Veranstalter zurückgetreten

Kein offenes Mikro, aber anonyme Redner: So lief Demo gegen Corona-Beschränkung in Hildesheim

Hildesheim - Nach umstrittener Veranstaltung treffen sich am Sonnabend erneut mehr als 60 Menschen auf Einladung des neuen Bündnis „Aufgewacht Hildesheim“. Nach dem Auftritt eines Rechtsextremen ist der Initiator von Parteiämtern zurückgetreten.

Mehr als 60 Menschen demonstrieren am Sonnabend auf der Lilie gegen die Corona-Beschränkungen. Foto: Clemens Heidrich

Hildesheim - Die Maskenpflicht abschaffen, die sofortige Öffnung aller Kindergärten, Schulen und Geschäfte – das fordert das neue Bündnis „Aufgewacht Hildesheim“. Auf dessen Einladung hin haben am Sonnabend rund 60 Menschen auf der Lilie gegen die Corona-Beschränkungen demonstriert.

Begleitet wurde die Veranstaltung von Zwischenrufen der Antifa – ansonsten blieb es ruhig. Die Polizei, die die Veranstaltung aufmerksam beobachtete, hatte wenig zu tun.

Dritte Demonstration

Es war die insgesamt dritte Demonstration dieser Art, die ursprünglich der Sibbesser Jens Stenzel ins Leben gerufen. Der stellvertretende Kreisvorsitzender der FDP, der allerdings immer betonte, die Demo als Privatperson organisiert zu haben, hat sich inzwischen zurückgezogen und die Organisation an Hendrik Seeger und sein Team übergeben. Nicht nur dass: Am Sonntagabend meldet die FDP-Kreisfraktion, dass Stenzel von all seinen Parteiämtern zurückgetreten ist. Nach der Kundgebung in der vergangenen Woche hatte es einigen Wirbel um die Veranstaltung gegeben, nachdem der bekannte Rechtsextremist Johannes Welge ohne sich vorzustellen dort gesprochen hatte und sogar die Technik zur Verfügung gestellt haben soll.

Seeger hatte nach der Übernahme der Organisation versprochen, künftig solle es kein freies Mikrofon mehr geben, die Veranstaltung solle transparent und unpolitisch bleiben. Am Sonnabend stellten sich von fünf Rednern drei nur mit dem Vornamen vor, ein Mediziner sprach gar anonym und der Veranstaltungstechniker, der zum Ende das Mikrofon ergriff, nur unter Pseudonym.

Wie die Initiative „Aufgewacht Hildesheim“ sicherstellen wolle, nur unpolitische Redner zu Wort kommen zu lassen, wollte Seeger auf Nachfrage nicht beantworten: „Das überlassen Sie mal uns.“ Auch die Frage, ob nicht das Engagement des neuen Bündnisses auch politisch sei, ließ er im Gespräch mit der HAZ im Raum stehen.

Keine Distanzierung

Über den Auftritt Welges in der vergangenen Woche verlor Seeger kein Wort. Das kritisierte im Anschluss ein junger Mann der Initiative. Er riet Seeger dringend, sich öffentlich davon zu distanzieren. Damit das Bündnis sich nicht länger Vorwürfen ausgesetzt sehe, Extremisten ein Podium zu bieten.

„Das Grundgesetz ist nicht politisch“, stellte die erste Rednerin klar. Doch die darin festgeschriebene Freiheit und Unantastbarkeit der Würde, sei gefährdet. Ihre Nachfolgerin appellierte an die Menschlichkeit. Jeder solle selbst entscheiden, wie und ob er sich vor dem Virus schützen wollen. „Das traue ich den Menschen zu“, sagte sie. Es folgte ein seit 40 Jahren praktizierender Mediziner, der in Hildesheim auch als Betriebsarzt tätig ist. Er warnte eindringlich vor dem Impfstoff, der nun voreilig „zusammengerührt“ würde. Als später die Berichterstattung der Medien und insbesondere auch der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung kritisiert wurde, begleiteten lautstarke „Lügenpresse“-Rufe die Veranstaltung der Initiative, die erklärt, die Demokratie schützen zu wollen.

Nächste Demo angemeldet

„Am Ende werden wir gewinnen und dem Sturm standhalten“, rief Seeger seinen Mitstreitern am Ende zu. Für den kommenden Sonnabend sei bereits die nächste Demonstration angemeldet – dann für 100 Teilnehmer. „Wir werden wachsen“, prognostiziert der Organisator.

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