Hildesheim - Bei der Erkundung der 850 Jahre alten Brücke unter der Dammstraße beginnt ein neuer Abschnitt: Vertreter des Instituts für Baugeschichte an der Technischen Universität (TU) Braunschweig vermessen das Bauwerk in den nächsten zwei Monaten mit einem Laser, um ein dreidimensionales Abbild zu erstellen – auch als Vorlage für ein kleineres Modell. Außerdem hoffen die Wissenschaftler auf Antworten zu bautechnischen Fragen, sagte Instituts-Chefin Professorin Dr. Ulrike Fauerbach zum Auftakt des TU-Einsatzes am Mittwoch: „Wie ist die Brücke errichtet worden, wie trägt sie, wie verläuft sie – und wie lang ist sie eigentlich?“
Um all das zu klären, rückt ein Team der Hochschule ab Anfang Mai regelmäßig in der Dammstraße an. Projektleiterin Theresa Pommer rechnet mit knapp 20 Einsätzen bis Ende Juni. Am Mittwoch stand ein Ortstermin mit Vertretern der beteiligter Behörden und Firmen an, TU-Mitarbeiter Gunnar Schulz-Lehnfeld positionierte testweise den Laser im Grabungsschacht. Von dort aus dokumentiert die Firma Archaeofirm seit November die freigelegte Südseite der Brücke.
TU-Professorin lobt Grabungsfirma Archaeofirm
Für die Arbeit der Archäologen hatte Instituts-Chefin Fauerbach ein dickes Kompliment parat: „Unsere Messungen sind dadurch optimal vorbereitet.“ Auch Dr. Marcus C. Blaich vom Landesamt für Denkmalpflege lobte die Grabungsfirma. Er leitet bei der Behörde das Referat für Mittelalterarchäologie, ist für die Dammstraßen-Brücke zuständig und hat den 45 000-Euro-Zuschuss des Landes für den Einsatz der TU vermittelt.
Deren Bauforschungsexpertin Fauerbach wirkt begeistert von dem Auftrag in Hildesheim: Die Untersuchung der Brücke liefere nicht nur eine einzigartige Gelegenheit, Fragen der Stadtgeschichte zu klären, sondern könnte, weit über Hildesheim hinaus, neue Erkenntnisse zur mittelalterlichen Bautechnik liefern. „Wir können das nicht versprechen, aber ich halte das für möglich.“ Blaich sieht in der Arbeit der Wissenschaftler aus Braunschweig die Chance, Informationen zu erhalten, die zur Klarheit im weiteren Umgang mit der Brücke führten.
Über den entscheidet der Stadtrat nach der bisherigen Planung Ende Juni. Grundlage dafür sollen die Ergebnisse der beiden Expertenanhörungen am übernächsten Wochenende im großen Ratssaal sein: Am Freitag ist eine Veranstaltung zur archäologischen Bedeutung der Brücke vorgesehen, am Sonnabend ein zweites Symposium zu den Folgen für die Verkehrsführung rund um die Dammstraße, falls das historische Bauwerk dauerhaft öffentlich zugänglich gemacht würde.
Hildesheimer CDU fordert: Ergebnisse der Götz-Bohrungen sollen zu Symposien vorliegen
Mit Blick auf diese beiden Termine fordert die CDU die Stadt auf, „schnellstens die Tragfähigkeit der Brücke und deren Fundamente zu prüfen und durchzurechnen“. Denn die Ergebnisse müssten in den Symposien vorgestellt werden, finden CDU-Stadtverband und CDU-Ratsfraktion: Die Informationen seien nötig, damit der Rat zeitnah eine Entscheidung treffen könne, um die Dammstraße wieder zu öffnen. Die Tragfähigkeit der Brücke habe darauf entscheidenden Einfluss.
Dass das Bauwerk dem Verkehr standhalte, habe Ingenieur Jürgen Götz jüngst beim CDU-Forum zur Dammstraße erläutert, erinnert die CDU. Götz’ These lasse sich durch die geforderten Untersuchungen nachweisen: Habe er recht, könne die Stadt auf die angedachte Behelfsbrücke verzichten und den Verkehr schon jetzt wieder, zum Beispiel einspurig mit wechselseitiger Ampelschaltung, rollen lassen.
Die Stadt werde dies im Vorfeld der Symposien nicht kommentieren, sagte Sprecher Helge Miethe der HAZ. Und er erteilt auch der anderen Forderung der CDU eine Absage: Die Götz-Untersuchung sei bis zu den Anhörungen auf Eis gelegt, danach sehe man weiter.Klar ist: Der zweimonatige Einsatz der TU hat auf die Sperrung der Dammstraße keinen Einfluss. Zumal die Wissenschaftler aus Braunschweig um die Debatten in Hildesheim wissen: „Wir sind uns des Zeitdrucks bewusst“, versichert Instituts-Chefin Ulrike Fauerbach.
Kommentar: Die CDU ist zu früh dran
Dass die CDU aufs Tempo drückt, um sich als Interessenwahrer all jener zu profilieren, die unter der Sperrung der Dammstraße leiden, ist legitim. Tatsächlich gibt es bei einigen Kaufleuten einen erheblichen Leidensdruck. Doch in der Sache geht der Vorstoß der Christdemokraten ins Leere. Denn die Symposien sollen der Orientierung der Ratsmitglieder dienen, damit diese im Juni eine fundierte Entscheidung treffen können. Das heißt: Bei den Anhörungen lässt sich mit Annahmen arbeiten – für den Fall, dass die Brücke trägt, und für den Fall, dass sie es nicht tut. Schon jetzt über eine einspurige Freigabe der Straße zu sinnieren, ist unangebracht. Die Symposien sollen doch gerade Argumente für ein Für und Wider liefern, um abwägen zu können und eine Entscheidung zu fällen. Und nicht dazu, diese vorwegzunehmen.

