Das weitere Vorgehen

Dammstraße in Hildesheim: Wird die historische Brücke geborgen? Verwaltung stellt Kurs vor

Hildesheim - Wie soll die Stadt Hildesheim mit der mehr als 850 Jahre alten Brücke umgehen, die unter der Dammstraße entdeckt worden ist? Die Verwaltung hat der Politik jetzt ihren Plan für das weitere Vorgehen vorgestellt.

Bis Februar will die Hildesheimer Stadtverwaltung Ideen zusammentragen, wie es mit der Brücke aus dem 12. Jahrhundert unter der Dammstraße weitergehen könnte. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Wie soll die Stadt mit der mehr als 850 Jahre alten Brücke umgehen, die unter der Dammstraße entdeckt worden ist? Die Verwaltung trage gerade Ideen zusammen, hat Kai-Uwe Hauck, der Chef des Fachbereichs Tiefbau, am Mittwochabend im Ausschuss für Stadtentwicklung erklärt. Man werde die Politiker im Februar über die Varianten informieren. „Wir wollen verhindern, Fakten zu schaffen, die uns hinterher leid tun.“ Ein Punkt steht für Baudezernentin Andrea Döring gleichwohl schon fest: Eine dauerhafte Vollsperrung der Dammstraße komme nicht in Frage, diese sei für den Verkehr zu wichtig.

Die Stadt hatte ursprünglich geplant, die Südansicht der 30 Meter langen Brücke freilegen und von Archäologen dokumentieren zu lassen. Zudem sollten die Sichtsteine von zwei der vermutlich sechs Brückenbogen geborgen werden, um diese später ausstellen zu können. Um die seit Mai gesperrte Straße wieder befahrbar zu machen, sollten dann die Hohlräume unter den Bögen verfüllt werden – was deren Zerstörung bedeuten würde. Bleibt es dabei, könnte der Verkehr in der Dammstraße nach Ansicht ab Mai 2023 wieder fließen, sagte Hauck.

Stadt betont: Planänderung führt zu längerer Sperrung der Dammstraße

Doch die Erkenntnis des Stadtarchäologen Christoph Salzmann, dass das Bauwerk aus dem zwölften Jahrhundert stammt und eine der ältesten mittelalterlichen Steinbrücken aus dieser Zeit in Deutschland ist, hat die Verwaltung zum Umdenken gebracht. „Wir strukturieren Ideen, mit der Brücke angemessen umzugehen“, erklärte Baudezernentin Döring. Dabei könne sich die Stadt allerdings nicht allein auf ihren Archäologen beziehen, sondern müsse auch andere Experten konsultieren. Im Raum steht unter anderem die vollständige Bergung der Brücke, die Döring auf einer Skizze bereits als Rainald-von Dassel-Brücke getauft hat – der damalige Domprobst hat das Bauwerk um 1150 in Auftrag gegeben. Eines sei aber klar, betonte Fachbereichschef Hauck: Entscheide sich die Stadt für ein anderes Vorgehen als das eigentlich geplante, lasse sich der Zeitplan nicht halten. Darauf komme es angesichts der Bedeutung der Brücke nicht an, fand Unabhängigen-Vertreter Erdinc Parlak: „Die Bürger haben dafür Verständnis.“



Auch Sprecher anderer Fraktionen begrüßten den Kurs der Verwaltung. Die Stadt könne die Brücke keinesfalls einfach zerstören lassen, sagte SPD-Vertreter Marcus Krettek – und erkundigte sich nach den Kosten, das Bauwerk zu sichern. Das lasse sich jetzt noch nicht sagen, betonte Dezernentin Döring, die Stadt werde aber auf jeden Fall Fördermittel brauchen. Und die gebe es nur mit einem Entwurf. „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns.“

Döring warnte zudem vor zu hohen Erwartungen an die Februar-Sitzung, auch dann würden viele Fragen noch offen seien. „Wir sprechen nur über die Richtung, in die wir gemeinsam gehen wollen.“ Die Verwaltung hat den Termin mit Bedacht gewählt: Bis dahin sollen nach heutigem Stand alle sechs Brückenbögen freigelegt und von den Archäologen dokumentiert worden sein; damit steht die Frage nach dem weiteren Vorgehen an.

CDU-Chef Münter fragt nach Kosten – und läuft damit auf

Zumindest für diese Arbeiten müsste es doch Kostenschätzungen geben, erkundigte sich CDU-Fraktionschef Dennis Münter. Er vermisste zudem einen Ansatz im Haushaltsplan und die Beteiligung der Politik. Denn das Auftragsvolumen dürfte über jenem Wert liegen, bis zu dem der Oberbürgermeister allein entscheiden könne.

Auch er kenne die Kosten noch nicht, versicherte Erwin Voß, der Chef der Stadtentwässerung (SEHi). Diese hat – nach Absprache mit der Stadt – die Firma, die derzeit in der Gegend einen neuen Kanal baut, mit den Arbeiten beauftragt. SEHi und Kommunen haben vereinbart, anschließend abzurechnen. Die Stadt habe für ihre Zahlungen an das Unternehmen bis 2027 Zeit, betonte Döring. Der Rat sei in die Entscheidung nicht einbezogen worden, weil die Verwaltung diese als ihre Sache angesehen habe: „Es musste schnell gehen, um die Straße wieder befahrbar zu machen.“

Fachbereichschef Hauck hatte vorher erklärt, eine Kostenüberschreitung zum bisherigen Ansatz sei nicht erkennbar. Wie hoch aber dieser ist, blieb in der Sitzung offen.

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