Atelierbesuch

Die Sanierung dieses Fachwerkhauses in Hildesheim hat es in sich – und lockt einmal mehr das ZDF an

Hildesheim - Die Schmuckdesignerin Lisa Reizig lebt mit ihrer Familie in einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus am Moritzberg und öffnet ihre Werkstatt am kommenden Wochenende für Gäste. Warum das ZDF schon mehrmals dort war – und was Reizig für die Zukunft plant.

ZDF-Dreharbeiten vor der Bergstraße 69: Dort richtet Schmuckdesignerin Lisa Reizig ihr neues Atelier ein, das am Wochenende besucht werden kann. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Joachim Reizig eilt zum Sicherungskasten: „Hätte ich fast vergessen!“ Er zwängt sich am Holztisch vorbei, auf der anderen Seite stehen zwei Tontechniker eines ZDF-Filmteams, dann kommt er zurück und befestigt die erste von drei Leuchten im neuen Werkstattraum. Lisa Reizig reicht ihm das Werkzeug, während Kameramann Philipp Dorow die Szene filmt.

„Nur noch 48 Stunden“, sagt die Schmuckdesignerin. Dann soll alles so weit hergerichtet sein, dass am Samstag, 9. September, um 11 Uhr die ersten Besucher eingelassen werden können. Anlass ist der Tag des Denkmals, der dieses Jahr bundesweit am 10. September unter dem Motto „Talent Monument“ steht. Ein Monument ist das Fachwerkhaus in der Bergstraße 69 zwar nicht, in dem Reizig mit ihrer Familie seit März diesen Jahres lebt, aber Talent war trotzdem nötig.

Denkmalschutz mit Wärmepumpe

Denn mit ihrem Ehemann ist sie seit 2021 dabei, das Gebäude nicht nur zu sanieren, sondern es auch energetisch auf den neuesten Stand zu bringen. Deswegen steht im Garten auf der Rückseite des Hauses eine Wärmepumpe, das passt auch zum Denkmalschutzgedanken.

ZDF-Redakteur Fabian Köhler dreht hier nicht zum ersten Mal. Im März war er mit seinem Team zuletzt da, um festzuhalten, wie Familie Reizig in die Bergstraße umzog. Quasi auf eine Baustelle, auf der Technik installiert wurde, Wände gedämmt wurden, Lehm verputzt wurde. Auch an diesem Tag ist ein Tischler dabei, Christian Heuer, der die Holzarbeiten übernommen hat. Er leimt Türzargen zusammen.

Restaurator bereitet die Haustür auf

Aus der unteren Bergstraße kommt der Restaurator Veith Grünwald dazu, der die Verkleidung für die Eingangstür des Hauses aufbereitet. „Wie alt ist das Haus eigentlich?“, fragt Köhler, während die Kamera läuft. „Wir haben eine Zeichnung von 1884, auf der die alte Tür zu sehen ist“, antwortet Joachim Reizig.

Doch das Haupthaus dürfte weit älter sein. Auf der Internetseite zum Tag des offenen Denkmals der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wird das Baujahr auf 1700 geschätzt. Hundert Jahre später kamen zwei Anbauten hinzu. Auch die Bergstraße selbst wird als „historisch wertvolle Straße in Hildesheim“ eingestuft.

Baujahr circa um 1700

Dass man ihr das ansieht, ist zum Teil auch Grünwald zu verdanken. „Ich habe hier schon an vier Häusern gearbeitet“, sagt der Moritzberger. „Ich mache mir meinen Stadtteil schön.“ Haus Nummer 69 ist einer von rund 5500 Orten, die bundesweit zum Tag des offenen Denkmals gelistet werden.

Am Samstag und Sonntag können Besucherinnen und Besucher jeweils zwischen 11 bis 17 Uhr am Moritzberg vorbeikommen. Es gibt Kaffee und Kuchen, gebacken wurde im Bekanntenkreis. Gezeigt wird die untere Etage – und dort vor allem die Werkstatt, in der die Designerin künftig arbeiten will.

Schmuckkurse im Herbst

Und in der sie Schmuckkurse und -seminare geben möchte. Zum Beispiel zur Gestaltung eigener Trauringe. Die Besonderheit: Sie zeigt, wie man Naturfundstücke einarbeiten kann. „Das ist meine stilistische Besonderheit“, erzählt sie. Im Oktober soll es mit den Kursen losgehen, Anmeldung unter www.galerie-reizig.de.

Details sind Reizig wichtig – auch bei der Sanierung des Hauses. In der Verkleidung der Eingangstür bleibt zum Beispiel im oberen Bereich ein Schlupfloch frei. „Das haben Vögel schon früher genutzt, um zu brüten. Das sollen sie auch künftig können.“

Schlupfloch für Vögel

Ihr Mann packt das Werkzeug an die Seite. „Ich habe auf dieser Baustelle viel gelernt, auch von meiner Frau“, erzählt er. „Ich gehe ihr zur Hand“. Nur nicht bei Arbeiten an der Elektrik. „Da gehe ich nicht ran“, bestätigt Lisa Reizig. Während der Sanierung haben sie ein Team gebildet, die beiden Kinder besuchen in der Bergstraße die Gelbe Schule.

Und das soziale Umfeld stimmt. Passanten grüßen, nebenan winken zwei Tischler der Firma Hessing herüber und beobachten, wie das ZDF-Team eine Außenaufnahme filmt. Ende September oder Anfang Oktober wird der nächste Teil der Dokumentation über Familie Reizig in der Sendung „Hallo Deutschland“ ausgestrahlt.

Letzter Drehtag am Wochenende

Vielleicht gebe es irgendwann auch eine längere Fassung der Beiträge, sagt Fabian Köhler, darüber müsse er aber erst noch mit der Redaktion sprechen. Am Wochenende wird er jedenfalls mit seinem Team noch einmal vor Ort sein, um festzuhalten, wie der Tag des offenen Denkmals funktioniert. In der Bergstraße 69.

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