Bockenem - Die Pläne für den geplanten Windpark zwischen zwischen Bockenem und Bornum werden konkreter. Die Stadt geht davon aus, dass der Investor noch im ersten Quartal die Baugenehmigung erhält. Nach Einschätzung der Verwaltung werde dann voraussichtlich 2024 mit dem Bau der sieben Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe von 250 Metern in der Nähe des Königsturms begonnen.
Aktuell existiert seit 2001 der Windpark bei Klein Ilde. Von den fünf Anlagen liegen zwei auf Bockenemer Gemeindegebiet, eine weitere ist geplant. Durch die beiden Windparks stehen im 109 Quadratkilometer großen Stadtgebiet dann 23 Hektar bei Ilde und 67 Hektar am Königsturm für die Windenergie zur Verfügung. Das entspricht 0,82 Prozent des Gemeindegebietes.
Gerichtsbeschluss vergangenes Jahr kippte Windpark-Vorgabe
Viele Jahre hat die Stadt Bockenem versucht, eine Ausschlusswirkung zu erzielen, so dass außerhalb dieser Flächen keine weiteren Windparks errichtet werden können. Diese Ausschlusswirkung wurde allerdings durch einen Gerichtsbeschluss vom Mai vergangenen Jahres für unwirksam erklärt. Somit gilt für Anlagen die Privilegierung im Außenbereich durch das Baugesetzbuch. Sie können überall dort errichtet werden, wo keine rechtlichen Hindernisse vorliegen. „Wir sehen derzeit keine Möglichkeit, steuernd einzugreifen“, hatte dazu Bürgermeister Rainer Block in der letzten Ratssitzung gesagt.
Bei der Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplanes müsste das gesamte Stadtgebiet untersucht werden. Zudem sei mit dem Verfahren ein hoher finanzieller Aufwand verbunden. „Wir kriegen derzeit keinen Planer“, erläuterte Block. Bis zum 1. Februar 2024 muss der Flächennutzungsplan wirksam sein, sonst besteht keine Ausschlusswirkung. „Das ist zeitlich nicht mehr zu schaffen“, stellte der Bürgermeister fest. Im Stadtgebiet tätige Projektentwickler sind nicht dazu verpflichtet, ihre Windparkplanungen frühzeitig vorzustellen. „Dementsprechend steckt die Verwaltung aktuell in einer Zwickmühle, da sie auf der einen Seite ihre Bürgerinnen und Bürger frühzeitig über dieses wichtige Thema informieren möchte, dieses auf der anderen Seite aufgrund mangelnder eigener Information nicht möglich ist“, heißt es in der Information. Sollte eine intensive Untersuchung von Flächen erfolgen, werde die Stadt an den Investor zwecks Organisation einer Infoveranstaltung herantreten.
Weitere Projekte liegen auf dem Tisch
Offiziell haben derzeit vier Projektentwickler ihre Vorhaben vorgestellt. Diese betreffen eine Planung im Bereich der Ortschaften Hary und Störy (Windpark „Harplage“) auf einer möglichen Fläche von bis zu 190 Hektar, eine weitere zu einem Windpark „Volkersheim-Schlewecke“ mit 140 Hektar, einem Windpark zwischen Volkersheim und Mahlum und eine Planung im Bereich des Steinbruches Upstedt.
Zugetragen wurden der Verwaltung weitere Vorhaben auf Flächen in den Bereichen Wohlenhausen/Königsdahlum, Bönnien/Nette, Groß und Klein Ilde sowie Werder/Nette. „Die Stadt Bockenem wird ihren Beitrag zur Umsetzung der Energiewende leisten müssen. Gleichzeitig wird auch die Verpflichtung gesehen, unsere Bürgerinnen und Bürger vor einer zu dichten Bebauung von Windenergieanlagen an Wohngebäuden und vor einer Überfrachtung des Ambergaus mit Anlagen zu schützen“, erklärt die Verwaltung.
Auch der Bau von Freiflächen-Photovoltaikanlagen ist derzeit ein Thema im Ambergau. So bemüht sich ein Investor um die Aufstellung eines Bebauungsplanes für einen etwa fünf Hektar großen Solarpark östlich der A 7 in der Gemarkung Volkersheim.
