Hildesheim - Die Baupläne für den Marienburger Platz samt Einkaufszentrum und Ärztehaus sowie die Erweiterung der Universität Hildesheim in Richtung Süden und als drittes in Richtung Kleingartenkolonie Blauer Kamp gehen nun öffentlich an den Start. Mit der Vorstellung im Ortsrat Marienburger Höhe/Galgenberg am Dienstag, 15. Februar, um 19 Uhr in der Mensa der Oskar-Schindler-Gesamtschule startet das formelle Verfahren.
Doch bis zum Abschluss beider Vorhaben werden noch Jahre ins Land gehen. Und die Zeit, bevor die Bauarbeiten beginnen, können nun Anlieger auf der Höhe, Politiker, Uni, Verwaltung und Investoren dazu nutzen, offene Fragen zu klären. Und davon gibt es reichlich.
Warum wird abgerissen?
Gründe für den Abriss: Bereit 2014 gab es Bestrebungen, die Verkaufsfläche für den Nahversorger, einen Edeka-Markt, zu vergrößern. Der verfügt über eine Fläche von 1000 Quadratmetern – bei weitem nicht mehr genug für so einen großen Stadtteil wie die Marienburger Höhe samt Galgenberg.
Die Stadt Hildesheim setzt mittlerweile darauf, für die Nahversorgung möglichst kurze Wege zu ermöglichen. Das betrifft auch die ärztliche Versorgung. „Die Zeit der Supermärkte auf der grünen Wiese ist vorbei“, formuliert es Sandra Brouer, städtischen Planungschefin, anlässlich der Vorstellung der Pläne.
Warum wurden die ersten Pläne gestoppt?
Doch 2014 wurden der erste Anlauf vorerst gestoppt, weil die Stadt damals bereits darauf setzte, für den gesamten Bereich mitsamt der Hochschule und der Verkehrssituation eine große Lösung hinzubekommen.
Die neuen Investoren: Damals sind mit den Immobilienentwicklern bauplan aus Peine und Part AG mit Sitz in Bad Gandersheim zwei Firmen gemeinsam als neue Eigentümer aufgetreten. Sie haben die bisherige Ladenzeile sowie das nebenstehende Ärztezentrum und damit eine Fläche von rund 10 000 Quadratmetern erworben. Das Planungsgebiet ist etwas größer und umfasst auch die Treuburger Straße als neue, zentrale Strecke in Richtung Campusgelände.
Was wollen die Investoren?
Die ersten Pläne: Die bestehenden Gebäude werden abgerissen. Die bisherige Tiefgarage wird erheblich erweitert und wird ungefähr die Fläche der obergeschossigen Bauten einnehmen. Die bisherige Zufahrt von der Marienburger Straße soll bleiben. Statt des bisherigen, niedrigen Flachbaus sollen nun vier unterschiedlich hohe Querriegel mit drei bis zu sechs Geschossen entstehen.
Das entspricht Bauhöhen zwischen 13 und 26 Metern. Auf den unteren Etagen sollen wieder Geschäfte einziehen. Es soll Flächen für Büros und Praxen geben, die oberen Geschosse werden zu Wohnungen umgebaut. Zusätzlich zu dem, nun größeren Supermarkt, soll auch eine Drogerie Platz finden. Außerdem sieht die Planung eine Kita vor.
Wann passiert was?
Der Bebauungsplan soll in einem beschleunigten Verfahren auf den Weg gebracht werden, kündigt Stadtbaurätin Andrea Döring an, vielleicht wird es ein bis anderthalb Jahre, bevor der Bau losgehen wird. Wie lange der Bau selbst dauern wird, dazu kann sie auch nichts Genaueres sagen.
Und die Geschäfte?
Klar ist nur, dass für die Bauphase – also von Abriss bis Neueröffnung – noch keine Lösung für die bisherigen Geschäfte und Praxen auf dem Tisch liegt. Das räumen Brouër und Döring ein. „Wir müssen die Übergangsfragen aber klären“, sichert die Stadtbaurätin zu. Die Investoren seien jedenfalls mit ihren derzeitigen Mietern auch dazu in Gesprächen.
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Was ist mit dem Verkehr?
Die Marienburger Straße wird eine zentrale Hauptverkehrsstraße bleiben. Davon geht Döring aus. Und das werden auch alle Pläne einer Mobilitätsstation oder das Umsteigen auf Räder oder in den ÖPNV auch nichts ändern. Trotzdem setzt sie darauf, dass es künftig weniger Verkehr Richtung Süden geben wird, weil die Stadt eben darauf setzt, für die Stadtteile eine eigene Nahversorgung sicherzustellen.
Warum baut die Uni schon wieder?
Personell – sowohl bei den Zahlen der Studierenden als auch bei Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen – hat sich die Hochschule seit 2008 fast verdoppelt. Zwar hat sie in der Zwischenzeit auch auf dem Campus gebaut, doch die Flächen reichen hinten und vorne nicht, rechnet Thomas Hanold, Baudezernent der Uni, vor.
Mittlerweile sind Teile der Verwaltung und des Instituts Psychologie in angemietete Gebäude in der Stadt untergekommen. Für die soll nun im nordöstlichen Bereich eine Fläche der Kleingartenkolonie genutzt werden, um dort zwei neue Gebäude zu errichten.
Wo sollen die Kleingärtner hin?
Die Hochschule will als Ausgleich etwa 16 neue Kleingärten schaffen, entlang der neugestalteten Uferpromenade an der Tonkuhle, wo es auch eine Streuobstfläche geben soll. Die neu bebaute Fläche in der Kolonie soll naturnah, auch mit Wasserflächen gestaltet werden, Hanold setzt dabei auf ökologische Konzepte mit Aufenthaltsqualität auch für die Anlieger. In Richtung Vereinsheim bietet er auch gemeinsame Nutzungen an, doch das erste Gespräch dazu wurde zunächst wieder verschoben.
Klicken Sie in der Karte auf die grauen Symbole, um mehr über die markierten Flächen zu erfahren.
Gibt es neue Parkplätze?
Der neu geplante Campusbereich im Norden der Hochschule soll autofrei werden, trotzdem gibt es weiterhin Parkplätze, mehr als vorher, denn auf der südlichen Fläche wird ein Parkdeck gebaut. Hanold will damit auch erreichen, dass die Anlieger im Wohngebiet nicht zugeparkt werden, er kann sich auch ein Anliegerparken dort vorstellen, doch das sei nun mal Sache der Stadt.
Wann es weitergeht
Wie es weitergeht: Als nächstes werden die Pläne öffentlich in der Ortsratssitzung Marienburger Höhe/Galgenberg am Dienstag, 15. Februar, in der Mensa der OSG und als Online-Übertragung vorgestellt. Beginn ist um 19 Uhr. Die Plätze in der OSG sind vergeben, dort gilt die 2Gplus-Regel. Wer die Sitzung online verfolgen möchte, muss sich per E-Mail oder telefonisch unter 05121/301-1024 melden, um die Zugangsdaten mitgeteilt zu bekommen. Am Mittwoch, 9. März, tagt der Stadtentwicklungsausschuss um 17.30 Uhr zu dem Thema im Rathaus.
