Hildesheim - Es war die große Überraschung in der Ratssitzung zum Thema Dammstraße in der vergangenen Woche: Damit der Verkehr schnell wieder fließen kann, hat die Stadtverwaltung eine Behelfsbrücke ins Spiel gebracht. Bei CDU und SPD kommt die Idee, die unter anderem vom FDP-Fraktionschef Michael Kriegel stammt, gut an. Die Grünen haben Vorbehalte, unter anderem aus finanziellen Gründen.
Wie es mit der historischen Brücke unter der Dammstraße weitergeht, was das für die Verkehrsführung bedeutet: Diese Fragen will der Rat voraussichtlich im Mai, spätestens im Juni beantworten – so haben es die Politiker vergangene Woche beschlossen. Und zudem der Bauverwaltung aufgetragen, zügig zu beiden Themen öffentliche Expertenanhörungen zu organisieren.
Was dabei herauskommt, wie die Politiker mit den Ergebnissen umgehen, was das Landesamt für Denkmalpflege dazu sagt – all das ist offen und schwer vorherzusagen. Doch selbst wenn sich der Rat (wie von Ingenieur Jürgen Götz angeregt) am Ende lediglich dafür entscheidet, die historische Brücke einzuhausen und sie damit, wenn auch unzugänglich, für die Nachwelt komplett zu erhalten: Die Dammstraße bliebe bis Mai 2024 gesperrt.
CDU-Fraktionschef Münter hält viel von der Behelfsbrücke
Das Rathaus hat daher die Idee aufgegriffen, einen Bypass zu legen: Für 820 000 Euro ließe sich für ein Jahr eine 50 Meter lange, gemietete Behelfsbrücke über die Innerste von der Johannisstraße aus finanzieren, die einen Einbahnstraßenverkehr zulässt – wenn die Kanalarbeiten in dem Bereich wie geplant demnächst enden. Im zweiten Jahr fiele nur noch die Miete für die Brücke an, die Stadt gibt diese mit rund 240 000 Euro an.
CDU-Fraktionschef Dennis Münter kann dieser Variante (im Rat als 1B* bekannt) viel abgewinnen. Es gebe zwar noch keine Fraktionsmeinung zur Behelfsbrücke, betont er. „Doch wir wollen, dass an der Dammstraße so schnell wie möglich wieder der Verkehr fließen kann – und das würde dazu beitragen.“ Zumal der bisherige Verlauf eines lehre: Die Stadt müsse durch neue Erkenntnisse in der Dammstraße immer wieder umplanen – daher lohne es sich gewiss, das Geld für die Brücke auszugeben, meint Münter.
Die SPD findet die Idee gut, weil sie der Stadt Zeit verschafft
Auch die SPD hat noch keine abgestimmte Meinung zu dem Thema. Doch auch die Sozialdemokraten können sich eine Behelfsbrücke vorstellen. „Das ist eine gute Idee“, findet zum Beispiel Fraktionschef Stephan Lenz. Man gewinne dadurch Zeit, bis eine endgültige Lösung stehe, sagt Tobias Eckardt, der sich bei den SPD federführend um die Dammstraße kümmert. Müsse die Behelfsbrücke dann vielleicht länger eingesetzt werden, sei das im zweiten Jahr auch nicht mehr so teuer – vorausgesetzt, die Zahlen der Verwaltung passten, betont Eckardt.
Grüne haben finanzielle Vorbehalte gegen Übergangslösung
Die Grünen sind von der Behelfsbrücke noch nicht überzeugt. „Wir müssen uns fragen, woher wir das Geld nehmen wollen“, gibt Fraktionschef Ulrich Räbiger zu bedenken. Er ist zudem nicht sicher, ob dem Rat bis Mai oder Juni alle Informationen vorlägen, um eine fundierte Entscheidung über die Brücke treffen zu können. Dass der Rat sich jetzt auf ein Verfahren geeinigt hat, begründen sowohl Münter als auch Räbiger mit dem Wunsch, den Bürgern zu zeigen, dass die Politik in der Dammstraße vorankommen wolle. In der Sache erwarten allerdings beide noch schwierige Diskussionen.
CDU-Fraktionschef Münter kann sich dabei durchaus unterschiedliche Meinungen im Lager der rot-grünen Mehrheitsgruppe vorstellen, dies habe ja der Rat gezeigt – eine Anspielung auf den Moritzberger Ortsbürgermeister Erhard Paasch (SPD), der in der Sitzung eher auf CDU-Linie lag.
