude im Quartier künstlerisch gestaltet worden sind, um mehr Farbigkeit ins Stadtbild zu bringen, etwa am Kulturzentrum Puls am Angoulêmeplatz, würde „ein Graffiti hier nicht ausreichen beziehungsweise vermutlich nicht die Grundausstrahlung des Gebäudes regulieren“, so die Überlegung der Planer. Und so sei die Idee entstanden, einen etwa 20 Meter langen Teilbereich eines Balkons im ersten Obergeschoss zu begrünen. Vorteil der Lösung: Die Pflanzen hängen, sie sind also nicht unbedingt auf den Halt und das Ranken an der Fassade angewiesen.

Die Vorteile des vertikalen Grüns sind zahlreich

Matthias Köhler, Vorsitzender der Hildesheim-Kreisgruppe des Naturschutzbundes BUND, weiß, dass die Fassadenbegrünung auch in Hildesheim seit einiger Zeit ein Thema ist. „Dabei gibt es eine sehr aufwändige Form der Begrünung, die mit künstlicher Bewässerung funktioniert. Und es gibt die bodenbasierte Begrünung, bei der die Pflanzen aus der Erde kommen und sich auch darüber versorgen.“

Doch ob so oder so: Die Vorteile des städtischen Grüns sind zahlreich. Verschattung der Fassaden, eine geminderte Aufheizung des Gebäudes sowie die Produktion frischer, kühler Luft durch das Verdunsten von Wasser über die Blätter der Pflanzen. Durch die Isolation der Fassade können Hausbesitzer Kosten für Klimaanlage und Heizung sparen. Zudem binden die Pflanzen Luftschadstoffe: Stickstoffdioxid bis zu 40 Prozent, Schwefeldioxid, Ozon und Feinstaub sogar bis zu 60 Prozent. Ein weiterer Aspekt ist die Reduktion der Lärmbelastung am Gebäude um bis zu 10 Dezibel.

Im Frühjahr soll es am Bahnhof losgehen

Damit es am Bahnhof grünes Licht für das Projekt gibt, werden „derzeit alle weiteren notwendigen Schritte geklärt“, wie die Stadt mitteilt. Sofern alles passt, ist eine Umsetzung für das Frühjahr 2024 angedacht. Die Stadt hat zudem einen Flyer mit Tipps zur Fassadenbegrünung herausgegeben und auf ihrer Homepage eingestellt. „Rankpflanzen stellen wertvolle Biotope innerhalb der Städte dar“, heißt es darin. „Sie bieten Lebensraum, Beschattung, Strahlungsminderung, Filterung der Feinstäube und der Schadstoffe. Außerdem befeuchten Rankpflanzen die Luft, was besonders im innerstädtischen Bereich zu einer Verminderung der Aufheizung und Strahlungsintensität beiträgt.“

Die Fassadenbegrünung ist übrigens keine Erfindung der Neuzeit, wie man auch beim Naturschutzbund NABU weiß: Bereits im Mittelalter wurde die abstrahlende Wärme von Klostermauern zum Weinanbau genutzt. Auch Hopfen, Wildrosen, Spalierobst und Geißblatt wurden bereits an Gebäuden gezogen und konnten so direkt am Haus genutzt werden. Ganz nebenbei kühlten die Blätter der Pflanzen die Gebäude und beschatteten die Innenhöfe, sodass es sich dort auch im Hochsommer gut aushalten ließ. Vorteile, die eine Fassadenbegrünung bis heute hat.

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