Kreis Hildesheim - Immer mehr ukrainische Flüchtlinge im Landkreis Hildesheim nehmen eine sozialversicherungspflichtige Arbeit auf oder beginnen Ausbildungen – und ihre Zahl dürfte bald deutlich zunehmen. Davon geht das Jobcenter Hildesheim als hauptsächlich für die Gruppe zuständige Behörde aus. Die Einschätzungen decken sich mit denen der Agentur für Arbeit in Hildesheim – und mit bundesweiten Erkenntnissen.
Viele starten Ausbildungen
Aktuell ist die der Zahl der Menschen aus der Ukraine mit sozialversicherungspflichtigen Jobs im Kreis noch überschaubar. Das Jobcenter kennt 107, es dürften allerdings mehr sein. Denn die Behörde betreut nur etwa 3000 der 4000 in den Landkreis geflohenen Ukrainer. Was auch daran liegt, dass sie die Zuständigkeit für die Gruppe erst im Juni vergangenen Jahres übernommen hat. Wer schon vorher einen Job in Deutschland fand, wer zum Beispiel digital seine Arbeit aus der Heimat weitermacht, oder wer keine Sozialleistungen beantragte, kommt in dieser Statistik also nicht vor.
Die Arbeitsagentur wiederum hatte im Januar berichtet, dass in jedem Monat eine zweistellige Anzahl von Ukrainerinnen und Ukrainern eine sozialversicherungspflichtige Stelle angetreten habe. Zugleich hatte die Behörde darauf verwiesen, dass mehrere Hundert Flüchtlinge aus der Ukraine in Stadt und Landkreis Berufsausbildungen begonnen hätten. Ein deckungsgleiches duales Ausbildungssystem wie in Deutschland gibt es in dem osteuropäischen Land nicht.
Hunderte büffeln Deutsch
Die Daten passen zu einer bundesweiten Analyse, die die Bundesagentur für Arbeit vor wenigen Tagen vorgestellt hat. Demnach haben inzwischen 65.000 der rund eine Million ukrainischen Flüchtlinge in Deutschland Arbeit gefunden, weitere 21.000 zumindest Minijobs. „Sie alle tragen zur Bekämpfung des Personalmangels in der deutschen Wirtschaft bei“, erklärte die Bundesagentur dazu.
Dieser Effekt dürfte bald noch stärker werden – auch im Kreis Hildesheim. Davon ist das Jobcenter überzeugt. Der Grund: 526 Ukrainerinnen und Ukrainer büffeln derzeit in insgesamt 20 Sprachkursen bei der Volkshochschule, der Deutschen Angestellten-Akademie, der Buhmann-Schule und dem Bildungszentrum SBH-Nord.
„Gute Motivation“
„Da die Masse der Kurse im Herbst begonnen hat, gibt es noch nicht viele Flüchtlinge, die das Sprachniveau der Stufen B1 und B2 schon erreicht haben“, sagt Walter Prigge, Pressesprecher des Jobcenters. Diese Level sind für die Aufnahme einer Arbeit zwar nicht Bedingung, werden in vielen Bereichen aber als sinnvoll angesehen und erleichtern den Zugang deutlich – „vor allem auf Fachkräfte-Niveau“, wie Prigge sagt. Im Frühjahr dürften viele Ukrainer die entsprechenden Zertifikate bekommen. „Das Interesse am Erwerb der deutschen Sprache ist bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchweg hoch“, betont Prigge. Ein Problem sei hingegen der Mangel an Deutsch-Lehrkräften, der eine Ausweitung der Kurse erschwere.
Jobcenter-Chef Ulrich Nehring verfolgt das Ziel, dass möglichst jeder Geflüchtete eine Berufsausbildung absolviert, so weit er nicht schon eine hat, zumindest aber eine sogenannte Teilqualifizierung. „Die gute Motivation bei den geflüchteten Menschen sollte genutzt werden, um den Fachkräftemangel zu lindern!“
