Frisch vom Fass

In Heinde wird nach fast 100 Jahren bald wieder Bier gebraut – auch neue Events geplant

Heinde - Heimische Brauer stellen in Kürze ihren Gerstensaft auch in Heinde her. Das wird jetzt gefeiert. Was die Männer alles anbieten, und wann man sich an Ort und Stelle zuprosten kann. (mit Video)

Die Bierbrauer Marius Mende, Markus Behme und Jonathan Klages stoßen an. Foto: Chris Gossmann

Heinde - In einem Glühweintopf schwappte einst das Getränk. Damals, 1995. Als Markus Behme mit Freunden experimentierte. Bierbrauen wollten sie, das hatten sich die vier Heinder in den Kopf gesetzt. Seinerzeit steckten sie mit ihrem Hobby noch tief in den Kinderschuhen. Aus denen sind die Männer längst raus. Rund 10.000 Liter Bier produzieren sie inzwischen im Jahr. „Heinder Naturtrüb“, so heißt ihre Marke. Von Mai an braut das Quartett erstmals Bier in Heinde. Dort war die letzte Brauerei im Ort vor rund 100 Jahren in Flammen aufgegangen. Und nun wollen die Heinder die alte Brautradition wieder fortsetzen.

Dafür wurden die Räume in einem ehemaligen Schafstall, in dem früher eine Tischlerei und eine Tierarztpraxis untergebracht waren, seit Jahresbeginn mühsam hergerichtet. Es gibt nun Lager für die Brauerei und auch eine Waschküche.

Saisoneröffnung am Gründonnerstag

Am Gründonnerstag wollen die Heinder mit vielen Gästen anstoßen und die Saisoneröffnung im Braukeller feiern. So nennen sie den alten Schafstall im Dorf. Dort sind die Bierbänke aufgebaut, die Zapfanlage an der Theke ist startbereit.

Es ist also alles angerichtet, um weiter auf Kurs zu bleiben: Das Bierbrauen ist für Behme und seine Mitstreiter „eine Mission“. Sie brauen ungefiltertes, naturtrübes Bier „in bester Handwerkskunst“, nicht in industrieller Massenanfertigung, wirbt die Truppe für ihre Craftbeer-Produkte. Die kommen schon seit sieben Jahren gut an, die Heinder haben Kundschaft auf Festen wie etwa den Hildesheimer Wallungen sowie dem Lafferder Markt und auch in regionalen Geschäften, jetzt aber folgt der nächste Schritt.

Events an der Brauerei

Im Dorf brauen und dort auch Platz für Events mit Bands bieten. Das ist der Plan. Christi Himmelfahrt soll es etwa hoch her gehen im Herzen von Heinde und am 15. August ebenfalls, wenn Dick & Durstig mit Carsten Brasig als Lokalmatador auftreten. Und klar, dass dann wieder die sechs selbstgemachten Biersorten, darunter Weizen, Bockbier und Pilsner, aus Bierhahn und Flasche fließen sollen. Der Brauereikeller ist aber auch für private Zwecke da. Wer will, kann ihn mieten.

„Zudem möchten wir den Biergarten eröffnen, sobald das Wetter mitspielt“, sagt Behme. Für ihn wie auch Jonathan Klages, Marius Mende und Jan Reichert geht nun ein Traum in Erfüllung. „Ohne die Hilfe von vielen aus dem Dorf hätten wir das nicht schaffen können“, berichtet Marius Mende. Etliche Menschen packten kräftig mit an, damit das große Ziel, eine kleine Brauerei im Ort zu schaffen, erreicht wird.

Die Kessel stehen schon parat

Zuvor haben die Heinder ihr Sortiment bei Robens in Eldagsen brauen lassen, doch die Spezialbiere wie das Emmer Weizen sollen im Herzen von Heinde am Gutshofgelände hergestellt werden. Und inzwischen stehen sie da, die blank polierten Braukessel, importiert aus Italien. Das Preis-Leistungs-Verhältnis habe gestimmt, sagt Behme.

Die Brauer müssen eben ihr Geld zusammenhalten, ihr Betrieb finanziert sich nur über die Einnahmen aus dem Bierverkauf, daher war für sie die Unterstützung der Menschen im Dorf auch wichtig. Die und auch viele andere sind am Gründonnerstag ab 18 Uhr eingeladen. Marius Mende, der in Hildesheim als Koch arbeitet, wird unter anderem Currywurst und Schaschlik, Pommes und Süßkartoffeln auftischen. Als Begleitung zum Bier „Made in Heinde“. Immer am zweiten und vierten Donnerstag heißt es „Prost!“ im früheren Stall im Wallmodenweg 1.

So schmeckt das Heinder Bier

Doch wie schmeckt das „Heinder Naturtrüb“ eigentlich? Ein Probierschluck: Das böhmische Pils etwa ist recht süffig, würzig und bekömmlich. Besonders wenn dieser strohgelbe Gerstensaft gezapft und dann mit einer stattlichen Schaumkrone serviert wird.

Die Hobby-Brauer haben anscheinend viel gelernt, Lehrmeister war ein Profi von der Brauerei in Braunschweig. Inzwischen könnten die Heinder anderen Leuten zeigen, wie es geht.

Ganze Reihe regionaler Bierhersteller

Die Heinder Brauer gehören unterdessen zu einer ganzen Reihe von regionalen Bierherstellern, so etwa gibt es die Biermanufaktur Schwarzes Huhn schon seit 17 Jahren in Grasdorf und auch die Hildesheimer Braumanufaktur. In Diekholzen wird ebenfalls Gerstensaft hergestellt, das Walpurgis-Bier. Hinzu kommt Sarstedt, wo die Sarstedter Bierfreunde die Brautradition der Stadt bewahren wollen. Sie alle konkurrieren aber nicht miteinander, betont Behme. Im Gegenteil. Es gehe darum, sich zu ergänzen. Eine Brauerei-Tournee durchs Hildesheimer Land, also von Ort zu Ort, das wäre auch ein Ereignis, bei dem die Heinder kräftig mitziehen würden.

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