Hildesheim - Es wird gern das schönste Fachwerkhaus der Welt genannt: das Knochenhauer-Amtshaus, ein Wahrzeichen von Hildesheim. Nun wird es auch noch eines der spannendsten: In das Gebäude aus dem 16. Jahrhundert zieht einer der größten und vielfältigsten Escape Rooms Deutschlands, also ein Abenteuerraum, in dem es gilt, Rätsel zu lösen, Geheimnisse aufzudecken und bestimmte Aufgaben unter Zeitdruck zu erfüllen. Der Escape Room wird von Florian Braune betrieben, der vor einigen Jahren seine erste Einrichtung dieser Art in Hildesheim an der Speicherstraße eröffnete. Mittlerweile sind weitere in Hannover, Wolfsburg und Hamm dazugekommen, auch Outdoor-Touren hat er schon angeboten.
Stadtmuseum ist ausgezogen
Der Auszug ist auch eine Chance
Damit ist eine neue Nutzung für die vier Etagen gefunden, in denen bis zum vergangenen Herbst das Stadtmuseum untergebracht war. Das ist in das Roemer- und Pelizaeus-Museum umgezogen. „Der Auszug ist auch eine Chance“, meinte dazu Hartmut Möllring, der ehrenamtliche Geschäftsführer der Marktplatz-GmbH. Einfach würde es nicht werden, eine Nachfolge-Lösung zu finden, so viel war klar: Praxen oder Büros kamen kaum infrage. Dann hatte Benedikt Lüder, einer derjenigen, die sich ehrenamtlich um das Knochenhauer-Amtshaus kümmern, eine ungewöhnliche Idee: Ein Escape Room könnte das Fachwerkhaus und sein Umfeld in Kombination mit dem Restaurant KA 7 neu beleben. Braune war fix überzeugt: „Ich hatte schnell das Gefühl, dass das ein tolles Projekt werden kann.“
In Deutschland gibt es nichts Vergleichbares
Herzstück soll ein großer Escape Room auf rund 200 Quadratmetern im zweiten und dritten Dachgeschoss werden, mit vielen kleinen Nischen und Räumen, eine Welt für sich. „In Deutschland gibt es nichts Vergleichbares“, sagt Braune und meint damit nicht nur die Größe, sondern auch die Gestaltung und den Anspruch. Eine Etage tiefer ist im ersten Dachgeschoss eine Spiellandschaft mit zehn Räumen vorgesehen, in denen jeweils ein anderes Spiel auf dem Programm steht – vom Buzzer-Quiz über einen Geschicklichkeitsparcours mit winzigen Fahrrädern bis hin zu Tischtennis an Mini-Platten. „Es geht jeweils um nicht alltägliche Spiele, die man in der Regel nicht selbst zu Hause hat“, sagt Braune.
Wieder eine Etage weiter unten entstehen vier kleine Escape Rooms, die in der kürzeren Zeit von 15 Minuten durchlaufen werden – jeder mit einem eigenen Motto. Die kleinen Räume können ein Einstieg für Escape-Room-Neulinge sein, die sich dann nach erfolgreichem Absolvieren der Aufgaben an den großen, zweistöckigen Raum wagen.
Besondere Mordgeschichte
Für den hat sich Braune eine besondere Geschichte ausgedacht. Details werden freilich noch nicht verraten, nur so viel: Die Besucherinnen und Besucher schlüpfen in die Rolle von Hotelgästen und müssen versuchen, innerhalb von 60 Minuten einen Mord zu verhindern. Die Szenerie soll an alte Agatha-Christie-Streifen erinnern und an das Hotel Rose anknüpfen, das früher einmal am Marktplatz stand.
Es gibt einen regelrechten Escape-Room-Tourismus
Braune erwartet, dass das neue Angebot im Herzen von Hildesheim auch Gäste aus der Ferne anzieht. „Es gibt einen regelrechten Escape-Room-Tourismus“, berichtet er, „Fans, die durch Europa reisen und immer wieder neue Räume ausprobieren.“
Firmenfeiern und Junggesellenabschiede
Möllring hofft, dass der Escape Room in Kombination mit dem Restaurant auch für Einheimische eine Bereicherung wird – zum Beispiel für Firmenfeiern oder Junggesellenabschiede: erst ein wenig Spielen und Rätseln, dann der eine oder andere Absacker im KA 7.
Die nötigen Umbauten halten sich in Grenzen, vor allem der Brandschutz im Treppenhaus muss verbessert werden. „In den einzelnen Etagen soll es möglichst geringe Eingriffe geben“, sagt Architekt Lüder, der das Projekt ehrenamtlich begleitet. Den größten Teil der Raumgestaltung übernimmt Betreiber Braun als gelernter Tischler selbst. Losgehen soll der Betrieb irgendwann im Sommer.
Kommentar: Neue Nutzung ist eine gute Lösung
Ausgerechnet ein Escape Room im ehrwürdigen Fachwerkhaus, direkt am Marktplatz, der guten Stube der Stadt? Manch einer mag erst mal die Nase rümpfen angesichts dieser ungewöhnlichen Verbindung. Doch dafür gibt es keinen Grund. Ganz im Gegenteil: Alles, was wieder mehr Leben in die Stadt bringt, ist ein Fortschritt.
Und der Escape Room hat, zusammen mit dem KA 7, das Potenzial, ein Anziehungspunkt für Einheimische wie Auswärtige zu werden. Zumal sich das Konzept auch im bundesweiten Vergleich nicht verstecken muss. Von solchen Projekten bräuchte Hildesheim mehr.




