Innenstadt

Was haben andere Ampelschaltungen und neue Spuraufteilungen in der Hildesheimer Innenstadt gebracht? Verwaltung nennt Zahlen

Hildesheim - Die Stadt hat an vier Kreuzungen in der Hildesheimer Innenstadt die Ampelschaltungen und Spuraufteilungen verändert – mit dem Ziel, Durchgangsverkehr aus dem Zentrum zu verdrängen. Dies ist nach einer ersten Auswertung auch gelungen – wenn auch nicht überall in dem erhofften Maß.

Die Kreuzung Hindenburgplatz/Wollenweber Straße in Hildesheim: Hier biegen zwar weniger Autos aus der Goslarschen Straße nach links ab als vor den Umstellungen, doch nicht so viele wie von der Stadt erhofft. An den anderen Kreuzungen sieht es zum Teil deutlich besser aus. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Stehen in Hildesheim Neuerungen in der Verkehrsführung an, ist die Aufregung stets groß. Besonders groß war sie im Herbst 2023, als die Stadt die Ampelschaltungen und Spuraufteilungen an drei Kreuzungen änderte – mit der Absicht, den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt zu verdrängen. Im vergangenen Jahr stellte die Stadt dann auch die Ampeln am Dammtor um, ordnete auch dort die Spuren anders an. Doch ist der Verkehr im Zentrum wirklich weniger geworden? Eine Auswertung der Verwaltung zeigt: Ja, grundsätzlich schon – wenn auch nicht überall im erhofften Ausmaß.

Die Herangehensweise war an allen vier Kreuzungen die gleiche: Ampeln und Spuren sollten so verändert werden, dass Autofahrer, die kein Ziel im Zentrum ansteuern, die entsprechenden Straßen links liegen lassen und stattdessen einen Bogen um die Innenstadt machen.

Hier haben sich die Hoffnungen der Stadt nur begrenzt erfüllt

Für den Hindenburgplatz bedeutet das konkret: Auf der Strecke Zingel/Goslarsche Straße kommt man seit Herbst 2023 an der Ampel flotter voran, in Richtung Wollenweberstraße und Schuhstraße dauert es länger. Zudem erhielten alle vier Zufahrten zur Kreuzung eigene Busspuren, die auch von Radfahrern mitgenutzt werden dürfen – mitsamt eigener Aufstellfläche für die Radler.

Doch am PvH, wie der Platz im Volksmund heißt, haben sich die Hoffnungen der Stadt nur begrenzt erfüllt. So fuhren laut Verkehrsmodell der Verwaltung vor den Umstellungen in der Spitzenstunde im nachmittäglichen Berufsverkehr 280 Wagen über die Kreuzung in die Wollenweberstraße. Ein Minus um 30 Prozent wäre eine Reduzierung auf 197 Fahrzeuge. Tatsächlich waren dort bei einer Messung am 16. Februar 251 Wagen unterwegs. Das sind zwar weniger als vor dem Herbst 2023 – allerdings gerade mal zehn Prozent.

Genaue Erklärung gibt es nicht

Im Gegenzug stieg der Verkehr auf der Route Goslarsche/Zingel, die eigentlich stärker belastet werden sollte, weniger kräftig an; er lag bei der Messung in der Spitzenstunde am 16. Februar sogar unter den früheren Werten, am 21. August immerhin etwas darüber. Eine genaue Erklärung hat die Bauverwaltung für diese Entwicklung nicht. Stadtbaurätin Andrea Döring vermutet einen Zusammenhang mit Einschränkungen auf der Autobahn und möglichen Umleitungen. Um mehr herauszufinden, müsste man die Fahrer befragen, betont die städtische Verkehrstechnikexpertin Bettina Beyer.

Einen leichten Rückgang des Verkehrs registriert die Stadt an der Kreuzung Kaiserstraße/Kardinal-Bertram-Straße. In letzterer kamen vor der Umstellung 240 Fahrzeuge an, bei einem Rückgang um 30 Prozent hätten es jetzt noch 168 sein dürfen. Tatsächlich waren dort am 15. Januar in der Spitzenstunde 223 Fahrzeuge unterwegs.

Ursprüngliche Pläne korrigiert

Die Verwaltung hatte allerdings ihre ursprünglichen Pläne für die Kreuzung auch korrigiert. So sollten Radfahrer aus Richtung Marie-Wagenknecht-Straße die Busspur geradeaus nutzen. Doch dies habe sich nicht bewährt und vor allem als nicht nötig erwiesen, erklärt Döring. Denn die Radler seien weiter auf den Fußgängerübergängen der B 1 unterwegs.

