Hildesheim - In der Dammstraße hat am Montag die Sondierung des Baugrunds rund um die 850 Jahre alte Brücke begonnen. Die Untersuchungen sollen wichtige Erkenntnisse für die vom Rat beschlossene Abdeckung des historischen Bauwerks liefern. Sie stellen damit den ersten Schritt zur Wiederherstellung der Fahrbahn und Öffnung der Dammstraße dar. Letzteres dürfte aufgrund der dafür nötigen Schritte – selbst bei optimalem Verlauf aller Arbeiten – noch bis Ende 2023 dauern. Die Stadt hatte zuletzt erklärt, sie halte, wenn alles glatt laufe, eine Freigabe bis Weihnachten für möglich.
Die historische Brücke war im Mai 2022 bei Kanalbauarbeiten entdeckt worden, die Dammstraße ist seither gesperrt. Der Rat hatte im Juni nach monatelangen Diskussionen beschlossen, das Bauwerk mit einer Betonplatte abzudecken – die Lösung hatte sich bei Expertenanhörungen als geeignetste, aber auch günstigste Lösung herausgestellt.
Die Betonplatte soll auf Stützen liegen, diese erfordern eine Gründung. Um die zu entwickeln, müssen die Planer wissen, wie der Boden rund um die historische Brücke beschaffen ist. Das Ingenieurbüro BN Umwelt GmbH, das die Arbeiten in der Dammstraße von Beginn an begleitet, hat dafür die Hildesheimer Fachfirma Dr. Pelzer und Partner angeheuert: Sie treibt mit einem Bohrgerät voraussichtlich vier bis zu zehn Meter tiefe Löcher in die Erde, jeweils mit einem Durchmesser von etwa 50 Millimeter.
Verzicht auf zwei Bohrungen, um historische Brücke zu schützen
Zwei Sondierungspunkte liegen auf der bislang nicht erkundeten Nordseite der Brücke links und rechts der Stadtmauer. Zwei weitere Punkte befinden sich im Grabungsschacht auf der freigelegten Südseite des historischen Bauwerks, von wo aus die Archäologen dieses in den vergangenen Monaten dokumentiert haben.
BN-Umwelt-Vertreter Stefan Keck hatte ursprünglich sogar vier Bohrungen auf der Südseite vorgesehen. Doch er beließ es am Montag nach Rücksprache mit Dr. Markus C. Blaich vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege bei zwei Erkundungen: Der Grabungsschacht erwies sich als zu eng für das 750 Kilogramm schwere Bohrgerät, das mit einem Bagger auf den Boden der Grube gesetzt wurde. „Wir wollen die Brücke ja nicht beschädigen“, betonte Keck. Er und die übrigen Beteiligten wie die Stadt müssen sich mit Blaich bei allen Eingriffen an der Brücke wegen deren großen Bedeutung abstimmen. Für die Sondierung sind bis zu drei Tage angesetzt. Zu dem Einsatz gehören auch zwei so genannte Suchgrabungen gleich neben der Brücke in Richtung Bischofsmühle: Es geht darum, die im Boden verborgene Nordkante der Brücke zu finden.
Vliesabdeckung
Die Brücke unter der Dammstraße wird nicht zugeschüttet, sondern mit einem Kunststoffgewebe abgedeckt – das hat Planer Stefan Keck erklärt. Auf das Vlies komme dann Kies, darüber folge die Betonplatte. Der Hildesheimer Ingenieur Jürgen Götz hält diese nicht für nötig, die Brücke könne auch ohne Platte genug Gewicht tragen. Die Stadt und Keck halten das Risiko von Versackungen aber für zu hoch. Das Vlies stelle sicher, dass künftige Generationen die Brücke noch einmal freilegen könnten, sagt Keck.
Bis zum Weihnachtsmarkt frei? Das ist zeitlich kaum möglich
Mit den Ergebnissen der Sondierung wird in zweieinhalb Wochen gerechnet. Auf dieser Basis soll ein Gründungskonzept entstehen, was etwa zwei Wochen dauert. Im nächsten Schritt legen die Planer mit weiteren Experten das Ausmaß der Betonplatte fest, dafür werden fünf bis sechs Wochen veranschlagt. Der Bau der Platte und das Wiederherrichten der Straße nehmen voraussichtlich zehn Wochen in Anspruch. Damit dürfte sich die ursprüngliche Hoffnung der Stadt, die Dammstraße könnte im besten Fall zum Weihnachtsmarkt frei sein, wohl erledigt haben. Zumal Experten bei den Gründungsarbeiten auf der Nordseite mit archäologischen Funden rechnen. Archäologen und Kampfmittelexperten begleiten auch die derzeitigen Sondierungsbohrungen.


