Hildesheim - Die Weihnachtspause ist vorbei: In der Dammstraße sind die Arbeiten im Zusammenhang mit der 850 Jahre alten Brücke unter der Fahrbahn wieder angelaufen. Inzwischen liegt der dritte Bogen des historischen Bauwerks frei – er ist allerdings im oberen Teil beschädigt. Und das dürfte bei dem direkt folgenden Brückenbogen genauso sein, befürchten die Archäologen. Sie gehen von insgesamt zehn Bögen aus.
Bis zur Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 2. Februar sind nicht alle Brückenbögen freigelegt
Die Verwaltung hatte im Dezember im Stadtentwicklungsausschuss angekündigt, dass die Archäologen bis zu dessen nächster Sitzung im Februar auch die verbleibenden Bögen des Bauwerks dokumentieren. Die Stadt will der Politik bei dem Treffen mehrere Optionen zum weiteren Umgang mit der Brücke vorstellen. Doch dass die Archäologen diese bis zu der Sitzung komplett erfasst haben, ist so gut wie ausgeschlossen.
Die historische Brücke war im Mai vergangenen Jahres bei Kanalarbeiten der Stadtentwässerung (SEHI) entdeckt worden. Die Dammstraße ist seitdem gesperrt: Weil unter den Brückenbögen Hohlräume liegen, befürchtet die Stadt, die Fahrbahn könne einstürzen. Die Brücke liegt in etwa 2,50 Meter Tiefe, sie erstreckt sich über rund 40 Meter.
Bauarbeiter legen seit November aus Richtung Innenstadt in Richtung Moritzberg in Abschnitten die Südseite des rund 7,50 Meter breiten Bauwerks frei und schaffen davor einen Grabungsschacht. Von diesem aus dokumentieren Mitarbeiter der Firma Archaeofirm – sie begleiten auch die Kanalarbeiten der SEHI – den jeweiligen Brückenabschnitt.
Wasserleitung aus 1950er-Jahren beschädigt Brücke
Der Auftakt im Herbst verlief wenig verheißungsvoll: Vom ersten Brückenbogen direkt neben der aktuellen Innerste-Brücke war nicht viel übrig. Doch der zweite und dritte Bogen sind intakt. Die Verwaltung hatte den damaligen Stand der Arbeiten Ende November dem Stadtentwicklungsausschuss und dem Ortsrat bei einem Ortstermin erläutert – verbunden mit der Botschaft des Rathaus-Archäologen Christoph Salzmann, dass das Bauwerk nachweislich im zwölften Jahrhundert im Auftrag des späteren Reichskanzlers Rainald von Dassel erstellt worden ist.
Die Archäologen sind seit dem Termin mit den Politikern nicht sehr viel weiter gekommen. Sie hätten vor Weihnachten wegen Kälte und Regen nur eingeschränkt arbeiten können, berichtet Stadt-Sprecher Helge Miethe. Dann ruhten die Bauarbeiten.
Immerhin: Inzwischen ist der dritte Bogen zu sehen – und quer auf ihm eine Wasserleitung aus den 1950er-Jahren, die ihn an der Oberfläche beschädigt hat. Die Leitung war bis vor einigen Monaten noch in Betrieb: Weil sie die historische Brücke bereits einer anderen Stelle kreuzte, hatte die EVI sie bereits im Herbst verlegt. Da die Archäologen den ursprünglichen Verlauf kennen, gehen sie davon aus, dass auch der benachbarte Brückenbogen durch die Leitung (sie hat einen Durchmesser von 25 Zentimetern) beeinträchtigt ist.
Archäologen wissen noch von weiteren Brückenbögen
Ein weiterer Brückenbogen – in der Mitte der Kreuzung Dammstraße/ Johannisstraße – lag dem neuen SEHI-Kanal im Weg. Das Unternehmen hat ihn im vergangenen Jahr entfernen lassen. Unter diesem Bogen befand sich der Hohlraum, der zur Entdeckung der Brücke und Sperrung der Straße führte.
Dass noch mehrere Bögen in Richtung Moritzberg folgen, wissen die Archäologen aus Suchbohrungen – der genaue Zustand der Gewölbe lässt sich durch diese allerdings nicht ermitteln. Doch die Experten gehen davon aus, dass sie erhalten sind. Bis zur Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses in zweieinhalb Wochen dürften die verbleibenden Brückenbögen aber weder freigelegt noch dokumentiert sein. Zumal die Arbeiten derzeit stocken: Aus dem Matsch, der in den Hohlräumen unter dem Bauwerk sitzt, fließt Wasser in den Grabungsschacht. Man komme daher nur langsam voran, heißt es bei Archaeofirm.
Das bedeutet: Wenn die Verwaltung im Ausschuss am 2. Februar ihre Vorschläge präsentiert, wie mit der Brücke angesichts ihrer historischen Bedeutung einerseits und ihrer Funktion für den Verkehr andererseits angemessen umgegangen werden könnte, ist noch gar nicht klar, wie viel von dem Bauwerk in welchem Zustand überhaupt erhalten ist.
Doch was heißt all das für die Sperrung der Dammstraße? Die Verwaltung hatte im November erklärt, diese dauere auf jeden Fall bis zum Frühjahr an – ein genauer Termin lasse sich noch nicht nennen. Denn der hänge davon ab, was mit der Brücke passiere: Also ob und in welchem Umfang sie geborgen wird, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Unklar ist damit auch weiter, wie und ob die Brücke in ihrem jetzigen Zustand der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird – der Bereich gilt als Baustelle und ist abgesperrt.
Ab April wieder freie Zufahrt zur Insel? Die SEHI sagt vielleicht
Die SEHI wiederum geht davon aus, ihre Kanalarbeiten in der Gegend bis April so weit erledigt zu haben, dass das Abbiegen von der Dammstraße in die Johannisstraße wieder möglich sein könnte – das würde die Situation für die Bewohner der „Insel“ rund um den Kalenberger Graben erheblich erleichtern. Doch zusagen kann SEHI-Bereichsleiter Michael Ködding ihnen die Öffnung der Zufahrt noch nicht: Das hänge vom Fortschritt der Arbeiten im Zusammenhang mit der historischen Brücke ab. „Wenn das zu eng wird, kann dort aus Sicherheitsgründen kein Autoverkehr fließen“, erklärt Ködding.



