Hildesheim - Noch ist nicht klar, wie es mit der historischen Brücke unter der Dammstraße weitergeht, nachdem Archäologen deren Südseite dokumentiert haben. Doch immerhin hat sich der Rat am Montagabend einstimmig auf ein Verfahren verständigt: Die Politiker erhoffen sich von zwei Expertenanhörungen – eine zur Brücke, eine weitere zu Verkehrsfragen – genug Informationen, um im Mai, spätestens aber im Juni eine Entscheidung zu treffen.
Doch auch, wenn es in der gemeinsamen Sitzung mit dem Ortsrat Stadtmitte um den weiteren Weg ging, nicht um eine Lösung: Die erste Idee der Stadt, die Brücke zuzuschütten und ihre Zerstörung in Kauf zu nehmen, damit der Verkehr schnell wieder fließen kann, ist nun von Oberbürgermeister Ingo Meyer beerdigt worden.
Er höre immer wieder, die Stadt solle die Brücke einfach zukippen, die Fahrbahn herstellen und die Dammstraße öffnen, sagte der OB. „Aber das werden wir nicht tun dürfen.“ Denn diese Variante würden das Landesamt für Denkmalpflege (LDK) und das Ministerium für Wissenschaft und Kultur angesichts der Bedeutung des 850 Jahre alten Bauwerks nicht gestatten. Und die Stadt müsse nun einmal das Einvernehmen mit den Fachbehörden herstellen.
Landesamt-Vertreter ist da, wird aber nicht begrüßt oder befragt
Als deren Vertreter verfolgte Dr. Marcus C. Blaich vom Landesamt die Sitzung vom vollbesetzten Zuschauerraum aus. Zu Wort kommen ließ die Verwaltung den Experten, dessen Anwesenheit vom SPD-Politiker Tobias Eckardt ausdrücklich erwähnt wurde, allerdings mit einem Hinweis auf vermeintliche Geschäftsordnungprobleme nicht – auch wenn Baudezernentin Andrea Döring kurz zuvor noch die gute Zusammenarbeit betont hatte.
Gerade angesichts der Beobachtung durch die Fachaufsicht brauche es eine „rechtlich und fachlich sichere Entscheidung“, betonte der OB. Doch die sei schwierig: Es gebe einen Interessenkonflikt zwischen dem Wunsch, der Bedeutung der Brücke („sie sucht ihresgleichen“) gerecht zu werden, und dem Verlangen, die Innenstadt wieder schnell erreichbar zu machen. Der sei vor allem in der Weststadt ausgeprägt, betonte Moritzberg-Ortsbürgermeister Erhard Paasch (SPD): „Die Menschen haben Ängste, die Dammstraße ist die Lebensader.“
Absagen an eine dauerhafte Sperrung der Dammstraße
Die wollen allerdings weder die Stadtspitze noch die Mehrheitsgruppe aus SPD, Grünen und PARTEI abschneiden, wie in der Sitzung deutlich wurde: Unisono sprachen sich sowohl der OB, die Baudezernentin, SPD-Vertreter Eckardt als auch Grünen-Politiker Jens Schulte-Koch gegen eine komplette Sperrung der Dammstraße aus. Meyer machte sich vielmehr dafür stark, eine Behelfsbrücke von der Johannisstraße aus über die Innerste einzusetzen. Sie ist Teil der so genannten Variante 1b, die auf einem Vorschlag des Ingenieurs und CDU-Mitglieds Jürgen Götz basiert: Er hatte eine Einhausung der historischen Brücke vorgeschlagen, bei der diese erhalten bliebe und später wieder geöffnet werden könnte.
Die Verwaltung hatte ursprünglich erklärt, das funktioniere nicht, macht sich diese Variante inzwischen aber zu eigen: Auf diese Lösung werde es „mindestens“ herauslaufen, prophezeite der OB am Montag – was nach bisherigen Berechnungen der Stadt mit Kosten von bis zu fünf Millionen Euro und einer weiteren Sperrung der Dammstraße bis Sommer 2024 einherginge. Daher sei die Behelfsbrücke nötig, meint der OB – sie könnte nach Ansicht der Verwaltung im Juli 2023 errichtet werden, wenn denn der Rat diesem Plan im Mai zustimmte und das Landesamt für Denkmalpflege die dann beschlossene Variante überhaupt mitträgt. „Damit erkaufen wir uns Zeit für die weiteren Überlegungen“, sagte FDP-Vertreter Michael Kriegel.
SPD-Politiker Eckardt: „Viele Meinungen, aber wenig Wissen“
Dass die Stadt dabei dringend auf die Meinung auch auswärtiger Experten angewiesen ist, machte SPD-Politiker Eckardt deutlich: Das Thema Dammstraße spalte Bevölkerung und Politik, „es gibt viel Meinung und wenig Wissen.“ Dieses erhoffen sich die Ratsmitglieder von den Expertenveranstaltungen; der Anstoß dazu kam von der Mehrheitsgruppe. Es sei klar gewesen, dass in der Sitzung am Montag noch nichts Endgültiges herauskomme, betonte CDU-Fraktionschef Dennis Münter. Das Treffen sei dennoch nötig gewesen: Es gebe nun eine Zeitschiene, die den Menschen zeige, dass die Politik handele.
Ein Antrag von AfD-Fraktionschef Ralf Kriesinger, die Bürger per Internet-Umfrage in das Verfahren einzubinden, wurde von allen anderen Fraktionen abgelehnt: Das Ergebnis werde nicht repräsentativ sein, sondern die Polarisierung in der Stadt nur verschärfen, warnte SPD-Vertreter Eckardt.
FDP-Ratsherr Weiß vermisst Freude über besonderen Fund
Der FDP-Vertreter Volker Weiß vermisste in der dreistündigen Sitzung die Freude über dies Entdeckung der Brücke: „Ja, es geht ums Geld – aber das Ganze ist doch ein außergewöhnlicher Fund!“