Zudem hatte die Stadt den Zebrastreifen auf dem Rechtsabbieger aus der B 1 in die Kardinal-Bertram-Straße durch eine Ampel ersetzt. Die sollte eigentlich durchgehend Rot für Autos zeigen und nur auf Anforderung Grün werden; Fußgänger sollten dagegen Dauergrün haben. Doch die Verkehrsmenge sei an der Stelle viel geringer als gedacht, sagt Beyer. Daher blieben beide Ampeln nun in der Regel aus; es sei denn, ein Fußgänger fordere ausdrücklich Grün an. „Wir hätten sonst mit Kanonen auf Spatzen geschossen.“

Aus dem gleichen Grund hat die Verwaltung beim Rechtsabbieger aus der Alfelder Straße in die Dammstraße auf ein Dauerrot für Autos und Dauergrün für Fußgänger verzichtet. Auch hier, an der sogenannten Dammtorkreuzung, sind Ampelphasen und Spuren geändert worden – so teilen sich aus Richtung Bergsteinweg jetzt Links-, Rechtsabbieger und Geradeausverkehr eine Wartespur.

Hoher Rückgang am Dammtor

Am Dammtor beträgt der Rückgang sogar mehr als 30 Prozent: Vor den Umstellungen waren in der Dammstraße direkt hinter der Kreuzung 367 Fahrzeuge unterwegs, angepeilt war eine Zahl von 257. Tatsächlich waren dort am 15. Januar in der Hauptverkehrsstunde am Nachmittag nur 196 Fahrzeuge unterwegs. Döring hatte jüngst schon im Rat von dem großen Rückgang berichtet. Sie hatte dies damit begründet, dass vermutlich viele Autofahrer während der Sperrung der Dammstraße auf andere Strecken ausgewichen seien und diese auch nach der Freigabe weiter nutzten.

Auch an der Kreuzung Hohnsen/Struckmannstraße ist mehr Geradeausverkehr in Richtung Neustadt weggefallen als von der Stadt erhofft. Die war vor den Veränderungen von 331 Fahrzeugen in der Spitzenstunde ausgegangen, angepeilt waren 218. Tatsächlich waren es am 11. September lediglich 189 und am 15. Januar 203. Und das, obwohl die Stadt die Grünphase in Richtung Neustadt nach der Verkürzung im Herbst 2023 ein paar Wochen später wieder etwas verlängert hatte, weil sich der Geradeausverkehr bis weit über den Hohnsensee hinaus gestaut hatte.

„Ganz zufrieden“

Kein Wunder, dass sich Baudezernentin Döring insgesamt mit den Zahlen „ganz zufrieden“ zeigt. Zumal nach ihren Beobachtungen gleichzeitig zum Rückgang des Verkehrs in der Innenstadt der Betrieb auf dem sogenannten City-Ring, der ums Zentrum herumführt, zugenommen hat. Zahlen kann die Verwaltung dazu nicht vorlegen; man könne diese aber bei Bedarf ermitteln, was allerdings sehr aufwendig sei, betont Bettina Beyer.

Die relativiert auch das vom Rathaus seinerzeit verkündete Ziel, den Durchgangsverkehr möglichst um 30 Prozent zu senken. Man sei dabei von der Berechnung ausgegangen, um wie viel Prozent mehr jene Spuren an den Kreuzungen belastet werden sollten, auf denen die Autos ums Zentrum herumgeleitet werden sollen: Der Wert sei also nur angenommen gewesen.

Neues Erfassungssystem liefert Zahlen

Dass Beyer dagegen jetzt reale Zahlen vorlegen kann, hat die Verwaltung dem neuen Erfassungssystem My City zu verdanken: Dieses ist Teil des Verkehrsleitsystems, dessen Kosten die Stadt fast komplett über Zuschüsse finanzieren konnte. Das Gleiche gilt für die Veränderungen bei den Ampelschaltungen und Spuraufteilungen, die im Verwaltungsdeutsch als „Netzwiderstände“ deklariert sind und auf einen Ratsbeschluss aus dem Jahr 2011 zurückgehen. Beides – sowohl My City als auch die Netzwiderstände – habe sich gelohnt, ist Döring überzeugt. „Wir können durch das neue System die Ampeln jetzt auch wieder flexibler steuern.“

Mit Blick auf Ansagen der CDU, im Falle eines Wahlsieges im Herbst die Änderungen wieder aufzuheben, gibt die Baudezernentin eine Warnung aus: Drehe man alles zurück, würde dies gerade am PvH zu Lasten der Fußgänger gehen. Denn sie profitierten am meisten von den Umstellungen.

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