Dingelbe - Das zehn Wochen alte Ferkel liegt im Stroh und lutscht genüsslich auf einem Stein. Es spuckt ihn aus, sieht ihn an – und nimmt ihn wieder in die Schnauze. Offenbar ein kleines Schweinevergnügen. Ein anderes Ferkel hat sich zu einem Artgenossen gelegt und nuckelt beim Einschlafen an dessen Ohr. Es sind nicht nur diese Bilder, die Katharina Witte begeistern und auch überraschen. Die junge Frau hat für ihre Bachelorarbeit das Verhalten von Schweinen in Freilandhaltung beobachtet – und aus der Tierhaltung ist sogar ein Geschäftszweig entstanden
Katharina Witte studiert Landwirtschaft an der Hochschule in Osnabrück. Für ihre Bachelor-Arbeit hat sich die 26-Jährige ein Thema ausgesucht, dass sie auch praktisch umsetzen konnte. Mit ihrem Lebensgefährten Heinrich-Vincent Leinemann (30) baute sie auf dessen Hof einen nicht mehr genutzten Pferde- zu einem Schweinestall um. Anfang September zogen 20 Piétrain-Duroc-Ferkel ein. Mittlerweile ist schon eine neue Generation im Stall.
Beobachtungen vom Hochsitz aus
Neben dem Freigehege der Schweine, auf dem Nachbargrundstück, hatte Witte einen Hochsitz aufbauen lassen. Von dort aus beobachtete sie die Tiere einmal in der Woche je eine halbe Stunde am Vormittag und am Nachmittag. Sie wollte etwas über die Eigenarten und Gewohnheiten lernen, Daten sammeln. „Die Schweine sind echte Langschläfer“, sagt Katharina Witte. Auch um 11 Uhr wälzen sie sich noch gemütlich im Stroh, dösen oder schlafen fest. Nachmittags ist ihre aktivste Zeit. Dann gehen sie nach draußen, spielen, rangeln und vor allem wühlen sie mit ihren Rüsseln in der Erde. An einer Ecke des Grundstücks haben sie sogar ein altes Fundament freigelegt. „Die haben 40 Zentimeter tief gegraben“, staunt Witte.
Rennen und graben
Im Freigehege gibt es zwei Kot- und Harnplätze, die von den Schweinen ausschließlich für Geschäftliches genutzt werden. Gegraben wird dort nicht, das halten auch die neuen Bewohner so. Der Bewegungsdrang der Schweine ist groß. Die zehn Wochen alten Tiere rennen genauso wie die 15 Wochen alten. Dennoch legen sie an Gewicht zu. Derzeit lebt eine altersgemischte Gruppe in Dingelbe im Auslauf am Ortsausgang. Probleme mit den jüngeren Neuankömmlingen gab es nicht. „Vielleicht, weil sie hier genug Platz haben“, mutmaßt Heinrich-Vincent Leinemann.
Bei Regen lieber im Stall
Bei schlechtem Wetter, also wenn es stark regnet oder windet, bleiben die Schweine lieber im Stall. Bei Frost aber gehen sie raus – eine große Herausforderung, denn der aufgewühlte Boden ist glatt. „Da waren sie etwas unsicher“, erklärt Witte. Beim Züchter hatten die Schweine bisher nur Spaltboden kennengelernt. Und nun stehen sie schweinefußtief im Dreck und scheinen es zu genießen. „Das hätte ich nicht gedacht“, räumt Witte ein.
Die Dingelber Schweine wühlen wie ihre wilden Vorfahren in der Erde. Und legen auch das Rottenverhalten an den Tag. Vor allem die jüngeren Ferkel liegen eng beieinander, weil sie noch ein größeres Wärmebedürfnis haben. Obwohl sie aus einem 25 Grad warmen Stall ohne Frischluft kommen, haben sie den Einzug in den Freiluftstall Anfang März ohne Probleme gemeistert.
Daten werden ausgewertet
Für ihre wissenschaftliche Arbeit wird die Studentin nun ihre Daten auswerten, den Vergleich zu Wildschweinen näher beleuchten und vieles mehr. Auch die Frage: Was braucht ein Schwein und wie kann man den Bedürfnissen gerecht werden?, wird sie behandeln. Einen Abgabetermin für ihre Arbeit hat Katharina Witte noch nicht. Denn auch die praktische Arbeit nimmt ihre Zeit in Anspruch.
Das Versorgen der Schweine und auch der Aufbau eines neuen Geschäftszweiges. Denn das Experiment hat gezeigt, dass Witte und Leinemann mit der Schweinehaltung weitermachen wollen. „Auf jeden Fall“, sagt Witte. Die Kunden hätten das Angebot sehr gut angenommen, seien bereit, einen höheren Preis für das Fleisch zu bezahlen. Einige waren schön öfter da, viele schauten sich auch die Tiere an, was Leinemann und Witte ausdrücklich begrüßen. „Ich werde jetzt Etiketten gestalten und wir wollen einen Verkaufsautomaten kaufen“, erklärt Witte. Einmal im Monat sollen ein oder zwei Schweine geschlachtet werden.
Wie es für Witte nach ihrem Studienabschluss weitergehen wird, ist noch nicht klar., Sie könnte sich vorstellen, in Dingelbe zu bleiben und in den Betrieb einzusteigen. Aber entschieden hat sie sich noch nicht.
Weitere Informationen gibt Katharina Witte unter katharina-witte@gmx.net oder unter 0157/83 52 73 83.
