Ernährungsindustrie

McCain nennt Details zu geplanter Pommes-Fabrik in Mehrum – auch zum umstrittenen Thema Verkehr

Mehrum - Ein Vertreter des Lebensmittelkonzerns McCain hat erstmals öffentlich Details zu der geplanten Pommes-Fabrik in Mehrum präsentiert. Er äußerte sich auch zum umstrittenen Thema der Verkehrsbelastung.

Rob Bakker von McCain bei seinem Vortrag in Mehrum. Foto: Julia Moras

Mehrum - Der Vizepräsident des Lebensmittelkonzerns McCain in Europa, Rob Bakker, hat seine Pläne für eine Pommes-Fabrik in Mehrum erstmals öffentlich vorgestellt. Bei der Gemeindeversammlung am Dienstagabend im voll besetzten Dorfgemeinschaftshaus ging er unter anderem auf die zu erwartende Verkehrsbelastung rund um Mehrum ein.

Das Vorhaben trägt den Namen Greenfield Project, was man frei mit dem Begriff Projekt auf der grünen Wiese übersetzen könnte. Bakker betonte in seiner Rede mehrfach, dass das Projekt möglichst ressourcenschonend und nachhaltig umgesetzt werden soll.

Bis zu 900 Lastwagen

Ein großes Thema ist dabei die zusätzliche Verkehrsbelastung durch die Fabrik. Die Produktionskapazitäten in dem Werk sollen schrittweise ausgebaut werden. In der letzten Ausbaustufe werden dann den Planungen zufolge jeden Tag bis zu 900 Lastwagen vom und zu der Produktionsstätte auf dem Gelände des ehemaligen Kohlehafens fahren. „Es wird jedoch lange dauern, bis diese Zahl erreicht wird“, betonte Bakker. Bei voraussichtlich etwa 50 Prozent der LKW-Fahrten wird es sich um die Anlieferung von Kartoffeln handeln.

Dabei setzt McCain, das 1957 von zwei Brüdern in Kanada gegründet wurde und immer noch ein Familienbetrieb ist, auf Landwirte aus der Region. Die Rohprodukte sollen von Kartoffelbauern aus einem Radius von maximal 100 Kilometern rund um die Fabrik angeliefert werden. Aus den Feldfrüchten werden dann nicht nur Pommes frites hergestellt, sondern auch weitere Tiefkühl-Kartoffelprodukte sowie tiefgefrorene Kartoffelflocken.

Kein Nachtverkehr

Auf dem Werksgelände soll auch ein Kartoffellager eingerichtet werden. Dies soll laut Bakker zum einen dazu dienen, dass Spitzen in der Produktion besser reguliert werden können. Zum anderen, und das ist für die Bürgerinnen und Bürger viel wichtiger, soll so auch erreicht werden, dass auf einen nächtlichen Verkehr verzichtet werden kann. Die Lastwagen sollen die Kartoffeln nur von 6 bis 22 Uhr anliefern.

Eine Besonderheit planen Bakker und sein Team für den Transport der fertigen Produkte zum Handel. Diese sollen zumindest teilweie in Kühlcontainern per Schiff auf dem Mittellandkanal nach Hamburg und Bremen gefahren werden. Allerdings wird es wohl noch einige Jahre dauern, bis es tatsächlich soweit ist. Denn bislang gibt es noch keine Möglichkeit von Tiefkühl-Lieferungen auf dem Wasser. „Deshalb müssen wir Lösungen entwerfen, um diese Vision zu realisieren“, kündigte Bakker an. Bis dahin werden also die fertigen Pommes frites auf der Straße zum Großhandel transportiert. Innovativ will McCain auch in Sachen Abfallverwertung vorgehen. Der Müll soll in einer Biogasanlage verwertet werden.

Kritik von der Bürgerinitiative

Bei der Gemeindeversammlung gab es keinerlei Fragen oder gar kritische Wortmeldungen der Bürgerinnen und Bürger. Zugelassen waren allerdings auch lediglich Zuhörerinnen und Zuhörer aus Mehrum. Kritik an dem Vorhaben kommt aber vor allem aus Hämelerwald. Durch den Ort werden die Lastwagen von der Fabrik auf dem Weg zur Autobahn 2 fahren.

Obwohl sie nicht Mehrumerin ist, hatte es Marianne Kauers-Theunert in die Versammlung geschafft. Die Hohenhamelnerin ist Sprecherin der Bürgerinititative für Umweltschutz in der Gemeinde Hohenhameln. Sie zeigte sich im Anschluss enttäuscht von der Veranstaltung. Die Informationen, die Bakker gegeben habe, seien „ziemlich dürftig“. Sie sieht noch etliche offene Fragen, etwa zur Verkehrsbelastung in Mehrum und den anderen Hohenhamelner Ortsteilen. Auch unklar sei etwa, ob tatsächlich alle Abfälle in der Biogasanlage verwertet werden können.

Entscheidung in den nächsten Monaten

Sie sprach sich für eine weitere Informationsveranstaltung aus, zu der dann auch Menschen aus der gesamten Gemeinde Zugang haben sollen. „Das ist dringend erforderlich.“

Unklar ist der weitere Zeitplan. Die finale Entscheidung für den Standort solle „in den nächsten Monaten“ getroffen werden, sagte Bakker am Rande der Veranstaltung auf HAZ-Anfrage. Wann der Bau beginnen kann, ist demnach noch unklar: „So schnell wie möglich.“

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