Hildesheim - Der Hohlraum unter der Dammstraße könnte tatsächlich dazu führen, dass die Fahrbahn einstürzt: Diese Erkenntnis haben Stadtentwässerung (SEHi) und Stadt am Mittwochmorgen aus Videoaufnahmen gewonnen. Damit bleibe es bei der Sperrung der Dammstraße, sagte SEHi-Bereichsleiter Michael Ködding der HAZ: „Das war die richtige Entscheidung am Dienstag.“
Das war die richtige Entscheidung am Dienstag
Diese war am Nachmittag gemeinsam von dem Unternehmen und der Stadt getroffen worden. Arbeiter waren zuvor beim Bau eines Kanals etwa 1,60 Meter unter der Fahrbahn auf ein jahrhundertealtes Gewölbe samt Hohlraum darunter gestoßen. Als einer der Archäologen, die das Vorhaben begleiten, das Bauwerk näher untersuchen wollte, löste sich ein Stein.
Weitere Steine könnten herausfallen
Und es könnten weitere Steine herausfallen – das zeigen Aufnahmen einer Kamera, mit der die SEHI am Mittwochmorgen das Innere des Hohlraums aufgenommen hat. Ob das erst vor kurzem geschehen sei oder schon vor längerer Zeit, lasse sich zwar nicht sagen. Doch für den SEHi-Bereichsleiter gibt es keinen Zweifel: „Das sieht nicht gut aus.“
Erst recht nicht, wenn weiter wie bisher 20 000 Fahrzeuge täglich auf der Strecke unterwegs wären. Tatsächlich weist die Fahrbahn oberhalb des Hohlraums deutliche Risse auf. Solche gebe es zwar auch auf anderen Straßen in Hildesheim, sagt Ködding. „Doch ausgerechnet dort – da lässt sich ein Zusammenhang mit dem Hohlraum zumindest nicht ausschließen.“ Zumal der Bereich über der Stelle in den vergangenen Wochen durch die halbseitige Sperrung in Folge der Kanalarbeiten stärker mit Schwerlastverkehr belastet worden sei als sonst.
Die neue Verkehrslenkung
Und so stimmten sich SEHi, Polizei und Stadt am Mittwoch vor Ort über die Verkehrslenkung ab: Es bleibe bei der Vollsperrung an der Kreuzung B243 (Alfelder Straße)/ Dammstraße, sagt Rathaussprecher Helge Miethe. Zudem ist die Zufahrt zur Dammstraße ab der Kreuzung Kardinal-Bertram-Straße/Pfaffenstieg dicht. Anlieger dürfen die Straße bis zur Baustelle benutzen, Verkehrsschilder weisen daraufhin. Auch die Johannisstraße/Ecke Langenlienenwall ist gesperrt. Die Stadt bittet Anwohner, über die Lucienvörder Straße zu fahren.
Ansonsten gibt es keine Umleitungsempfehlungen: Davon werde abgesehen, sagt Miethe, man rechne wegen Himmelfahrt und Pfingsten in den nächsten Tagen mit weniger Verkehr. Die Verwaltung rät den Bürgern, sich selbst Wege suchen, bittet sie aber darum, den Bereich weiträumig zu umfahren.
Einige Autofahrer versuchten am Dienstag, vom Hagentorwall aus über die Michaelisstraße in Richtung Burgstraße zu gelangen. Doch das bleibt wegen der Einbahnstraßenregelung in dem Bereich verboten, betont die Polizei. Auch der Wunsch des CDU-Politikers Dirk Bettels, die Brücke an der Kleinen Venedig über den Mühlengraben für Autos zu öffnen, geht nicht in Erfüllung. Aus Sicht der Verwaltung ist diese Variante „im wahrsten Sinne des Wortes keine belastbare Option“, sagt Sprecher Miethe. Die Verantwortlichen im Rathaus zweifeln daran, dass die Brücke den Verkehr tragen könnte.
Ein Verkehrschaos blieb am Mittwoch aus
Doch all den Widrigkeiten zum Trotz: Ein Verkehrschaos in der Innenstadt sei am Mittwoch ausgeblieben, berichtete Polizeisprecher Jan Makowski. Vielleicht hätten viele Menschen bereits von der Sperrung gewusst und sich darauf eingestellt, vermutet er. Die Stadt hatte am Dienstagabend zunächst auch die Zufahrt vom Hindenburgplatz in die Schuhstraße unterbunden, diese Sperrung aber später wieder aufgehoben. Wie Miethe am Mittwoch ankündigte, werde die Polizei das Verkehrsgeschehen beobachten und bei Bedarf nach Absprache nachsteuern.
Busverkehr stark betroffen
Stärker als der Auto- war am Mittwoch der Busverkehr betroffen. Der SVHi warnte auf seiner Internetseite vor Beeinträchtigungen und Verspätungen im gesamten Liniennetz, für mehrere Verbindungen gibt es wegen der Sperrung der Dammstraße konkrete Einschränkungen. „Sie ist eine unserer Haupttangenten“, betont der stellvertretende SVHi-Chef Bernd Störig, auf der Strecke seien unter anderem die 1, 5 und 6 unterwegs, also drei der sechs Hauptlinien. Die Busse müssten nun zum Teil deutlich längere Umleitungen fahren.
Die Dammstraße ist eine unserer Haupttangenten
Für die SEHi hat die Entdeckung des Hohlraums kurioserweise auch positive Folgen: Weil die Sperrung der Dammstraße so schnell wie möglich wieder aufgehoben werden soll, dürfen die Archäologen bei den Bauarbeiten ab sofort kaum noch eingreifen. Vor Dienstag hatten sie das oft getan. So waren an der Bischofsmühle in den vergangenen Monaten unter anderem Dutzende von Skeletten entdeckt worden. Das hatte den Baufortschritt deutlich verlangsamt, die Arbeiten sind nach Angaben von SEHI-Bereichsleiter Ködding 14 Wochen im Verzug: „Jetzt geht es deutlich schneller voran.“ Um was es sich bei dem Gewölbe über dem Hohlraum genau handelt, steht noch nicht fest, die Archäologen tippen auf eine Brücke. Was genau das Bauwerk am Ende auch einst war: Am Ende werden dessen Bestandteile als Bauschutt auf der Deponie landen, daran kann auch die Begeisterung des Stadt-Archäologen Christoph Salzmann („das ist schon sehr interessant“) nichts ändern. Voraussichtlich am 17. Juni soll die Dammstraße wieder offen sein.


