Hildesheim - Die Sorgenfrei-Bar in der Hildesheimer Dammstraße trägt ihren Namen nicht umsonst. Hier sollen sich die Leute entspannen und eine gute Zeit haben. „Man darf nie vergessen, dass Cocktails etwas sind, das wir zum Leben nicht zwingend brauchen“, sagt Inhaber Andreas Bewersdorff. „Sie sind reiner Genuss und Luxus.“ Das heißt für die Gäste: ruhig zurücklehnen und einfach mal dies oder das probieren. Für den Gastgeber hingegen bedeutet es: stets die Qualität im Blick haben. „Deshalb sollte man für Cocktails auch durchweg gute Zutaten verwenden“, sagt Bewersdorff.
Für gute Cocktails sollte man auch durchweg gute Zutaten verwenden
Frische Bio-Früchte zum Beispiel. Säfte und Liköre, die aus organischen Aromen und nicht bloß aus Zucker, Farbstoffen und Konservierungsmitteln bestehen. Ausgesuchte Spirituosen. „Die sind tatsächlich die Grundlagen eines guten Cocktails. Man merkt den Unterschied ganz schnell. Das hier zum Beispiel“, sagt Bewersdorff und öffnet eine Flasche Holunderblütenlikör, um daran zu schnuppern, „das hat ein wunderbares Aroma. Super geeignet, um einen Hugo zu machen.“ Denn das Getränk aus Sekt und Limette wird von einem süßen Sirup, wie er oft verwendet wird, schnell dominiert und viel zu zuckrig – der Likör hingegen gibt ihm eine zarte, natürlich Holunder-Note.
Das Natürliche liegt seit einiger Zeit in den Bars im Trend
Überhaupt ist das Natürliche seit einiger Zeit großer Trend in den Bars, viele Getränke kommen außerdem mit wenig oder sogar ganz ohne Alkohol aus, sagt Bewersdorff. „Was wir in dieser Richtung anbieten, sind zum Beispiel hausgemachte Limonaden.“ Da wäre etwa die aus Gurken- und Zitronensaft, eine erfrischende Kombination, die entweder schlicht mit Wasser und Eis aufgefüllt werden kann oder mit Gin kombiniert wird. „Wichtig ist vor allem, dass die Zitrone nicht zu stark dominiert und man such die Gurke deutlich herausschmeckt.
Frische Früchte sind gut, letztendlich kann man aus fast allen Sorten etwas machen“ Andreas Bewersdorff, Barkeeper
Weil er oft auch den Abrieb der Schalen der Citrusfrüchte verarbeitet, nimmt Bewersdorff nur ungespritzte Zitronen. „Letztendlich kann man aber aus fast allen Früchten etwas machen, wir haben neulich zum Beispiel auch rote Johannisbeeren verwendet, einfach, weil es Saison war und wir große Mengen davon hatten.“
Als es noch Videotheken gab und Thomas Gottschalk im TV
Aber was ist denn mit den frühen Klassikern der Cocktailbars? Mit Piña Colada, Sex on the Beach, Caipirinha? Werden die alle noch genauso bestellt wie früher oder unterliegt das Trinken auch Moden? Oder ist alles so, wie es damals war, als die Präsenz einer Videothek an der Ecke noch so selbstverständlich war wie jene von Thomas Gottschalk im Fernsehen? „Naja“, sagt der Experte, der mit Ende 50 die Szene seit Jahrzehnten kennt und auch schon für die Volkshochschule Kurse im Cocktailmixen gegeben hat, „das sind ja eigentlich schon moderne Klassiker, so aus den 80er, 90er Jahren. Die richtigen Klassiker stammen aus den 40er Jahren oder sind sogar noch älter.“
Als da zum Beispiel wären: Brandy Alexander, benannt nach dem damals berühmten Barkeeper Troy Alexander aus New York, der Anfangs des 20. Jahrhunderts diesen Drink erfunden haben soll. Oder Grashopper, der Minz-Klassiker aus New Orleans. Oder Tom Collins. Hierzu benötigt man idealerweise Old Tom Gin, eine Gin-Variante, die in England im 18. Jahrhundert populär war und etwas süßer als London Dry Gin, „Aber ja“, kommt Bewersdorff auf die Eingangsfrage zurück, „eine gut gemachte Caipirinha ist und bleibt etwas, das die Leute gern bestellen.“
Es gibt Drinks, an denen erkennt man eine gute Bar sofort
Und dann gibt es da noch die Drinks, an denen man eine gute Bar auf Anhieb erkennt – sogenannte Referenzcocktails, wie Bewersdorff sagt. „Ein Pisco Sour zum Beispiel.“ Denn neben einem vernünftigen Pisco, dem peruanischen Traubenbrand, und anderen Zutaten, kommt es hier nicht nur auf den Drink selbst an, sondern auch auf den fein geschlagenen Eischnee, der den Cocktail toppt. Gelingt der, hat der Gast eine gute Adresse gefunden.
Wir haben hier super Nachbarn, das Schärling um die Ecke, nebenan Filippos Restaurant und ein Stück weiter einen Griechen
Apropos Adresse: In der Dammstraße ist die Sorgenfrei-Bar jetzt seit zwei Jahren zu Hause, nach ihrem Umzug vom Theater hierher – wieder in die Nähe einer großen Kultur-Institution, nämlich diesmal des Roemer- und Pelizaeus-Museums. „Da befinden wir uns direkt gegenüber“, sagt Inhaber Andreas Bewersdorff, der sich gut aufgehoben fühlt, was seine neue Nachbarschaft betrifft: „Wir haben hier das Schärling um die Ecke, nebenan Filippos Restaurant und ein Stück weiter einen Griechen – und alle haben sich gefreut, dass wir als Cocktailbar hierher ziehen, das fand ich super.“
Und schließlich gelte ja immer, egal ob für ihn und das Sorgenfrei, für Cocktail-Trends oder das Leben an sich: „Das einzig Beständige ist der Wandel.“
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