Hildesheim - Die Hildesheimer Berufsschulen Herman-Nohl, Walter-Gropius und Werner-von-Siemens warten händeringend auf eine Entscheidung über ihre künftigen Standorte. Denn die beinflusst ihre Zukunft maßgeblich. Die Gebäude der Schulen sind baulich in schlechtem Zustand, zu dem fehlt es an Platz. Daran besteht kein Zweifel – weder bei den Schulen noch bei deren Träger, dem Landkreis. Der Plan: Die Schulen sollen umziehen. Doch wann und vor allen Dingen wohin, das ist unklar. Die Standortentscheidung ist längst überfällig. Eine nichtöffentliche Veranstaltung, in der der Landkreis die Stadt Hildesheim sowie Politiker aus Stadt und Landkreis über das Thema informieren wollte, war deshalb mit großer Spannung erwartet worden.
Was genau der Landkreis an dem Abend hat verlautbaren lassen, ist nicht zu erfahren. „Die Infoveranstaltung war nicht öffentlich. Es sind aber keine Pläne vorgestellt worden“, erklärt Kreissprecherin Birgit Wilken auf HAZ-Anfrage. Die Stadt Hildesheim teilt auf Nachfrage durch ihren Pressesprecher Helge Miethe mit, dass ihr die Standortuntersuchung des Landkreises bekannt sei und dass sie den Kreis inhaltlich unterstützt habe. Die Gewichtung der Kriterien könne aber nur der Landkreis vornehmen.
Antrag spricht Bände
Ein Änderungsantrag von Unabhängigen und FDP, der dem Landkreis jetzt zugegangen ist, lässt das Ergebnis des Abends allerdings erahnen. Schon Anfang Februar hatte die Gruppe eine Entscheidung zur Standortfrage angemahnt, die werde „immer dringlicher“ hieß es in dem Papier. In dem hatten die Fraktionsvorsitzenden Josef Stuke (Unabhängige) und Bernd Fell (FDP) die Verwaltung unter anderem aufgefordert, die Entscheidung auf die Tagesordnung der Kreistagssitzung im März zu setzen. Doch nun liegt ein Änderungsantrag vor, der Bände spicht: „Nach dem zwischenzeitlichen Informationstermin ist die Standortfrage weiterhin offen, ein Fortschritt ist nicht zu erkennen. Diese Situation halten wir im Hinblick auf die Dringlichkeit für nicht akzeptabel. Da die von unseren Fraktionen beantragte Entscheidung in der Sitzung des Kreistages am 14. März aufgrund der unbefriedigenden Situation leider nicht realistisch ist, legen wir hiermit folgenden Beschlussvorschlag vor: Die Entscheidung über die zukünftigen Standorte der Berufsbildenden Schulen wird in der Sitzung des Kreistages am 20. Juni gefällt .“
„Im Sinne einer zukunftsfähigen Planung müssen die Berufsschulen wissen, von welchen räumlichen Voraussetzungen auszugehen ist. Es muss nun unverzüglich eine Entscheidung über die Standorte getroffen werden. Landrat Bernd Lynack und Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer sind gefordert, intensiv darauf hinzuwirken und offene Grundstücksfragen schnellstmöglich zu klären“, sagt Stuke. „Stadt und Landkreis müssen größtes Interesse an einem attraktiven Standort für die berufsbildenden Schulen haben. Mir ist unverständlich, dass sich beide nicht schon längst auf ein Standortkonzept geeinigt und noch nicht einmal mögliche Grundstückskäufe und Investorenmodelle konkret geprüft haben“, ergänzt Fell. Die Stadt FDP stößt ins gleiche Horn und erklärt zudem: „Zusätzlich fordern wir den Landkreis und die Stadt auf zu prüfen, inwieweit das leer stehende Galeria-Karstadt-Gebäude oder Teile davon sich grundsätzlich für die Entstehung eines Berufsschul-Campus oder zumindest für die Unterbringung der Hermann-Nohl-Schule eignet“, so Volker Weiß, Ratsherr der Stadt Hildesheim und Mitglied im Schulausschuss. Pädagogische Nachteile eines zentralen Schulcampus könne er nicht erkennen, und aus städtebaulicher Sicht wäre es eine sehr gute Lösung für Hildesheim. Die Stadt werde zudem aufgefordert zu erklären, ob sie das Grundstück in der „Von-Thünen-Straße“ im Stadtfeld denn grundsätzlich überhaupt an den Landkreis verkaufen möchte oder nicht.
Gegenwind aus dem Stadtfeld
Also liegt wohl weiterhin einzig der Verwaltungsvorschlag auf dem Tisch, die Herman-Nohl-Schule in einen Neubau auf dem umstrittenen Grundstück im Stadtfeld umziehen zu lassen, und deren bisher gemeinsam mit der Walter-Gropius-Schule genutzte Gebäude zu erneuern oder umfänglich zu sanieren, um dort zusätzlich die Werner-von-Siemens-Schule anzusiedeln. Doch der Standort Stadtfeld bleibt nicht nur von der Hildesheimer Politik kritisiert, auch die Anwohner dort sind wenig begeistert. Denn am Kreisel soll auch das Gefahrenabwehrzentrum entstehen. Anwohner und Politiker fürchten deshalb eine hohe Verkehrsbelastung für den Stadtteil. Der Landkreis war aufgefordert worden, weitere Standorte für die Schule zu überprüfen.
Die Herman-Nohl-Schule selbst würde gerne in der Nordstadt bleiben, hatte deren Leiterin Martina Reinhardt kürzlich erklärt. Die Schule habe Projekte vor, die dort gut zu verankern wären. Noch viel wichtiger sei es allerdings, überhaupt eine Entscheidung zu treffen, so Reinhardt im Gespräch mit der HAZ. Denn erst danach könnten die Planungen so richtig Fahrt aufnehmen. Heißt: Bis die Schulen umziehen könnten, werden ohnehin noch Jahre vergehen.
