Handball-Derby

Der Freitags-Krimi: Söhrer holen nach Riesen-Rückstand gegen Hildesheim noch einen Punkt

Hildesheim - Spitzenreiter Eintracht Hildesheim lässt sich im Drittliga-Duell gegen die Sportfreunde Söhre am Ende fast noch komplett die Butter vom Brot nehmen. Hildesheimer Handballer geben am Freitag ersten Punkt in dieser Saison ab.

Söhres Torwart Pascal Kinzel (rotes Trikot) feiert mit seinen Teamkollegen das Remis wie einen Sieg. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Typisch Derby! Bis zur 41. Minute hätte es wohl kaum jemand der 2215 Zuschauer in der Volksbank-Arena für möglich gehalten – aber es geschah dennoch. Handball-Drittligist Sportfreunde Söhre hat am Freitagabend im Spiel gegen den Spitzenreiter und Nachbarn HC Eintracht Hildesheim beim 30:30 am Ende sensationell noch einen Punkt geholt. Sensationell, weil es zwei Drittel der Partie überhaupt nicht danach aussah.

In eingangs erwähnter 41. Minute hatte nämlich Hildesheims Lukas Quedenbaum sein Team mit 23:14 in Führung geworfen. Was sollte da nach anbrennen? Viel, wie sich herausstellte.

Aber der Reihe nach.

Die Einträchtler legten sehr konzentriert los. In vielen vergangenen Spielen leistete sich der Tabellenführer Schludrigkeiten – auch häufiger in der Anfangsphase, wie zuletzt vor sechs Tagen gegen den Wilhelmshavener HV. Im Derby am gestrigen Freitag war die Mannschaft von Trainer Daniel Deutsch aber von Beginn an hochkonzentriert. Und das besonders in der Deckung.

Klare Hildesheimer Führung

Die Hildesheimer lagen schnell mit 4:1 vorn (6.), und Nachbar Söhre blieb danach eine Weile dran. Aber nur eine kurze Weile. Im Angriff bekamen die Sportfreunde in der Folge nicht wirklich einen Fuß an Land. Die Ihmann-Brüder Yannik und Niklas scheiterten, Artjom Antonevitch und Norman Kordas ebenfalls. Manchmal war eine Abwehr-Hand des Hildesheimer Blocks dran, manchmal klärte Eintrachts Torwart Leon Krka – und manchmal war auch Pech im Spiel. Söhre knallte den Ball in den ersten 15 Minuten gleich viermal an den Pfosten oder die Latte.



Auf der anderen Seite präsentierten sich die Einträchtler in ihren Abschlüssen wesentlich souveräner, obwohl sie ebenfalls immer wieder ihren Meister in Söhres Keeper Pascal Kinzel fanden. Der entschärfte unten anderem Bälle von Matteo Ehlers und Jakub Tonar, dazu zwei Siebenmeter von Lothar von Hermanni. Doch Kinzel konnte halten, was er wollte – seine Vorderleute machten einfach zu wenig aus diesen Ballgewinnen.

Hildesheim bleibt weiter vorn

So zog Favorit Hildesheim kontinuierlich davon: Philipp Wäger erzielte das 9:4 (15.), Moritz Schade das 12:6 (18.) und von Hermanni das 15:7 (24.). Phasenweise drohte den Söhrern in der ersten Hälfte eine Demütigung, doch sie konnten den Rückstand bis zur Pause noch erträglich gestalten (10:17).

Zunächst hielt Eintracht nach dem Seitenwechsel den stabilen Vorsprung – insbesondere, als Lukas Quedenbaum die schon beschriebene 23:14-Führung (41.) warf. Alles sah nach einer klaren Angelegenheit aus.

Söhrer kommen zurück

Doch man kennt die Söhrer – sie geben nie auf und brachten in Hälfte zwei die Arena noch einmal zum Kochen. Das Team von Trainer Sven Lakenmacher kämpfte sich tatsächlich heran. Eintracht verlor, wie schon so oft bei einer deutlichen Führung, den Faden – warf zwischen der 41. und 49. Minute nur ein einziges Törchen. Für Söhre trafen in dieser Phase Johannes Kellner (2), Niklas Ihmann (2), Kreisläufer Kordas (3) und Tom Hanel. Plötzlich hieß es aus Sportfreunde-Sicht nur noch 22:24. Sieben Minuten später glich Artjom Antonevitch nach einem Siebenmeter sogar aus (28:28; 56.), und Kordas warf die Söhrer erstmals überhaupt in dieser Partie in Führung. Die Halle wurde jetzt zum Tollhaus.

Ehlers glich für Eintracht zum 29:29 aus, sein Kollege René Gruszka behielt vom Siebenmeterpunkt aus die Nerven und warf den Spitzenreiter in der Schlussminute mit 30:29 in Front. Doch auch Söhres Antonevitch blieb bei seinem Siebenmeter Sekunden vor Abpfiff eiskalt und schaffte das am Ende verdiente 30:30.

Erster Punktverlust überhaupt

„Wir haben das Spiel leichtfertig aus der Hand gegeben“, sagte Eintrachts Kapitän Gruszka. „Das Söhre noch mal herankommt, ist ja okay, aber wir müssen das am Ende besser machen.“ Es war der erste Punktverlust der Hildesheimer während der laufenden Saison überhaupt.

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