Hildesheim - Robert Weissenborn und Sven Knösel könnten ein Zelt im Friedrich-Ebert-Stadion aufbauen. Von morgens bis abends sind sie im Stadion unterwegs. Am Sonntag steigt hier das DFB-Pokalspiel des VfV Borussia 06 Hildesheim gegen Zweitligist SV Elversberg. Es ist ein großer Fußballtag für Hildesheim. „Wir sorgen dafür, dass alles klappt“, erklären die beiden Männer.
Das Stadion wird neutralisiert
VfV 06-Vorstandsmitglied Robert Weissenborn kümmert sich beim Oberligisten um alles, was mit Infrastruktur und Baumaßnahmen zu tun hat – und davon gibt es einige im Vorfeld des Pokalspiels. Weissenborns Handy klingelt fast ständig. Über der Gegengeraden werden Kamera-Türme aufgestellt. Rund um den Platz werden zusätzliche Banden installiert. Und im ganzen Stadion wird Werbung mit den grünen, neutralen Planen des DFB überklebt. Sogar eine Hebebühne ist im Einsatz, um die Banner unter dem Tribünendach zu neutralisieren.
„Allein dafür ist eine Firma drei Tage im Einsatz“, berichtet Weissenborn, der darauf achtet, dass alle Arbeiten richtig ausgeführt werden. „Wir müssen uns da akribisch an die Vorgaben des DFB halten“, so Weissenborn.
Wir müssen uns akribisch an die Vorgaben des DFB halten
Mit Vertretern des DFB hat auch Sven Knösel in letzter Zeit viel gesprochen, denn auch die Sicherheitsbestimmungen müssen Punkt für Punkt abgearbeitet und umgesetzt werden. Ganz anders als bei Oberliga-Spielen darf am Sonntag nicht jeder hinlaufen, wo er will.
„Das Stadion wird in mehrere Zonen unterteilt“, erklärt Knösel. „Zuschauer und Medienvertreter dürfen sich nur in bestimmten Bereichen aufhalten, für die Fotografen sind begrenzte Räume festgelegt.“ Auch auf dem Tennisplatz hinter der Tribüne wird gearbeitet. Dort wird ein großes VIP-Zelt aufgebaut.
Das größte und teuerste Projekt ist bereits fertig. Der Gästeblock wurde von der Gegengerade hinter das Tor in Richtung Eintracht-Gelände verlegt. Dafür mussten neue Sicherheitszäune installiert werden. Es ist eine nachhaltige Baumaßnahme, denn der Gästeblock wird auch nach dem Pokalspiel bleiben.
Begrenzte Räume und Zonen
In Sicherheitsfragen ist Knösel ein absoluter Profi. Er ist Polizei-Hauptkommissar. Den Job beim VfV 06 macht auch er ehrenamtlich. „Bei der Polizei arbeite ich jetzt im Innendienst“, erzählt er. Früher war er an vielen Brennpunkten im Einsatz – zum Beispiel bei Castor-Transporten, beim G20-Gipfel in Hamburg oder den Mai-Kundgebungen in Berlin, wo es häufig zu Krawallen und massiver Gewalt kam.
„Als ich zum ersten Mal mit Steinen beworfen wurde, war das schon heftig“, sagt Knösel. „Aber wir sind darauf geschult und vorbereitet worden – und die Ausrüstung schützt einen sehr gut.“ Knösel ergänzt: „Gerade wenn es brenzlig wird, muss man besonnen und rational handeln.“
Als ich zum ersten Mal mit Steinen beworfen wurde, war das schon heftig
Auch beim Fußball war Knösel häufig im Einsatz – unter anderem bei den Derbys zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig. Die Sicherheitsvorkehrungen für das DFB-Pokalspiel des VfV 06 gegen Elversberg sind da eine vergleichsweise leichte Übung – zumal die Elversberger Fans noch nie negativ aufgefallen seien, wie Knösel betont.
Beim NFV-Pokalfinale gegen Atlas Delmenhorst sei das noch etwas anders gewesen. „Da gab es schon den ein oder anderen Problemfan, den wir auf dem Schirm hatten. Aber es blieb ruhig und friedlich.“ Trotzdem müsse man natürlich immer wachsam und gut vorbereitet sein, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Am Sonntag werden neben der Polizei insgesamt rund 60 Ordnerinnen und Ordner im Einsatz sein.
Ü70-Kommando im Sondereinsatz
Währendessen klingelt mal wieder das Handy von Robert Weissenborn, der im Hauptberuf bei den EVI-Stadtwerken im Bereich Wasserversorgung arbeitet. Jetzt geht es um die Stromleitungen im Stadion. Um die Kabel zu verlegen, müssen noch ein paar Gräben ausgehoben werden. „Ich muss da mal schnell hin“, sagt Weissenborn und schnappt sich einen Spaten. Wenn nötig, packt er selbst mit an.
Apropos: An den Kassenhäuschen packt das Ü70-Kommando an – einige langjährige Mitglieder und Fans des VfV 06. Rainer Burgdorf, Harald Stöveken, Rainer Wiegand und Ralf Kaatz greifen zu Pinsel und Farbe. Sie verpassen den Häuschen einen neuen Anstrich. „Wir machen uns nützlich“, sagt Burgdorf. „Damit am großen Pokaltag alles schön aussieht.“




