Kreis Hildesheim - Das Elektronische Stellwerk (ESTW) Kreiensen kann nicht wie geplant ans Schienennetz gehen. Mit empfindlichen Folgen für tausende Pendlerinnen und Pendler in der Region Hildesheim. Betroffen sind fünf Zuglinien. Ziel der Deutschen Bahn (DB) ist es, noch bis vor Weihnachten einen planmäßigen Zugverkehr zu ermöglichen.
„Ein Schlag ins Gesicht für Fahrgäste“, meint Holger Klages, Hildesheimer Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn. Auch die einzelnen Bahnunternehmen sowie das Land als Aufgabenträger seien von der Entwicklung überrumpelt worden. Heißt: Der Knotenpunkt Sarstedt, über den Linien wie die S4, der Metronom und der Erixx unterwegs sind, ist bis auf weiteres lahmgelegt. Die S4 etwa kann dem S-Bahn-Betreiber Transdev Hannover zufolge nur bis Sarstedt fahren. Von dort aus sollen Busse die Menschen ans Ziel bringen.
Pro-Bahn-Sprecher: „Das istein Skandal“
Die InfraGo, das fürs Schienennetz zuständige Unternehmen des Konzerns, habe erneut Pflichten nicht erfüllt, moniert der Fahrgastverband. Eigentlich hätte das Stellwerk seit Montag, 25. November, funktionieren sollen. Doch Fehlanzeige. Die Probleme, die seit Donnerstag, 21. November auftreten, reißen nicht ab. „Das ist ein Skandal“, übt Klages scharfe Kritik.
Die Bahn bemüht sich nach eigenem Bekunden, die Streckenabschnitte Nordstemmen–Hannover über Messe-Laatzen sowie Barnten–Hildesheim so bald als möglich in Betrieb zu nehmen. Bis kommenden Januar soll die gesamte Technik ihren Dienst tun. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran.“
Brechend volle Züge am Montagmorgen
Einen Vorgeschmack auf das, was Pendlern in den kommenden Wochen blüht, bekamen Bahnkunden schon am Montagmorgen gegen 8.40 Uhr zu spüren. Die S3 zwischen Hannover und Hildesheim über Lehrte war brechend voll, weil weder S4 noch Erixx auf ihrer regulären Zugstrecke verkehrten. Hinzu kam, dass die S3 mit nur einem Zugteil unterwegs war – nur mit viel Glück konnte man einen Sitzplatz ergattern, dutzende Menschen mussten in den Gängen stehen.
Viele Fahrgäste waren zwischen Hannover und Hildesheim geradezu eingepfercht. „Die Züge müssen mit ausreichender Länge fahren, sonst bricht alles zusammen“, sagt Klages. Denn die S3 von Hannover via Lehrte nach Hildesheim sei der einzige Zug, der derzeit nach Plan verkehrt.
Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet
Auch Rainer Wende, einer der vielen betroffenen Pendler, spricht von unerträglichen Zuständen. „Ein Ding der Unmöglichkeit“, meint Wende, der normalerweise ab Hildesheim über Sarstedt nach Hannover fährt – derzeit macht er lieber Home Office. „Die Strecke über Lehrte kann man fast vergessen, die ist doch überlaufen“, berichtet er. Auch die Informationspolitik der DB sei völlig unzureichend.
Fahrgäste, die mit der S4, dem Erixx, der Linie Start zwischen Hildesheim und Hameln unterwegs sind, sollten sich vor jeder Fahrt online über Ersatzbusse informieren. Die fahren in Hildesheim an der Haltestelle F 1 (Modepark Röther) ab. Die Änderungen werden etwa bei der S4 bis einschließlich 1. Dezember immer erst am Vortag in den Auskunftsmedien zu sehen sein, ab 2. Dezember wieder frühzeitig.
Erixx-Züge sollen teilweise über Lehrte umgeleitet werden
Der Erixx wird Unternehmenssprecher Simon Märtens zufolge wohl zum Teil ausfallen. Derzeit sei damit zu rechnen, dass dieser nicht über Sarstedt, sondern über Lehrte zwischen Hannover, Hildesheim und dem Harz pendelt. „Dadurch verspäten sich die Züge um 15 bis 20 Minuten.“
Fahrgäste aus Sarstedt können auf die Straßenbahn-Linie 1 ausweichen, die aber erheblich länger als die Züge von Sarstedt in die Landeshauptstadt unterwegs ist.
Krankheitsfälle verzögernden Abnahmeprozess
Die Bahn nennt als Grund für die Probleme mit dem Stellwerk „Verlängerungen beim Prüf- und Abnahmeprozess, da Personal in Schlüsselfunktionen kurzfristig krankheitsbedingt ausgefallen ist.“
Die Schnellfahrstrecke Hannover–Göttingen ist von den Umbau- und Abnahmearbeiten nicht betroffen und bleibt in Betrieb, da sie aus anderen Stellwerken gesteuert wird. Die Nah- und Güterverkehrsstrecke von Göttingen nach Hannover durch das Leinetal ist nur bis Nordstemmen verfügbar. Züge in beide Fahrtrichtungen müssen daher über Hildesheim und Lehrte umgeleitet werden. Dadurch gibt es Verspätungen bei der S3.
Der Streckenabschnitt Hameln-Elze muss bis zur vollständigen Inbetriebnahme weiterhin gesperrt bleiben. Auch das bringt den Fahrplan weiter durcheinander.
