Hohe Abgaben, Ausgaben und Steuern

200.000 Euro für DFB-Pokal-Start – aber wieviel Geld bleibt für den VfV 06 wirklich übrig?

Hildesheim - 200.000 Euro – das klingt gut. Aber unter dem Strich bleibt vom DFB-Pokal-Geldregen für Fußball-Oberligist VfV Borussia 06 Hildesheim sehr viel weniger übrig (mit Kommentar).

Geschafft! VfV 06-Präsident Michael Salge freut sich mit Spieler Fred Mensah über den NFV-Pokalsieg und die Qualifikation für den DFB-Pokal. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - „Seit 47 Jahren erscheint Hildesheim endlich wieder bundesweit auf der Fußball-Landkarte“, freut sich VfV 06-Präsident Michael Salge. Das sei etwas sehr Besonderes für die Region“, ergänzt er. Durch den Gewinn des Niedersachsenpokals haben sich die Oberliga-Fußballer des VfV Borussia 06 Hildesheim für den DFB-Pokal qualifiziert.

Zwar hätten sich die Borussen einen namhafteren Gegner als Zweitligist SV Elversberg gewünscht, aber Salge ist überzeugt: „Es wird am 18. August ein stimmungsvolles Fußballfest werden im Friedrich-Ebert-Stadion.“ Was vielleicht noch wichtiger ist: Für den Start im DFB-Pokal erhält der VfV 06 200.000 Euro vom Deutschen Fußball Bund. Nicht zuletzt deshalb hatte die Klubführung dem Pokal in der abgelaufenen Saison „absolute Priorität“ eingeräumt.

25 Prozent gehen an den Solidartopf des NFV

200.000 Euro – das klingt gut. Aber was bleibt davon wirklich übrig? „Zunächst einmal handelt es sich um einen Bruttobetrag, von dem 19 Prozent Steuern abgehen“, erklärt Klubchef Achim Balkhoff. Präsident Salge ergänzt: „Weitere 25 Prozent der Summe müssen wir an den Solidartopf des Niedersächsischen Fußballverbandes abgeben. Dieses Geld wird unter den niedersächsischen Amateurklubs aufgeteilt.“

Zudem müssten von dem Geld die geforderten Rahmen- und Sicherheitsbedingungen für das DFB-Pokalspiel finanziert werden. Dazu gehöre unter anderem die Verlegung des Gästeblocks von der Gegengerade hinter das Tor (Nordkurve). Hierfür müsse auch ein neuer Zaun errichtet werden. „Allein das kostet rund 20.000 Euro“, erläutert VfV 06-Klubchef Achim Balkhoff. Er und Salge betonen, dass dies eine „nachhaltige Maßnahme“ sei, von der der Verein langfristig profitiere. So werde die Kapazität des Stadions von 4500 auf rund 6000 Zuschauer erhöht.

Gästeblock wird verlegt, Kapazität steigt auf rund 6000 Plätze

Für das Pokalspiel muss der VfV 06 zudem für fernseh-taugliche Bedingungen sorgen. „Wir arbeiten das Anforderungsprofil ab“, so Salge. Unter anderem müssen insgesamt 16 Podeste für Personal und Kameras aufgebaut werden. Für Profivereine sei das „Business as usual“, sagt der Klubpräsident. „Für einen Oberligisten ist es ein enormer und kostenintensiver Aufwand.“

Das DFB-Pokal-Geld sei kein finanzieller Befreiungsschlag, betont Balkhoff, aber es werde schon etwas übrig bleiben. Zum Beispiel für den lang ersehnten Bau einer Flutlichtanlage? Die Vereinsführung berichtet von Fortschritten: Die Baugenehmigung sei erteilt, Anträge auf Fördergelder seien gestellt. Zusammen mit Firmen, Sponsoren und Partnern arbeite man intensiv an der Umsetzung des Flutlichtprojekts.

Bei allen Stadionplänen verliert Balkhoff das Wichtigste nicht aus dem Blick: „Wir wollen attraktiven Fußball bieten und möglichst bald in die Regionalliga zurückkehren.“ Dafür müsse natürlich auch in die Qualität der Mannschaft investiert werden. Allzu große Sprünge werden diesbezüglich trotz der Qualifikation für den DFB-Pokal kaum möglich sein.

„Das ist kein finanzieller Befreiungsschlag“

Deshalb setzt der Verein auch auf die Entwicklung eigener Talente. Da, wo die erste Mannschaft wieder hin will, sind die A-Junioren schon angekommen. Sie sind in die Regionalliga aufgestiegen, der bundesweit zweithöchsten Spielklasse. Einige junge Spieler sollen in den Herren-Kader integriert werden. Aber auch die Förderung von Talenten kostet Geld – und die Kosten für den Spielbetrieb in der Regionalliga werden steigen.


Kommentar: Trotz DFB-Pokal-Geld: Es bleibt schwierig für den VfV 06

200.000 Euro, das hört sich gut an – und ist viel Geld für einen Fußball-Oberligisten. Aber wer nun glaubt, dass der VfV 06 Hildesheim diese Summe munter in Spieler oder Flutlicht investieren kann, täuscht sich gewaltig. Ein erheblicher Teil geht für Steuern, Verbandsabgaben und notwendige Investitionen in die Infrastruktur des Stadions drauf, die der DFB für das Pokalspiel gegen Elversberg fordert.

Kein Befreiungsschlag

Wieviel Geld letztlich für andere Projekte übrig bleibt, wird erst nach Abrechnung aller Kosten feststehen. Es wird wohl keine sechsstellige Summe sein. Klubchef Achim Balkhoff hat recht: Das DFB-Pokalgeld ist kein finanzieller Befreiungsschlag für den Verein, der immer noch unter Altschulden ächzt.

In Vorleistung gegangen

Es bleibt schwierig: Eine Verstärkung des Kaders, die Rückkehr in die Regionalliga und der Bau einer Flutlichtanlage sind nur möglich, wenn die Sponsoren etwas drauflegen und bestenfalls neue Geldgeber gewonnen werden können. Mit dem Pokalsieg und dem Aufstieg der A-Junioren in die 2. Liga ist der VfV 06 in Vorleistung gegangen.

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