Hildesheim - Ulf Behnel hatte sich zuversichtlich gezeigt: Bis Ende des Jahres 2022, so hatte der kommissarische Finanzdezernent im September erklärt, werde das Standesamt den Bearbeitungsstau bei Anträgen überwunden haben. Behnels Ankündigung liegt neun Monate zurück. Doch auch, wenn die Lage sich zwischendurch etwas gebessert hatte: Den Bearbeitungsstau gibt es noch immer – und er ist zuletzt sogar wieder gewachsen.
Nun hoffen die neue Standesamtsleiterin Nina Ceglarek, die ihre Aufgabe Anfang Mai übernommen hat, und der stellvertretende Fachbereichschef Frank Seyler, bis Ende 2023 wieder normale Bearbeitungszeiten zu erreichen. Dabei soll unter anderem mehr Personal helfen. Das soll zudem dazu beitragen, dass Teile der Verwaltung besser telefonisch zu erreichen sind.
Bis zu acht Wochen Wartezeitim vergangenen Jahr
Ein bis zwei Wochen: So lange dauert es nach Angaben der Stadt unter normalen Umständen, eine Geburtsurkunde im Standesamt zu bekommen. Doch im vergangenen Jahr berichteten mehrere Eltern der HAZ von bis zu acht Wochen Wartezeit– was einige in finanzielle Nöte brachte, weil sie dadurch auch auf einige staatliche Leistungen warten mussten.
Die Stadt erklärte das seinerzeit mit einer „unglücklichen Verkettung“ von Krankheiten, Vakanzen nach Kündigungen und einer nicht gelungenen Urlaubsabstimmung. Seither hat die Verwaltung immer wieder Fortschritte beim Bewältigen der Probleme verkündet, Ratsmitglieder haben diese auch mehrfach angemahnt – erst im Februar beklagten sich mehrere Politiker erneut über die Lage. Dezernent Behnel gab die Wartezeit damals mit durchschnittlich vier Wochen an.
Feiertage haben Hildesheimer Verwaltung in Verzug gebracht
Das sei in diesem Zeitraum auch so gewesen, versichert der stellvertretende Fachbereichschef Seyler. Mittlererweise seien es aber fünf Wochen, räumt er gegenüber der HAZ ein – wobei sich der Verzug aber nur auf Geburtsurkunden beziehe. Doch woran liegt das, dass die Verwaltung nun sogar wieder Zeit verloren hat?
Die Verantwortlichen im Rathaus erklären das zum einen mit den vielen Feiertagen im Frühjahr. Dadurch sei Zeit zum Bearbeiten verloren gegangen, sagt Seyler. „Geburten gab es aber trotzdem“, erklärt Standesamtchefin Ceglarek.
Zum anderen verzeichne die Stadt derzeit ungewöhnlich viele Sterbefälle. „Es sind deutlich mehr als sonst“, berichtet Ceglarek. Und Sterbeurkunden hätten gesetzlich Vorrang, weil ohne sie keine Bestattungen möglich seien – erst dann kämen die Geburtsurkunden an die Reihe.
Bei denen könnte das Standesamt bis Ende dieses Jahres zur normalen Bearbeitungszeit zurückgekehrt sein, hofft Seyler. „Das ist aber kein Versprechen, sondern nur eine Prognose“, betont der Verwaltungsvertreter – die HAZ hatte ihn konkret nach einem Termin gefragt. Voraussetzung dafür, die Prognose einzuhalten, sei aber, dass niemand aus dem Standesamt bis dahin kündige oder länger ausfalle.
Stadt plant eine neue Einheit, um Telefonate anzunehmen
Zudem plant die Verwaltung eine neue Einheit, die neben dem Standesamt auch die Bereiche Wohngeld, Ausländerwesen und Stadtbüro entlasten soll: Für sie will das Rathaus voraussichtlich zum Herbst eine gemeinsame Telefongruppe einrichten, die über eine zentrale Nummer zu erreichen ist. Sechs 520-Euro-Kräfte sollen dann, zunächst befristet für ein Jahr, die Anrufe von Bürgern entgegennehmen, häufige Fragen beantworten und Termine vergeben.
Damit wolle man zwei Ziele erreichen, erklärt Seyler. „Wir halten den Sachbearbeitern den Rücken für ihre eigentliche Arbeit frei und verbessern gleichzeitig die telefonische Erreichbarkeit.“ An der hatte es zuletzt ebenfalls Kritik aus dem Rat gegeben. Ceglarek wirbt bei der Gelgenheit um Verständnis für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Wenn diese gerade einen Kunden persönlich im Büro betreuten, könnten sie nicht auch noch ans Telefon gehen.
Gleichwohl sieht die neue Standesamtchefin, die schon lange bei der Stadtverwaltung beschäftigt ist, internen Verbesserungsbedarf. Es sei nicht so, dass die Verwaltung nicht genug arbeite. „Aber die Abläufe sind durchaus überprüfungswürdig.“ Außerdem werde man sich die Organisationsstruktur anschauen.
Fachbereich wünscht sich für 2024 eine zusätzliche Stelle
Für das nächste Jahr wünscht sich der Fachbereich zudem eine weitere Stelle. Man habe diese bereits für den Haushalt 2024 angemeldet, sagt Seyler. Denn der Bedarf sei einfach im Laufe der vergangenen Jahre gestiegen. Was unter anderem durch den Rückgang von Geburtsstationen in der Umgebung liege, erläutert Ceglarek. Dieser führe zu zusätzlichen Entbindungen in den Hildesheimer Krankenhäusern, deren Beurkundung damit zur Sache der Stadt würden.
In diesem Zusammenhang hat die Standesamtchefin einen wichtigen Tipp für junge Eltern: Um Elterngeld zu beantragen, sei keine Geburtsurkunde nötig – diese sei erst für das Auszahlen Voraussetzung. „Man kann das Elterngeld also auch schon ohne die Urkunde beantragen“, betont Rathaussprecher Helge Miethe. Und für das Mutterschaftsgeld bei den Krankenkassen reiche eine Liegebescheinigung des Krankenhauses, versichert Ceglarek – bei Problemen in dieser Hinsicht helfe die Stadt gern.
