Bei Bauarbeiten

Spektakulärer Fund unter Hildesheimer Dammstraße: Kirche entdeckt

Hildesheim - Der Fund eines Gewölbes samt Hohlraum unter der Fahrbahn hat die Sperrung der Hildesheimer Dammstraße nach sich gezogen. Doch es gibt eine weitere Entdeckung, die ebenfalls spektakulär ist.

Hildesheim - Natürlich war Christoph Salzmann klar, dass sie irgendwo dort gewesen sein muss, das ist durch historische Quellen verbürgt. Doch wo genau die Johanniskirche stand – das wusste der Stadt-Archäologe nicht; schließlich sind seit der Zerstörung des Gotteshauses mehrere Jahrhunderte vergangen. Jahrhunderte, in denen viel im Boden rund um die Dammstraße passiert ist. Andere Bauwerke entstanden. Leitungen wurden verlegt.

Und so hatte Salzmann nicht damit gerechnet, bei dem Kanalbau der Stadtentwässerung (SEHi) in der Gegend noch auf Spuren der Kirche zu stoßen. Umso überraschter war der Experte aus dem Rathaus, als genau das vor kurzem passierte. Und mag die Entdeckung eines Gewölbes samt Hohlraum unter der Dammstraße derzeit Stadtgespräch sein, weil dies den Verkehr für mehrere Woche lahmlegt: Das, was die Mitarbeiter der Firma Archaeofirm wenige Meter vor dem Hohlraum im Boden fanden, ist nicht weniger spektakulär. Der sonst eher zurückhaltende Salzmann nennt es „schon sehr spannend“.

Johanniskirche musste einer Befestigungsanlage weichen

So haben die Experten von Archaeofirm, die die Bauarbeiten der SEHi begleiten, mehrere Mauerreste freigelegt, die Salzmann „zu 99 Prozent“ als Teile des Chores der Johanniskirche identifiziert hat. Diese war Anfang des 13. Jahrhunderts gebaut und dann rund 130 Jahre später beim Überfall der Altstädter auf die Dammstadt zerstört worden.

Knapp 15 Jahre später stand das Gotteshaus wieder. Ziemlich genau zwei Jahrhunderte darauf ließ die Stadt es abreißen und durch eine Befestigungsanlage ersetzen.

Der Grundriss ist eindeutig der eines Kirchenchores

Christoph Salzmann, Stadt-Archäologe

Der Name der Kirche ist jedoch in der Umgebung erhalten geblieben: Am Dammtor mündet die Johannisstraße in die Dammstraße, kurz dahinter liegt der Johannisfriedhof. Doch was macht Salzmann eigentlich so sicher, dass es sich um den Chor der zerstörten Kirche handelt? Er habe den Verlauf der gesamten Mauer anhand der Reste rekonstruiert, sagt der Stadt-Archäologe: „Der Grundriss ist eindeutig der eines Kirchenchores.“

Kurz neben diesem entdeckten die Archäologen zudem Teile eines anderen, früher entstandenen Gebäudes, dessen Steine für den Bau der Kirche genutzt wurden. Und in unmittelbarer Nähe des Hohlraums, der derzeit den Verkehr ausbremst, stießen die Experten auf eine weitere Mauer. Wozu die einst gehört hat? „Das wissen wir noch nicht“, sagt Archaeofirm-Mitarbeiter Gregor Brose.

Stadt will Geld bereitstellen, um Skelette untersuchen zu lassen

Unklar ist auch nach wie vor, wie sich die Skelette zuordnen lassen, von denen inzwischen mehr als 50 bei den Kanalarbeiten geborgen wurden: Gehörten sie zu einem Friedhof der Johanniskirche? Oder waren die Menschen, deren Überreste dort über mehrere Jahrhunderte im Boden lagen, einst Patienten des Johannis-Hospitals?

Es lag neben der Kirche an der Innerste, war 1161 gebaut, wie das Gotteshaus beim Überfall der Altstädter 1332 zerstört und später wieder aufgebaut worden. Im Gegensatz zur Kirche überdauerte das Hospital die folgenden Jahrhunderte – bis es 1945 endgültig zerstört wurde.

Da blutet einem schon das Herz

Christoph Salzmann, Stadt-Archäologe

Wie letztlich auch die ehemalige Mauer des Kirchenchores. Die Archäologen zeichneten und fotografierten die Steine – danach rollte der Bagger an und demolierte sie. Denn das öffentliche Interesse an dem neuen Kanal der SEHI überwiege nun einmal den Denkmalschutz, sagt Salzmann mit offenkundigem Bedauern. „Da blutet einem schon das Herz.“

Immerhin: Die Stadt will versuchen, Geld im Haushalt locker zu machen, um die Skelette von einem Anthropologen untersuchen zu lassen. Dieser könnte dann feststellen, wie alt die Toten waren, welchen Geschlechts und woran sie vielleicht gestorben sind.

Am liebsten würde Salzmann per Radiokarbonmethode außerdem herausfinden lassen, in welchem Zeitraum die Menschen lebten. „Doch das kostet pro Probe jeweils 350 Euro“, sagt Salzmann.

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