Groß Düngen - Die enge Hostmannstraße in Groß Düngen, eigentlich ein verkehrsberuhigter Bereich und nur für Anlieger freigegeben, wurde am Donnerstag zur viel befahrenen Durchgangsstraße. Stoßstange reihte sich an Stoßstange – und es waren nicht nur solche von Autos, sondern auch von Lieferfahrzeuge und Lastwagen. Es waren unter anderem Kennzeichen aus Berlin, Peine, Hannover und Bad Gandersheim zu sehen. Sie alle wollten die offizielle Umleitung wegen der Sperrung im Ort vermeiden und nutzten die Straße als Schleichweg.
Am Morgen war die Situation noch weitaus dramatischer. Da kamen die Autos im Berufsverkehr aus beiden Richtungen. Irgendwann ging gar nichts mehr. „Ich habe die Polizei gerufen“, berichtet Anwohnerin Heike Teubener-Hegemann. Ihr Mann musste sich schließlich auf die Straße stellen und die Autos anhalten, damit sie mit ihrem Wagen aus der Ausfahrt fahren konnte. „Ich finde das zum Kotzen“, sagt die Groß Düngenerin. Der Verkehr in der Hostmannstraße kam laut Polizei am Morgen zum Erliegen. Nichts ging mehr.
„Das ist eine Katastrophe“
Eine Anwohnerin von schräg gegenüber möchte ihren Namen nicht öffentlich nennen. Vor ihrem Haus ist ein großer Hof. Der diente am Morgen als Ausweichfläche, damit die Autos überhaupt aneinander vorbeifahren konnten. „Wenn unser Hof nicht gewesen wäre, dann wäre es noch schlimmer gewesen.“ Sascha Kalksten aus Hildesheim fährt öfter mit seinem Lastenrad durch Groß Düngen. „Das ist eine Katastrophe hier“, sagt er. Und das gelte nicht nur während der aktuellen Sperrung. Auch sonst, wenn es auf der Bundesstraße einen Unfall gebe oder der Bahnübergang gesperrt sei, schlängele sich der Verkehr ebenfalls durch die Hostmannstraße.
Nach Ansicht von Groß Düngens Ortsbürgermeisterin Aloisia Bonnke ist der derzeitige Zustand unhaltbar. Zumal die Hostmannstraße auch als Schulweg diene. Es gebe auch keine Alternativroute für die Kinder. „Da müssen die was ändern“, appelliert sie an die verantwortlichen Behörden. Aber die Hostmannstelle war nicht die einzige Stelle, an der es am Donnerstagmorgen Probleme gab. Nach Angaben von Ortsbürgermeisterin Bonnke haben Autofahrer am ebenfalls gesperrten Bahnübergang in der Heinder Straße einfach die Sperrbaken entfernt und sind über die Schienen gefahren. Sie spricht sich für Kontrollen aus – sowohl am Bahnübergang als auch an der Hostmannstraße. Dies sei vor allem am Freitag und Montag im Berufsverkehr wichtig. Das will die Polizei auch möglichst machen, wie eine Sprecherin des Kommissariats Bad Salzdetfurth ankündigt: „Wir werden, wenn es die Einsatzlage zulässt, da weiter präventiv vor Ort sein.“
Beschilderung soll optimiert werden
Ortsbürgermeisterin Bonnke schlägt außerdem vor, während der Sperrung, die Hostmannstraße als Einbahnstraße ortsauswärts Richtung Bad Salzdetfurth zu führen und so den gefährlichen Verkehr in beide Richtungen zu verhindern. Doch das kommt für die Landesbehörde nicht in Frage. Denn nach Angaben von Martin Klose würde das bedeuten, dass ein Teil der Groß Düngener abgeschnitten wäre. Die Hostmannstraße soll allerdings, obwohl sie reine Anliegerstraße ist, während der Sperrung den Groß Düngern als Durchgangsstraße dienen – allerdings ausdrücklich nur den Groß Düngenern.
Am Donnerstagmorgen hatte die Polizei noch angekündigt, dass es Verbesserungen bei der Beschilderung und Absperrung geben soll. Am Nachmittag sagte dann die Sprecherin des Landkreises Hildesheim, Birgit Willken, zwei Mitarbeiter des Straßenverkehrsamts versuchten gerade, gemeinsam mit der Baufirma und dem Unternehmen für Verkehrssicherung eine Lösung zu finden. Wie diese konkret aussehen wird, können sie noch nicht sagen, so Wilken: „Die Beschilderung wird aber optimiert, um die Verkehrsteilnehmer frühzeitig auf die Sperrung hinzuweisen.“
Nach Angaben von Landesbehörden-Sprecher Martin Klose hingegen ist keine Verbesserung notwendig. „Wir verweisen auf die bestehende Umleitungsstrecke“, so Klose. Diese führt über Klein Düngen, Hockeln und Heersum zur B6 und weiter in Richtung Hildesheim sowie umgekehrt in die Gegenrichtung. Würden sich alle Verkehrsteilnehmer an diese Empfehlung halten, gäbe es keine Probleme, so Behördensprecher Kose. Darauf habe man aber keinen Einfluss: „Wir können uns nicht in die Autos reinsetzen.“
Nadelöhr B6-Auffahrt
Ein Nadelöhr bei der Umleitung ist die Auffahrt auf die Bundesstraße 6 in Heersum. Dort wurde eigens eine Bedarfsampel aufgestellt. Nach Angaben von Groß Düngens Ortsbürgermeisterin Bonnke ist die Grünphase aus Richtung Heersum auf die B6 sehr kurz. Nur etwas drei Autos schaffen es nach ihren Angaben, während einer Phase durchzukommen. Dies sorgte auch im nachmittäglichen Berufsverkehr am Donnerstag für große Behinderungen. Der Verkehr staute sich bis nach Listringen zurück. Auch in der Gegenrichtung kam es zu Staus. „Die Landesbehörde hat den Sachverhalt an den Verkehrssicherer weitergegeben“, sagt dazu Behördensprecher Klose: „Die Landesbehörde wird die Hinweise aufgreifen und sofern es angemessen und machbar erscheint in Absprache mit den beteiligten Akteuren kontinuierlich entsprechend nachsteuern.“
Klose ist zuversichtlich, dass es am zweiten Tag der Sperrung, am Freitag, nicht mehr so große Probleme in Groß Düngen geben wird wie noch am Donnerstag. „Das wird sich jetzt einruckeln“, zeigt er sich überzeugt: „Die Leute stehen da einmal im Stau und tun sich das nicht noch mal an.“ Das zeige die Erfahrung anderer Sperrungen.
