McCain

Auch Hohenhamelner Bürgerbewegung protestiert gegen Verkehrsbelastung durch geplante Pommesfabrik

Hohenhameln - Nachdem der Protest gegen die Verkehrsbelastung in Hämelerwald erste Erfolge erzielt hat, zieht die Bürgerinitiative in Hohenhameln jetzt nach: Auch dort wolle man den Krach der Transporter, die künftig zur geplanten Pommesfabrik bei Mehrum fahren sollen, möglichst gering halten.

Durch die ohnehin enge Ortsdurchfahrt in Hohenhameln könnten künftig zahlreiche Pommeslaster donnern. Eine Bürgerinitiative möchte das verhindern. Foto: Clemens Heidrich

Hohenhameln - Eines wolle sie zu Beginn klarstellen, sagt Marianne Kauers-Theunert von der Bürgerinitiative Umweltschutz in der Gemeinde Hohenhameln. „Niemand hier hat grundsätzlich etwas gegen McCain.“ Hätte sie sich für das ehemalige Hafengelände am Kraftwerk Mehrum aber etwas wünschen dürfen, dann wäre es auf jeden Fall ein Betrieb gewesen, der ausschließlich über den Kanal beliefert werde. Jetzt, wo der kanadische Nahrungsmittelverarbeiter McCain einen Haken hinter die geplante Pommesfabrik gesetzt hat, stehen die Zeichen bei Kauers-Theunert hingegen auf Sturm. Sie fürchtet, dass durch die donnernden Lastwagen, die die Pommesfabrik künftig ansteuern, die ohnehin „prekäre Verkehrssituation“ in Hohenhameln noch wesentlich verschlechtert werde.

Gesundheitsrisiko durch Lärm und Feinstaub?

In einer Mitte Dezember veröffentlichten Einschätzung wies die Bürgerinitiative für Umweltschutz in der Gemeinde Hohenhameln, deren stellvertretende Vorsitzende Kauers-Theunert seit deren Gründung 1990 ist, auf die Gefahren hin, die mit der steigenden Verkehrsbelastung einhergingen. „Die schon jetzt in den drei Ortschaften gerade nachts bestehende Lärmbelastung durch den Schwerlastverkehr kann zu Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Konzentrationsstörungen und Depressionen führen“, heißt es in der Stellungnahme. Zudem gingen von dem erzeugten Feinstaub weitere Gesundheitsgefahren wie Atemwegserkrankungen, Lungenkrebs, Diabetes und Demenz aus.

Laut Kauers-Theunert rechne man in den kommenden zehn Jahren auf der Landstraße 413 inzwischen mit rund 500 zusätzlichen und dann jährlich insgesamt 1290 Lastwagen – von denen viele dann auf der Bundesstraße 494 auch durch Hohenhameln und Clauen fahren würden. „Ich habe nichts gegen zusätzliche Arbeitsplätze. Aber die Lebensqualität muss auch aufrechterhalten werden“, so Kauers-Theunert.

Tempo 30 und Blitzer in Hämelerwald

Auch im Lehrter Ortsteil Hämelerwald und Sievershausen hatte sich zuletzt massiver Protest gegen das geplante McCain-Großprojekt formiert – indirekt sogar gegen die Gemeinde Hohenhameln und die Stadt Peine, auf deren Gebiet das Gelände des Kohlehafens liegt. Bei einer Zusammenkunft am 9. Dezember im Verwaltungsgebäude des Kraftwerks Mehrum hatten sich Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies und McCain Foods-Vizepräsident Rob Bakker derweil mit den Bürgermeistern Uwe Semper (Hohenhameln), Frank Prüße (Lehrte) und Hämelerwalds Ortsbürgermeister Dirk Werner für einen Maßnahmenkatalog zur Eindämmung der Verkehrsbelastung ausgesprochen. So soll auf der Ortsdurchfahrt von Hämelerwald künftig Tempo 30 gelten und zwei Blitzer sollen die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit überwachen. Auch zusätzliche Fußgängerüberwege, ein LKW-Nachtfahrverbot und Veränderungen des Straßenbelags sind im Gespräch.

Protest in Hämelerwald wirkt, Hohenhameln sieht sich übersehen

Das sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, findet Marianne Kauers-Theunert. „Aber bei dem Treffen wurde nicht berücksichtigt, dass wir in Hohenhameln dieselben Bedenken gegen die Ansiedlung der Pommesfabrik haben.“ Eine Mitte November bei der Gemeinde Hohenhameln eingereichte umfangreiche Stellungnahme sei bislang unbeantwortet geblieben. Hohenhamelns Bürgermeister Uwe Semper spricht sich generell für das Vorhaben aus. „Die Unzufriedenheit vieler Hohenhamelner, die etwa schon seit langem eine Umgehungsstraße fordern, wird einfach ignoriert“, sagt Kauers-Theunert. In der Einwendung beurteilt die BI auch den Flächennutzungs- und Bebauungsplan, die das Bauprojekt legitimieren, als ungenügend.

Zuletzt hatte der Rat der Gemeinde Hohenhameln einen Haushalt für das Jahr 2025 mit einem Defizit von 6,9 Millionen Euro beschlossen. Um dieses Defizit künftig abzufedern, plant Bürgermeister Uwe Semper unter anderem mit der Ansiedlung der Pommesfabrik kräftig in die Infrastruktur der Gemeinde zu investieren.

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