Schwierige Wirtschaftslage

Wie die insolvente Gießerei aus dem Kreis Hildesheim ihre Probleme erklärt – und warum sie trotzdem zuversichtlich ist

Röllinghausen - Die Geschäftsführung der Metallgießerei Funke hat sich ausführlicher als bislang zu den Gründen für ihren Insolvenzantrag geäußert. Zugleich zeigt sie sich optimistisch, dass der Betrieb langfristig weitergehen kann.

Die Metallgießerei Funke hofft auf eine Sanierung im Insolvenzverfahren. Foto: Thomas Jahns

Röllinghausen - „Soweit wir es zum jetzigen Zeitpunkt einschätzen können, gibt es gute Argumente, das Unternehmen fortzuführen“, äußert sich Jürgen Dreyer, Geschäftsführer der Metallgießerei Wilhelm Funke in Röllinghausen, vorsichtig optimistisch zur Zukunft des Betriebes. Das Unternehmen hatte Ende Oktober einen Insolvenzantrag gestellt.

Zahlungsmoral lässt nach

Als Gründe für den Schritt nannte Dreyer gleich ein ganzes Bündel von Umständen. So sei das Unternehmen, wie viele andere auch, von der allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage in der Automobilindustrie sowie im Maschinenbau betroffen und in Liquiditätsschwierigkeiten geraten. Dann hätten die Rückzahlungen der Corona-Hilfen an den Bund sowie die extrem hohen Energiekosten die Firma belastet.

„Bei den Kosten für Energie sind wir in Deutschland einfach nicht wettbewerbsfähig“, meint der Unternehmensvertreter. Und auch die Zahlungsmoral von Kunden habe zuletzt spürbar nachgelassen. „Viele unserer Kunden sind selbst im Schwierigkeiten geraten“, zeigt Dreyer ein gewisses Verständnis für die Probleme.

Gesamtlage als Problem

„Wir können nicht sagen, dass wir den einen Fehler gemacht hätten, der am Ende zu dieser Situation geführt hat“, betont der Geschäftsführer. Es seien viele unterschiedliche Faktoren gewesen, die zu dieser Situation geführt hätten. „Letztlich ist es die gesamtwirtschaftliche Lage“, so der Funke-Geschäftsführer.

Welche Überlebenschancen sieht er für die Firma? „Wir haben einen soliden Auftragsbestand“, erklärt der Firmenchef. Der solle jetzt kontinuierlich abgearbeitet werden. Und es gebe „tolle Kunden“, die ein Interesse am Fortbestand des in Röllinghausen angesiedelten Unternehmens haben.

Corona-Hilfen als Problem

Was wird aus den 98 Mitarbeitern der Metallgießerei? Sind Entlassungen geplant? „Für einen Personalabbau haben wir keine Überlegungen angestellt“, erklärte Dreyer. Alle Mitarbeiter hätten einen guten Job gemacht. Niemand stecke im Moment den Kopf in den Sand. „Es ziehen alle mit und sind an Bord“, sagt der Firmenchef. Die Gehälter für die Beschäftigten seien für die Monate Oktober, November und Dezember durch das Insolvenzausfallgeld gesichert und werden nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters wie gewohnt ausgezahlt.

Die Politik wisse, dass viele Unternehmen mit der Rückzahlung der Corona-Hilfen Probleme hätten. Vor allem die Rückzahlungsmodalitäten seien schwierig. Der gesamte Mittelstand ächze unter den geltenden Bedingungen, erklärt der Geschäftsführer. So erfahre das Unternehmen von vielen Kunden in diesen Tagen eine große Unterstützung. Obwohl die wesentlichen Umsätze in der Automobilbranche generiert werden, habe die Metallgießerei Funke in den vergangenen Jahren neue Absatzmärkte in der Luftfahrttechnik sowie im Rüstungsbereich erschlossen (die HAZ berichtete. „Jetzt sollen die ersten größeren Aufträge abgearbeitet werden“, hofft Dreyer.

1960 gegründet

Die Metallgießerei Wilhelm Funke wurde im Jahr 1960 als reine Aluminiumgießerei gegründet. Die Firma fertigt heute in ihrem mittelständisch geprägten Betrieb an zwei Standorten Einzelteile, Kleinserien und Prototypen aus Aluminium und Magnesium. Die flexible Ausrichtung der maschinellen Anlagen für den Produktionsmodellbau, der Gießerei sowie der mechanischen Bearbeitung sorgen für hochwertige Erzeugnisse. Durch das vorhandene Knowhow können Anforderungen an komplexe Gussteile in entsprechender Qualität umgesetzt und in kürzester Zeit geliefert werden.

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