Hildesheim - Vor zwei Monaten sind Archäologen und Bagger aus der Dammstraße abgezogen, seither ruht die Baustelle. Nun ist ein Ende der Pause in Sicht: Anfang September soll es voraussichtlich weitergehen, hat die Stadtentwässerung (SEHI) auf Anfrage der HAZ angekündigt. Bis allerdings der Verkehr wieder fließen kann, dauert es nach Einschätzung des Unternehmens noch „mindestens sechs bis acht Monate“ – und damit bis zum Frühjahr. Passt das Wetter nicht oder kommt es zu anderen Problemen, könnte die Sperrung sogar noch länger anhalten.
Die mehrmonatige Zwangspause auf der Baustelle ist der Entscheidung geschuldet, für die ausstehenden Aufgaben eine neue Baufirma zu suchen. Die beiden Betriebe, die zuletzt in der Dammstraße im Einsatz waren, sollten eigentlich nur den Kanalbau erledigen. Die SEHI hatte ihnen dann aus praktischen Gründen auch die Arbeiten rund um die historische Brücke übertragen, die im Mai 2022 entdeckt wurde.
Das 850 Jahre alte Bauwerk ist inzwischen bereits seit Monaten wieder abgedeckt. Zuletzt folgten Arbeiten für das Fundament der Betonplatte, mit der die Brücke im Boden versiegelt werden soll. Nun stehen der Bau der Platte und der einer neuen Fahrbahn an. Die SEHI (die als Bauherr fungiert) und die Stadt (die am Ende die Rechnung bezahlt) hatten sich aus rechtlichen Gründen darauf verständig, diese Leistungen neu auszuschreiben.
SEHI plant Auftragsvergabefür die zweite August-Woche
Die Stadtentwässerer hatten angekündigt, dazu bei mehreren Firmen Angebote einzuholen. Bei wie vielen genau es angefragt hat, wollte das Unternehmen der HAZ jetzt aus rechtlichen Gründen nicht sagen. Man plane den Auftrag in der zweiten August-Woche zu vergeben, hieß es dazu Ende vergangener Woche. Derzeit läuft offenkundig noch das Auswahlverfahren. Nach der Vergabe werde dann ein konkreter Bauzeitenplan vorgelegt, berichtet die SEHI.
Allerdings könnten auf der verwaisten Baustelle bereits vor September wieder Arbeiter auftauchen. So hatte die EVI im Zuge der schon erledigten Arbeiten in den vergangenen Monaten mehrere Strom-, Gas- und Wasserleitungen in der Dammstraße stilllegen müssen; die Versorgung der betroffenen Haushalte stellte sie durch Umleitungen sicher. Nun sei deren Rückbau und das Wiederherstellen der ursprünglichen Verbindungen erforderlich, sagte der stellvertretende EVI-Sprecher Sven Harmsen der HAZ. Wann das genau passieren soll, könne man derzeit noch nicht sagen. Zusätzliche Sperrungen seien dafür voraussichtlich nicht nötig: „Stand heute“ fänden alle Arbeiten in dem Gebiet statt, das bereits derzeit nicht zugänglich sei.
Politik will nach der Sommerpause Weg vereinbaren, um besser von der Stadt informiert zu werden
Dass es selbst dann, wenn die SEHI-Arbeiten wieder laufen, noch bis ins Frühjahr dauert, bis die Sperrung der Dammstraße endet, hatte in der Politik vor der Sommerpause erheblichen Ärger ausgelöst. Oberbürgermeister Ingo Meyer und Baudezernentin Andrea Döring sahen zwar kein Verschulden der Stadt in Sachen Bauzeit, räumten aber Kommunikationsfehler ein und versprachen Besserung.
Diese forderte der Rat in seiner Juni-Sitzung fraktionsübergreifend ein. Die Gruppe CDU/Unabhängige/FDP hatte sogar ursprünglich erwogen, eine Art Untersuchungsausschuss zu beantragen. Die Mehrheitsgruppe aus SPD, Grüne und der PARTEI sah diese Idee aber kritisch. Die Politiker verständigten sich darauf, nach der Sommerpause über einen anderen Weg zu sprechen, wie die Verwaltung sie schneller und besser über die Entwicklung in der Dammstraße auf dem Laufenden halten soll. Derzeit berichtet die Rathaus regelmäßig im Stadtentwicklungsausschuss, der aber nur etwa alle sechs Wochen tagt. „Wir werden das Thema nach der Sommerpause aufgreifen“, kündigte CDU-Fraktionschef Dennis Münter am Sonnabend gegenüber der HAZ an.
Hilfsfonds für Händler?
Vom Vorschlag seines Parteifreundes Dirk Bettels, die Stadt solle die Dammstraßen-Händler mit einem Fonds finanziell unterstützen, hält Münter nichts: „Es ist viel besser darauf hinzuwirken, dass der Verkehr so schnell wie möglich wieder fließt.“
