Kreis Hildesheim - Es war eine turbulente Woche für Walter Hermann (Name geändert) und seine Lebensgefährtin. Am Montag erhielten die beiden 84-jährigen Hildesheimer Post, die sie so herbeigesehnt hatten: ein Impftermin am Donnerstag, 19. März, im Hildesheimer Impfzentrum! Darauf hatten sie schon lange gewartet. Am Dienstag folgte gleich das nächste Schreiben: eine Erinnerung, den Termin bloß nicht zu verpassen. Am Mittwoch dann schließlich der dritte Brief: Der Impftermin müsse wegen der Aussetzung der Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca leider abgesagt werden, ein neuer Termin werde noch bekanntgegeben.
Automatische Vergabe
Die Briefe-Flut in Hermanns Postkasten offenbart zweierlei: Zum einen wurde die Freigabe von Astrazeneca für alle Altersgruppen vor einer Woche – kurz vor der Aussetzung – offenbar schnell in den Terminsystemen des Landes umgesetzt. Auch Landkreis-Einwohner ab 80 Jahren müssen nun damit rechnen, dass dieser Impfstoff für sie vorgesehen wird. Und nicht, wie bis dahin für alle über 65 Jahren, das Vakzin von Biontech oder das von Moderna, wobei letzteres bisher ohnehin nur in sehr geringen Mengen vorrätig ist.
Zum anderen wird noch einmal deutlich, was die Landesregierung schon öfter betont hat: Beim Impfstoff haben die Impfwilligen keine Wahl. Zumindest derzeit nicht. Die Termine werden automatisch über die Warteliste vergeben. Erst am Donnerstag wurden für das Hildesheimer Impfzentrum wieder 2180 Impftermine freigegeben. Sie gehen vollständig an Personen, die noch auf der Warteliste stehen.
Vertrauen in Biontech größer
Welcher Impfstoff den einzelnen Impfberechtigten dabei zugeteilt wird, hängt ebenfalls an der Automatik, die zudem die Reihenfolge der Anmeldung und die von den Impfwilligen angegebenen Wunsch-Zeiträume berücksichtigt. Nachdem seit Freitag der Astrazeneca-Impfstoff in Deutschland wieder eingesetzt werden darf, ist die Wahrscheinlichkeit, für diesen eingeplant zu werden, in der Regel höher – weil davon mehr zur Verfügung steht als vom Biontech-Vakzin.
Letzteres ist bei vielen Bürgern populärer. Weil es anders als bei Astrazeneca bisher keine Debatten um Wirksamkeit und Nebenwirkungen gab. Aber auch, weil gerade viele 80-Jährige, die jetzt erst an die Reihe kommen, Altersgenossen kennen, die bereits mit Biontech geimpft wurden und das Präparat meist gut vertragen haben. So geht es auch Walter Hermann: „Ich würde Astrazeneca zwar auch nehmen, aber meine Lebensgefährtin ist da sehr skeptisch – uns beiden wäre Biontech natürlich lieber.“
Was geht beim Hausarzt?
Bei vielen Jüngeren klingt hingegen eher durch, dass sie auch den Astrazeneca-Impfstoff gern nehmen würden, wenn sie dadurch früher an die Reihe kämen. Doch solche Wahlmöglichkeiten sind nicht vorgesehen. Wer eine Impfung mit einem der Impfstoffe ablehnt, muss sich „ganz hinten anstellen“, hat die Landesregierung bereits mehrfach erklärt. Heißt: Betroffene fliegen von der Termin- und Warteliste, müssten sich neu anmelden und würden dadurch am aktuellen Ende der Warteliste eingefügt. Ohne die Garantie, dann den Wunsch-Impfstoff zu bekommen, aber zumindest mit der Chance.
Die Alternative dürfte sein, noch deutlich länger zu warten. Darauf, dass – vom Land geplant ist Mitte April – die Hausärzte in ihren Praxen oder bei ihren Hausbesuchen impfen und bezüglich des Präparats mit sich reden lassen. Wobei noch nicht sicher ist, ob die Praxen dann überhaupt verschiedener Vakzine zur Auswahl zur Verfügung haben.
