Hildesheim - Cara bedeutet so viel wie „Die Liebste“ – und der Name der siebenjährigen Labradorhündin ist Programm: Wo sie auftaucht, zaubert sie den Menschen ein Lächeln auf das Gesicht. Auf der Geriatrie-Station des St. Bernward Krankenhauses (BK) ist sie regelmäßig mit Frauchen Johanna Olek zu Gast – an diesem Tag zusammen mit Kumpel Cooper, ebenfalls ein Labrador, und dessen Besitzerin Katharina H.. Sonst ist dieses Duo vor allem in einem Seniorenheim in Nordstemmen im Einsatz.
Von Natur aus geduldig
Die beiden Labradorhunde, von Natur aus menschenfreundlich, geduldig und ausgeglichen, gehören zum Besuchshundedienst des ASB in Hildesheim. Sie kennen sich vom gemeinsamen Training. Das müssen sie absolvieren, bevor sie für Besuche in Kliniken oder Heimen zugelassen werden. Der ASB-Dienst ist vor etwas mehr als zwei Jahren mit wenigen Hunden gestartet, das Krankenhaus nutzt ihn seit gut einem Jahr. Die Nachfrage ist groß, die Gruppe ist schnell gewachsen: „Mittlerweile sind wir 30 Teams“, berichtet Volker Schulz, der Leiter des Besuchshundedienstes.
Ein Team besteht jeweils aus einem Hund und einem Menschen, der dem Tier vertraut ist. Solche Duos besuchen inzwischen regelmäßig 13 verschiedene Einrichtungen, darunter das BK, das Johanniter-Krankenhaus in Gronau und die Palliativstation der Medizinischen Hochschule in Hannover, außerdem eine Reihe von Alten- und Pflegeheimen.
Vom Ministerpräsidenten geehrt
Der ehrenamtliche Einsatz der Teams wurde erst kürzlich von Ministerpräsident Stephan Weil gewürdigt: Der Besuchshundedienst gehört zu den Gewinnern bei der Verleihung des Niedersachsenpreises für Bürgerengagement unter dem Motto „Unbezahlbar und freiwillig“. Aus 500 Bewerbungen wurden elf Projekte ausgesucht, darunter das des ASB.
Auf der geriatrischen Station des Bernward-Krankenhauses besuchen Cara und Cooper zunächst einzelne Patientinnen und Patienten in ihren Zimmern. Ein alter Mann liegt im Bett, er wirkt geschwächt, das Sprechen fällt ihm schwer. Caras Besuch lässt ihn für ein paar Minuten aufblühen. Er versteckt Leckerlis in einem Schnüffelteppich, in dem die Hündin sie aufspürt. Der Mann streichelt das Tier, lacht und lächelt, erzählt der menschlichen Begleiterin von den Hunden, die er früher selbst gehabt hat.
Hunde regen zum Erzählen an
Cooper erfreut währendessen eine Patientin in einem Nachbarzimmer, reicht ihr die Pfote. Mit Coopers Frauchen entwickelt sich ein angeregtes Gespräch. Katharina H. hat schon oft ähnliche Erfahrungen gemacht: Die Hunde regen selbst Menschen, die sonst eher schweigsam und verschlossen sind, zum Erzählen an. Und sie erreichen demenzkranke Menschen nicht selten durch den dichten Schleier des Vergessens, holen sie aus ihrer Regungslosigkeit. Katharina H. erzählt von einer Begegnung, die sie tief beeindruckt hat: „Ich war mit Cooper bei einer Frau, die in einer Art Wachkoma war und überhaupt keine Regung zeigte. Als der Hund ihre Hand berührte, hat sie gelächelt.“
Im BK steht für die beiden Hunde nach den Einzelbesuchen eine Gruppenstunde auf dem Programm: Fünf Seniorinnen und Senioren, die noch relativ selbstständig sind und für die Rückkehr nach Hause aufgepäppelt werden, haben bei einem Hundequiz viel Spaß mit den jungen Frauen und ihren Tieren. Wer die Antwort weiß, darf einem der Hunde ein Leckerli reichen.
Ein Frau scheut sich davor, die feuchte Schnauze von Cooper zu berühren. Auch für solche Fälle sind die Besuchshundeteams gerüstet. Katharina H. holt in ausziehbares Röhrchen aus ihrem Utensilienkoffer. Durch das rollt das Leckerli dem Hund entgegen. „Einige wollen die Hunde gleich anfassen und füttern, andere schauen lieber zu“, erzählt Johanna Olek. Freude bringen die Hunde aber anscheinend jedem und jeder der Besuchten – ob aus der Nähe oder aus einem gewissen Sicherheitsabstand. Und das freut wiederum die Teams vom ASB.


