Hildesheim - Der Ortsrat der Nordstadt hat sich in seiner jüngsten Sitzung gegen ein Containerdorf für rund 130 Geflüchtete am Pferdeanger ausgesprochen. Ortsbürgermeister Ekkehard Domning (Grüne) sagt: „Der Ortsrat Nordstadt steht hinter der Verantwortung für die Bewältigung der Krise, aber am Pferdeanger geht es nicht.“ Sein Vorschlag: Die Stadt sollte die Fläche zwischen der Bundesstraße 6 und dem Lerchenkamp in Betracht ziehen, wo früher Kleingartenlauben standen. „Das Gebiet ist geeignet, um Wohnen und Arbeiten zu verzahnen.“
Zu der Ortsratssitzung sind auch Stadtbaurätin Andrea Döring und Sozialdezernent Malte Spitzer zum Abschluss ihrer Tour durch die vier Ortsräte, deren Gebiet von den geplanten Standorten für neue Sammelunterkünfte betroffenen sind, gekommen. Andrea Döring sieht den Vorschlag kritisch: Das Grundstück solle als Gewerbegebiet entwickelt werden, „als Mischgebiet wird es schwierig.“ Die Lautstärke der nahen Bundesstraße und der anliegenden Gewerbegebiete könne Probleme bei der Ausweisung als Mischgebiet von Gewerbe und Wohnen bereiten. Döring: „Dort gibt es keine gesicherte Erschließung. Das wird erheblich teurer.“ Sozialdezernent Malte Spitzer zeigt sich offen für den Vorschlag. „Wir sollten ernsthaft prüfen, ob das eine gute Lösung ist. Wir werden darüber dem Rat berichten.“
Diakonie Himmelsthür: Eignen sich die Gebäude in Sorsum?
Das Interesse an der Flüchtlingsunterbringung scheint im Ortsteil eher gering zu sein. Zumindest sind lediglich vier Bürger in das Maluki-Familienzentrum zur Ortsratssitzung gekommen. Unter ihnen ist Peter Frank, der auch bei der Bürgerinitiative gegen die Klärschlammverbrennungsanlage sehr aktiv ist. Er ist selbst Bewohner der Nordstadt und sieht den Vorgang noch kritischer als Ortsbürgermeister Domning. „Sie sagen immer ’Wir’“, wirft er den Vertretern aus Politik und Verwaltung vor, „ich sehe die Bevölkerung abdriften.“ Er bringt einen weiteren Vorschlag in die Diskussion ein. Die Stadtverwaltung solle sich mit der katholischen und der evangelischen Kirche in Verbindung setzen, die über Flächen verfüge, die geeignet seien.
Malte Spitzer berichtet von den Kontakten mit den Kirchen. „Wir haben die Kirchen gebeten, uns zu helfen“, sagt er, „wir werden sie nun ein weiteres Mal ansprechen.“ Der Sozialdezernent denkt dabei vor allem an wenig genutzte Gemeindehäuser. „Wir benötigen jetzt caritative und diakonische Hilfe.“ Holger Bock von den Unabhängigen bringt daraufhin die Gebäude der Diakonie in Sorsum ins Spiel. Dort waren bis vor einigen Jahren eine Vielzahl Bewohner mit Unterstützungsbedarf zentral untergebracht. Heute stehen viele der Gebäude leer. Offensichtlich hat es auch hier schon Kontakt der Stadt mit der Diakonie Himmelsthür gegeben. Malte Spitzer: „Die Gebäude müssen erst aufwendig saniert werden. Die Diakonie hat ein anderes Interesse.“
Ortsbürgermeister sieht Grenze für die Nordstadt erreicht
Ortsbürgermeister Ekkehard Domning weist auf die schwierige Lage der Nordstadt bei der Flüchtlingsunterbringung hin. „Die Bevölkerung der Nordstadt ist in den vergangenen Jahren von 10.000 auf 12.000 Einwohner angewachsen.“ Der gesamte Wohnraum sei nun vermietet bis auf die Gebäude, für die es ein Vermietungshindernis gebe. „Die Nordstadt hat den größten Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund. Sie liegt stadtnah und bietet günstigen Wohnraum. Die Nordstadt ist ein Ankunftsort.“ Auch er warnt vor einer Überforderung der Bevölkerung. „Der Pferdeanger liegt im Wahlbezirk mit der geringsten Wahlbeteiligung von unter 20 Prozent. Aber dafür sind dort die Feinde der Demokratie am stärksten“, so Ekkehard Domning weiter.

