Häuser unbewohnbar

Am Tag nach dem Großbrand in Emmerke: Trümmer, Betroffenheit und Anteilnahme

Emmerke - Einen Tag nach dem Großbrand, der in Emmerke drei Wohnhäuser zerstört hat, versammeln sich Betroffene und Nachbarn vor den Trümmern. Szenen eines Ortes in großer Betroffenheit.

Vom Dach des Vorderhauses ragen nur noch die letzten verkohlten Dachbalken in den Himmel. Foto: Joscha Röhrkasse

Emmerke - Ein Mann um die 60 schiebt am Morgen sein Fahrrad vorbei an einer rotweißen Straßensperre. Ihm folgt eine Frau im selben Alter, ebenfalls mit Fahrrad. Mitten auf der Straße bleiben sie stehen, wenden ihre Blicke den drei Häusern zu, die am Tag zuvor noch in Flammen standen. Ihre Hände klammern sich fest um die Griffe der Fahrradlenker; bei so einem Anblick muss man sich an irgendwas festhalten. Fast ehrfürchtig neigen beide ihre Oberkörper nach hinten, langsam, als würde sie das Bild dieser brachialen Zerstörung erdrücken.

Es ist Sonntag, der 22. Juni, der zweite Tag des Sommers, ein Tag nach dem großen Feuer in Emmerke. Stundenlang haben Einsatzkräfte versucht, den Brand zu löschen. Am Ende gelang es. Und: Niemand hat durch die Flammen sein Leben verloren oder sich schwer verletzt. Dennoch liegen nun drei Häuser in Trümmern, und vier Menschen sind plötzlich ohne Zuhause.

Es riecht immer noch nach Feuer

Der Brandgeruch liegt am Vormittag immer noch in der Luft. Splitter, Steine und zerbrochene Ziegel liegen herum. Schwarze, verkohlte Balken stapeln sich auf dem Gehweg vor dem Vorderhaus. Die Fenster, die zur Straße gehen, sind zerborsten. Drinnen liegt alles im Dunkeln. Die Wände sind schwarz. Das Dach ist nahezu vollständig eingestürzt. Wie ein schwarzes Gerippe ragen lediglich ein paar letzte Dachbalken in den Himmel.

Das Haus hatte zwei Weltkriege überstanden

Niemand findet an diesem Morgen Worte des Muts und der Hoffnung. „Immerhin geht es allen gut“, ist ein Satz, der immer wieder fällt. Ein milder Trost. Manche, die vorbeikommen und die Bewohner des Hauses offenbar nicht kennen, zücken ihr Handy, um Fotos von der Brandstelle zu machen. Eine Frau, die das anscheinend selbst nicht ganz richtig findet, aber auch nicht anders kann, versteckt sich dafür hinter einem Erker. Hinter der Straßensperre geht ein Mann in die Hocke und erklärt seiner kleinen Tochter, was hier gestern passiert ist. „Da hat es gebrannt und die Feuerwehr war da.“

Der Mann, dem die Leute die Hand reichen oder mitfühlend auf die Schulter klopfen, setzt sich auf einen Stapel Steine in der Einfahrt des gegenüberliegenden Hauses und betrachtet, was am Tag zuvor noch sein Zuhause gewesen ist. Bis es ihm in der Sonne zu heiß wird. Dann stellt er sich einen Gartenstuhl auf den Gehweg, in den Schatten. Dort sitzt er und schaut auf die Überreste seines Hauses, das zwei Weltkriege überstanden hat, aber nicht das gestrige Feuer.

Erinnerungen voller Ruß

Schwer vorstellbar, was jemandem da durch den Kopf geht. Die Habseligkeiten, so berichtet es eine Angehörige später, könne man nicht aus den Trümmern bergen, weil alle drei Häuser einsturzgefährdet seien. Der ältesten Bewohnerin, die am Samstag in ein Krankenhaus kam, geht es der Angehörigen zufolge im Rahmen der Umstände okay. Auch sie hat ihr Zuhause verloren. Ein Haus, das vor 1840 erbaut worden ist. Ein Haus, das für seine Bewohner ein Ort voller Erinnerungen sein muss. Über allem liegt nun Ruß.

„Ich habe vom Feuer nur durch Zufall mitbekommen“, berichtet die Angehörige. Vor Jahren habe auf demselben Grundstück schonmal eine Scheune gebrannt. „Als ich aus der Ferne die Rauchsäule sah, da dachte ich, das könnte wieder bei uns sein.“ Wie es jetzt für alle Betroffenen weitergehe sei schwer zu sagen. „Schritt für Schritt. Anders geht es nicht.“

Mieter suchen neue Bleibe

Die zwei Mieter, die durch den Brand ihr Zuhause verloren haben, veröffentlichten noch am Samstag in einer Gemeindegruppe auf Facebook einen Hilferuf. „Durch einen Wohnungsbrand haben wir unsere gemietete Wohnung verloren und benötigen ganz dringend einen neuen Wohnraum für zwei Personen mit Hund und Katze zu günstigen Konditionen“, schreibt die Mieterin. „Wir sind gerade sehr verzweifelt und wissen nicht wirklich, wie es weiter geht.“ Eine Frau erkundigt sich unter dem Post, ob sie denn zumindest vorübergehend eine Bleibe hätten. „Ja, danke“, antwortet die Mieterin, und dass sie vorerst bei ihrem Sohn unterkämen.

Emmerkes Ortsbürgermeister Josef Theodor Möller berichtet unterdessen von einer großen Betroffenheit im ganzen Ort. Eine Hilfsaktion sei in so kurzer Zeit noch nicht organisiert worden. „Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass insbesondere auch für dieses Paar, das dort zur Miete wohnt, Hilfe angeboten wird.“ Und tatsächlich haben unter dem Facebook-Post in der Gruppe „Emmerke – mein Dorf“ schon mehrere Menschen gefragt, ob sie die Betroffenen anderweitig unterstützen können. Die Antwort: „Nicht wirklich, brauchen erstmal eine neue Wohnung, haben das alles noch nicht wirklich realisiert.“

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