Nach Einführung in Schulen

Corona-Selbsttests auch in Kitas? Das meinen Fachleute in Hildesheim

Hildesheim - In niedersächsischen Schulen sind regelmäßige Corona-Selbsttests demnächst Pflicht. Wäre das auch ein zusätzlicher Schutz für Kindergärten? In Hildesheim gibt es bei dem Thema auch viel Skepsis.

Realität seit einem Jahr im Hildesheimer Oberlin-Kindergarten: Die Spielbereiche für die drei Gruppen sind streng abgeteilt. Leiterin Yvonne Krink hält mögliche Selbsttests in der Kita nicht für einen Fortschritt. Foto: Julia Moras

Hildesheim - In Hildesheimer Schulen sind regelmäßige Corona-Selbsttests ab Montag Pflicht – für alle Schülerinnen und Schüler ebenso wie für das Personal. In den Kindergärten ist das noch nicht geplant – obwohl sich auch kleinere Kinder laut neueren Studien öfter mit dem Coronavirus infizieren als zu Beginn der Pandemie vermutet. In Osnabrück ist ein Modellprojekt in zwei Kitas gestartet. Es soll zeigen, ob Corona-Selbsttests den Alltag in Kindertagesstätten sicherer machen könnten.

In Hildesheim ist das noch nicht geplant. Die Stadt bietet allerdings allen Kita-Beschäftigten sämtlicher Träger kostenlose Tests an. Was das Testen von Kindern angeht, will die Stadt eine entsprechende Vorgabe des Landes oder des Städtetages abwarten.

„Wir könnten das aber nicht in den Kitas leisten“, sagt Carmen Niebecker, Pädagogische Leitung der 22 evangelischen Kitas im Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt, „auch bei uns müssten die Kinder, analog zu den Schulen, zu Hause getestet werden.“

„Kindern wird schon viel abverlangt“

Aber wäre das auch sinnvoll? Eher nicht, meint Yvonne Krink, Leiterin einer der besagten 22 Kindertagesstätten, der Kita Oberlin in der Innenstadt. „Den Kindern wird sowieso schon viel abverlangt.“ Und dann noch ständig mit Teststäbchen in der Nase herumprokeln? Bei Drei- bis Sechsjährigen? „Da ist die Grenze erreicht“, findet Krink. Sie fordert zunächst etwas anderes: „Wichtig wäre, endlich alle Erzieherinnen zu impfen.“ Denn die könnten zu den Kleinen in der Kita nicht immer Abstand halten. „Wenn ein Dreijähriger hinfällt und weint“, sagt Krink, „dann muss ich ihn auch mal in den Arm nehmen, das geht gar nicht anders.“


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Im Kreis Hildesheim wurden die ersten Erzieherinnen vor zwei Wochen geimpft, am 25. März. Seitdem kursiere die Vorstellung, sämtliches Kita-Personal sei schon an der Reihe gewesen, ist der Eindruck der Oberlin-Leiterin. „Aber das ist nicht der Fall. Meine Kolleginnen und ich waren noch nicht dran. Und wir haben nicht die leiseste Ahnung, wann es so weit sein wird.“

Sonst ein offenes Konzept

Dabei wäre die Impfung nach ihrer Einschätzung der entscheidende Fortschritt auf dem Weg zu mehr Normalität. „Die Kinder leiden unter der Pandemie“, sagt sie. Eigentlich hat die Kita ein offenes Konzept, die drei Gruppen verbindet viel Übergreifendes. Seit einem Jahr gibt es drei getrennte Eingänge und sogar drei durch rot-weißes Flatterband abgesperrte Bereiche auf dem Außengelände. Die Gruppen dürfen keinen Kontakt mehr untereinander haben. Vor kurzem blickte ein Mädchen zu einem Jungen auf der anderen Seite herüber, zwei Flatterband-Grenzstreifen trennten sie. Das Mädchen, erinnert sich die Leiterin, habe ganz traurig gesagt: „Ich weiß gar nicht mehr, wie der heißt.“

Nach einem Intermezzo mit Notbetreuung während der Hochinzidenzphase dürfen nun wieder alle Mädchen und Jungen in den Kindergarten. Doch von 55 waren am Mittwoch nur 33 da. „Viele Eltern sind verunsichert“, weiß die Leiterin, „manche warten, bis zumindest alle Erzieherinnen geimpft sind.“ Wann das der Fall sein könnte, kann sie den Müttern und Vätern auch nicht sagen, von denen viele allmählich den Überblick verlieren, Corona-müde werden. Szenario A, B, C. „Man weiß heute nicht, was morgen ist“, sagt Krink. „Die Kindergärten sind keine verlässliche Bildungseinrichtung mehr.“ Das würden sie wohl auch mit Schnelltests nicht, fürchtet sie. „Nur mit schnelleren Impfungen.“

Das sagt der Caritasverband

Jörg Piprek von der Geschäftsführung der Caritas Kita gGmbH, die ebenfalls Träger zahlreicher Kindergärten in der Region ist, steht auch Selbsttests grundsätzlich positiv gegenüber. „Im Idealfall können Kinder, die sich bereits mit dem Coronavirus infiziert haben und noch keine typischen Symptome aufweisen, durch den Schnelltest frühzeitig entdeckt werden“, sagt er. „Damit könnte man möglicherweise größere Ausbrüche vermeiden.“ Das trage wiederum zu einer kontinuierlichen Aufrechterhaltung des Kita-Betriebes und seiner einzelnen Gruppen bei.

Aber: Es müsse ein klar definiertes und einheitliches Verfahren geben, betont Piprek. Für Eltern und Kita-Personal gleichermaßen. Wichtig sei außerdem, die Eltern gut zu informieren. Und: „Die Tests sollten für die Kinder keine Belastung darstellen und sie müssen in angemessener Weise darauf vorbereitet werden.“

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