Filiale bleibt bestehen

Kaufhof-Rettung in Hildesheim: Das sagen Kunden, Händler und der Oberbürgermeister

Hildesheim - Für den Oberbürgermeister ist die Bedeutung des Warenhauses gar nicht hoch genug einzuschätzen. Doch in den Jubel vieler Hildesheimer mischen sich auch Forderungen.

Galeria Karstadt Kaufhof mit seiner markanten Fassade bleibt Hildesheim erhalten. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Für einen Moment scheint eingetreten, was aus Sicht vieler Hildesheimer eine Katastrophe wäre. Ratlos rüttelt die ältere Dame am Freitag um 14.15 Uhr an der Eingangstür von Galeria Karstadt Kaufhof gegenüber der Jakobikirche. Nichts zu machen. Entgeistert wendet sich die Frau ihrer Begleiterin zu: „Jetzt hamse wirklich zugemacht.“ Gesenkten Hauptes trottet das Duo von dannen.

Tatsächlich hat Kaufhof am Freitagnachmittag seine Türen an der Fußgängerzone geschlossen. „Aus organisatorischen Gründen“, wie auf einem kleinen Hinweisschild zu lesen ist, das die meisten Kunden zwischen Werbetafeln und Corona-Hinweisen völlig übersehen. Zumal auf dem Zettel nichts darüber steht, ob und wann das Warenhaus wieder öffnet.

Bundesweit alles dicht

Der Grund: Um 14 Uhr finden bundesweit in allen Filialen Betriebsversammlungen statt, in denen die Mitarbeiter erfahren, ob es weitergeht oder nicht. Die Niederlassungen, die keine Zukunft haben und deren Belegschaften vor der Kündigung stehen, sollen am Freitagnachmittag geschlossen bleiben und erst am Sonnabend wieder öffnen.

Immer wieder rütteln Kunden an den Türen, teils sehr energisch. Schließlich kommt ein Mitarbeiter heraus, stellt das Hinweisschild um, direkt vor die Tür. Und bemerkt: „Um 15 Uhr wird wieder geöffnet.“ In diesem Moment ist klar: Hildesheim gehört nicht zu den 62 Standorten, die am Ende sind.

Meyers Loblied

Tatsächlich dauert es nur bis 14.45 Uhr, als eine Mitarbeiterin wieder aufschließt und das Schild entfernt. Die Erleichterung ist ihr selbst durch die Schutzmaske anzusehen. Ein paar Kunden gratulieren. Die Mitarbeiterin bedankt sich, doch sie sagt auch: „Für uns ist das schön – für viele Kollegen an anderen Standorten nicht.“

In Hildesheim löste die Nachricht vom Fortbestand der Filiale gleichwohl Jubel aus. „Überaus froh“, sei er, sagt Oberbürgermeister Ingo Meyer in einer ersten Reaktion auf HAZ-Anfrage. „Das ist nicht nur mit Blick auf die Arbeitsplätze, sondern auch auf die Entwicklung unserer Innenstadt eine wichtige Entscheidung, die ich sehr begrüße.“ Die Bedeutung des Warenhauses für die Stadt sei enorm: „Es trägt mit seiner hohen Frequentierung in hervorragender Weise zur Attraktivität der Innenstadt bei.“ Durch das breite Sortiment und den Supermarkt im Untergeschoss sei Kaufhof „aus Hildesheim nicht wegzudenken und für die Versorgung der Stadt und der Region absolut notwendig“.

Nicht nur Begeisterung

Sehr erleichtert reagierte Wilfried Hennigs, Betreiber des Rewe im Untergeschoss, auf die Nachricht: „Das ist ein guter Tag für meine Mitarbeiter und mich, aber vor allem für ganz Hildesheim.“ Letzteres sieht auch IHK-Vizepräsident Stefan Kühn so. In Jubel bricht er allerdings nicht aus, formuliert eher zurückhaltend: „Der Kelch ist für heute an uns vorbeigegangen.“ Für andere Innenstädte, aus denen Galeria Karstadt Kaufhof sich zurückziehe, sei es allerdings ein „schmerzlicher Schnitt“, die Gesamtentwicklung deshalb „kein Grund zur Freude“.

Modehändler Axel Kressmann hatte schon im Vorfeld die Bedeutung von Kaufhof für die Innenstadt beschworen. Am Freitag zeigte er sich froh über eine „gute und wichtige Entscheidung“, sieht den Galeria-Konzern aber in der Pflicht, nun auch zu investieren: „Ich bin gespannt, wie die Immobilie in hoffentlich naher Zukunft weiterentwickelt wird.“

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