Kreis Hildesheim - 2007, 2013, 2017 und 2023: alles Hochwasser-Jahre in der Region Hildesheim. Vor den Gefahren, die Menschen durch Überschwemmungen drohen, kann niemand mehr die Augen verschließen. „Im Lichte“ der frischen Erinnerung an das jüngste Hochwasser, wie es der Giesener Sprecher der Mehrheitsgruppe im Gemeinderat Harms Bartölke ausdrückt, kommen nun erneut Überlegungen auf den Tisch. Die Gruppe hatte berereis 2002 dafür plädiert, das Thema in den Blick zu nehmen. Die Gemeinde soll nun prüfen, ob ein Wall als dauerhafter Schutz von Siedlungen in Frage kommt. Dabei geht es um drei Orte in ihrem Gebiet.
Ahrbergen, Groß Förste und Giesen sahen im vergangenen Dezember Überschwemmungen immer näher rücken. Unter anderem mithilfe eines mobilen Schutzsystems gelang es, das Wasser einzudämmen. Aber die Feuerwehr und viele andere Helfer, die während der Gemeinderatssitzung am Montagabend vom Bürgermeister Frank Jürges (CDU) sehr gelobt wurden, brauchen aus Sicht der Politik für ähnliche Ereignisse dringend Entlastung. Dauerhaft. Darum hat die SPD einen Antrag vorgelegt, um die Deich-Idee zu prüfen. Und um zu untersuchen, ob dieser mit den Interessen der Anwohner und im Sinne der Natur verträglich ist. Das will auch die gesamte Politik.
Auch geplante Windräder stehen im Fokus
Der Wall könnte künftig in Giesen zwischen dem Mailandgraben und den Grundstücksgrenzen verlaufen, in Ahrbergen parallel zum Waldrand. Ein Standort in Groß Förste wurde noch nicht genannt. Wo ein Damm letztlich in welcher Größe effektiv ist, soll die Prüfung ergeben.
Ein Thema, das die Menschen in der Gemeinde ebenfalls bewegt, ist das Windpark-Vorhaben im Raum Giesen und Emmerke. Die genaue Anzahl der Anlagen ist noch offen, vermutet werden zehn bis 15. Ein Bürger wies im Gemeinderat darauf hin, dass die Pläne mit Rücksicht auf die Anwohner etwa in Emmerke umgesetzt werden müssten – zumal der Ort schon von der Bahnstrecke, Gewerbe und der B 1 „umrandet“ sei. Genau dies werde die Gemeinde abwägen, betonte Verwaltungschef Jürges.
Bürger sollen mit Politik im Gespräch bleiben
SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Raue ermunterte die Bürgerinnen und Bürger, mit Blick auf die Windkraft-Pläne weiter an politischen Sitzungen teilzunehmen. Es sei wichtig, miteinander im Gespräch zu bleiben.
SPD-Ratsherr und Bundestagsabgeordneter Bernd Westphal meldete sich ebenfalls zu Wort und unterstrich die Bedeutung von Transparenz: „Die schafft Vertrauen.“ Immerhin gehe es auch um eine Veränderung der Landschaft. Harms Bartölke wies zudem daraufhin, dass die Windräder unter anderem Gewerbesteuereinnahmen einbrächten. Adrian Schiebe (parteilos) würdigte den Plan, eine Fläche für Windkraft zu nutzen. Die müsse aber noch eingegrenzt werden. Die Politik stimmte einmütig für ein Planverfahren, um das Vorhaben zu forcieren. Das Verfahren wird einem Fachplaner zufolge wohl bis Mitte 2025 andauern.
Meyer zieht sich aus Gemeinderat zurück
Ein Stühlerücken gab es zudem im Gemeinderat. Helmut Meyer (SPD) zieht sich nach 20 Jahren aus dem Gremium zurück, nicht aber aus dem Ortsrat Ahrbergen. Meyer war auch stellvertretender Gemeindebürgermeister, das Amt übernimmt Parteigenosse Herbert Pape aus Ahrbergen. Der fungiert dort auch als Ortsbürgermeister. Meyer sagte augenzwinkernd, dass, wenn er während seiner Zeit als SPD-Fraktionschef jemand auf die Füße getreten sei, dies hoffentlich Wirkung gezeigt habe. Meyer bedankte sich überdies ausdrücklich für die Zusammenarbeit mit den anderen Politikern im Rat. Diese würdigten parteiübergreifend sein Engagement. Für den Mann aus Ahrbergen rückt nun Thomas Trippner in den Gemeinderat.
