Sarstedt - Die Polizei und Staatsanwaltschaft Hildesheim ermitteln gegen einen 21-Jährigen wegen versuchten Totschlags – der genaue Ablauf der Tat stellt sie aber noch vor große Fragen. Sicher sei bisher, dass es in der Nacht von Donnerstag auf Freitag eine gewaltsame Auseinandersetzung zwischen drei Männern im Sarstedter Wohngebiet Sonnenkamp gab, wobei auch ein Messer zum Einsatz kam. Doch wie und warum, sei laut einer gemeinsamen Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft noch weitestgehend unklar.
Die Behörden stellen den Ablauf so dar: Am Donnerstag fuhr ein 21-jähriger Hildesheimer gegen 23.35 Uhr in das Neubaugebiet Sonnenkamp. Er betrat dort ein Haus, in dem sich zu dem Zeitpunkt ein 57-Jähriger und ein 31-Jähriger aufhielten. Alle drei Männer sollen miteinander verwandt sein. Zudem soll noch mindestens eine weitere Person im Haus gewesen sein. Ob diese auch mit den drei Männern verwandt ist, sei laut Christina Wotschke, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hildesheim, nicht bekannt.
Unklar, was sich in der Nacht tatsächlich abspielte
Ungewiss bleibt indes, was sich in der Nacht zwischen den vier Personen in Sarstedt tatsächlich abspielte – der genaue Ablauf sei derzeit noch undurchsichtig. So habe der 21-Jährige mit den beiden Männern nach seiner Ankunft ein Gespräch begonnen, in dessen Verlauf er dann ein Messer gezogen haben soll. Damit soll der Hildesheimer den 57-Jährigen sowie den 31-Jährigen nicht nur bedroht, sondern auch angegriffen haben. Laut den Behörden habe er in die Richtung der beiden Männer gestochen, allerdings ohne sie dabei zu treffen. Einem der beiden Angegriffenen sei es schließlich gelungen, den Hildesheimer zu überwältigen. Die vierte Person habe daraufhin die Polizei verständigt, die umgehend in den Sonnenkamp ausrückte.
Dort angekommen, fanden die Beamtinnen und Beamten nur eine einzige Person verletzt vor: den 21-Jährigen. Dieser hat sich eine Platzwunde am Kopf zugezogen, die vorsichtshalber in einem Krankenhaus untersucht wurde. Das Messer wurde sichergestellt, die Polizei nahm den 21-Jährigen nach der Untersuchung seiner Wunde in Gewahrsam. Woher er seine Platzwunde genau hat, ist laut Sprecherin Wotschke Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Alles deute aber auf Notwehr hin.
Anfangsverdacht: Versuchtes Tötungsdelikt
Die Ermittlungsbehörden haben nun ein Verfahren gegen den Hildesheimer eröffnet. Der Vorwurf: versuchte Tötung. Allerdings handele es sich hierbei zuerst nur um einen Anfangsverdacht, da weder der Grund für die Auseinandersetzung bekannt sei, noch der konkrete Ablauf. Die Behörden sprechen aktuell daher lediglich von einer „mutmaßlichen Tat“. Da all das nicht ausreichte, um Untersuchungshaft für den 21-Jährigen zu verhängen, wurde er am Freitagmorgen bereits wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen.
Die weiteren Ermittlungen sollen nun zeigen, was sich genau im Sonnenkamp abspielte. Die drei Männer, die im Mittelpunkt der dortigen Auseinandersetzung stehen, hielten sich bislang allerdings bedeckt. Schließlich seien sie miteinander verwandt, so Wotschke. „Darum haben sie noch keine Aussage getätigt.“
Schon zwei andere Vorfälle mit Messern in den vergangenen Monaten
Sollte sich der Verdacht gegen den 21-Jährigen erhärten, wäre es bereits der dritte bekannte Angriff in Sarstedt binnen eines halben Jahres, bei dem ein Messer zum Einsatz kam. Im Juni soll ein mutmaßlich psychisch erkrankter Mann auf seinen Sitznachbarn am Bahnhof eingestochen haben – der Prozess gegen den Sarstedter beginnt am kommenden Dienstag vor dem Hildesheimer Landgericht. Anfang September soll ein 35-jähriger irakischer Asylbewerber den Betreiber einer Geflüchtetenunterkunft am Bahnhof erstochen haben. Der Iraker befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.
