Hannover - Omikron verdrängt auch in Niedersachsen die bisher vorherrschende Delta-Variante bei den Corona-Infektionen. 70 Prozent aller Ansteckungen in Niedersachsen gingen mittlerweile auf die Omikron-Variante zurück, berichtete Sozialstaatssekretär Heiger Scholz, der Leiter des Corona-Krisenstabes. Der Anstieg sei „explosionsartig“.
Vor einer Woche waren noch 27,9 Prozent der Infektionen durch Omikron verursacht. Scholz schätzt, dass noch in dieser Woche alle nachgewiesenen Infektionen in Niedersachsen auf das neue Virus zurückgehen könnten.
Hotspots der Mutante in Niedersachsen
In den Landkreisen Verden und Osterholz lagen die Inzidenzwerte nach Scholz’ Angaben bereits über 400 Infektionen pro 100 000 Einwohnern. „Wir können davon ausgehen, dass es sich hier um Omikron-Hotspots handelt“, sagte der Staatssekretär. Denn eine andere Erklärung für den sprunghaften Anstieg der Infektionen in diesen Regionen gebe es nicht.
Die landesweite Inzidenz in Niedersachsen liegt derzeit bei 183, die Hospitalisierungsrate bei 4,8. Die Rate bei der Belegung der Intensivbetten liegt nach Scholz Angaben bei 8,1 Prozent. Unter den 190 auf Intensivstationen in Niedersachsen untergebrachten Patientinnen und Patienten befindet sich auch ein Kind.
Scholz berichtete weiter, dass am Montag mehr als 55 000 Menschen geimpft worden seien, davon mehr als 38 000 durch die mobilen Impfteams und gut 17 000 in den Arztpraxen. „Das wird sich noch verbessern, wenn alle Arztpraxen wieder geöffnet sind“, sagte Scholz.
Kaum Aussicht, dass die Corona-Einschränkungen schwinden
Regierungssprecherin Anke Pörksen machte wenig Hoffnungen, dass in den nächsten Wochen die bereits verhängten Einschränkungen in Niedersachsen zurückgenommen werden könnten, wenn sich die Omikron-Variante als weniger gefährlich erweisen könnte.
Bis Mitte des Monats gilt in Niedersachsen die Warnstufe drei, Zusammenkünfte von Menschen sind auf jeweils zehn Personen drinnen wie auch draußen beschränkt.
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Maßnahmen nennenswert geändert werden“, sagte Pörksen. Sie gehe auch davon aus, dass die Schulen in der kommenden Woche geöffnet werden. Erwogen würde aber eine Ausweitung der Testungen, etwa auch auf geimpfte oder genesene Schülerinnen und Schüler.
Europäische Nachbarstaaten
Mit Blick auf Nachbarländer wie Großbritannien oder Frankreich, wo die Inzidenzen zwischen 1000 und 1500 lägen, meinte Scholz: „Das kann man auch bei uns erwarten. Der Hauptmaßstab für die Corona-Einschränkungen ist aber die Hospitalisierungsrate.“
Pörksen sagte, die Situation werde zunehmend komplexer. „Wenn sehr viele erkranken, die Infektion aber in Ruhe zu Hause auskurieren können, verschiebt sich die Lage.“ Die Landesregierung beobachte sehr genau, wie sich die Relation zwischen Mitarbeitern und Patienten in den Krankenhäusern entwickeln werde.
Impfpanne im Zoo
Die Impfpanne im Zoo Hannover, wo 21 Jungen und Mädchen versehentlich eine Impfdosis gespritzt worden ist, die nur für Erwachsene bestimmt war, ist nach Angaben von Scholz bisher einzigartig in Niedersachsen.
Der Staatssekretär betonte, dass die Region Hannover Vorkehrungen getroffen habe, dass dieses sich nicht wiederhole. „Gesundheitliche Auswirkungen sind uns nicht bekannt.“
Von Michael B. Berger.
