Nordstemmen/Pattensen - Als Schauplatz der Erfolgsserie „Maxton Hall“ ist die Marienburg zum Sehnsuchtsort von Fans aus aller Welt geworden. Doch hinter den Kulissen gibt es einen erbitterten Streit um das Welfenschloss, der jeder Soap Opera zur Ehre gereichen würde. Innerhalb der Stiftung Schloss Marienburg, die Eigentümerin des historischen Prachtbaus in Pattensen ist, eskaliert ein Zwist, in dem es um viel Geld geht, um die „Maxton Hall“-Dreharbeiten und um Macht.
Nach Informationen der HAZ-Redaktion hat Stiftungsvorstand Ulrich von Jeinsen Strafanzeige gegen einen Mitarbeiter des niedersächsischen Kulturministeriums gestellt, das im Stiftungsrat bestimmt. Die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigt dies; sie prüfe die Anzeige derzeit. Es gehe dabei um den Tatvorwurf der Nötigung beziehungsweise der versuchten Nötigung. Die Anzeige sei am 24. Juli eingegangen.
Zu Details schweigen die Beteiligten. „Mit Blick auf ein laufendes Verfahren werde ich mich nicht äußern“, sagt der Jurist von Jeinsen. Allerdings gibt es schon seit Längerem Spannungen zwischen ihm und dem Ministerium; Insider sprechen von einem regelrechten Machtkampf.
Missgunst wie bei „Maxton Hall“
Auch frühere Beschäftigte der Marienburg klagten immer wieder über eine Gängelung durch das Haus von Kulturminister Falko Mohrs (SPD). Wie der „Spiegel“ berichtet, sollen die Behörden beispielsweise die Zustimmung für die Dreharbeiten zur ersten „Maxton Hall“-Staffel verweigert haben, bis der damalige Pächter sich bereit erklärte, die Hälfte der Amazon-Einnahmen von 100.000 Euro an Landesmuseum und Stiftung abzugeben.
Nach dem Dreh für die zweite Staffel gibt es demnach sogar Streit darüber, wer die Kosten für die Aufsicht über die historischen Gemälde während der Filmarbeiten bezahlen muss. Das Klein-Klein illustriert, wie weit die Missgunst auf der Burg gediehen ist.
Vertrag als Stiftungsvorstand läuft aus
Ende des Jahres läuft Ulrich von Jeinsens Vertrag als Stiftungsvorstand aus. Dass dieser verlängert wird, gilt angesichts der Querelen als unwahrscheinlich. Der 72-Jährige ist bereits der sechste Vorstand seit Gründung der Stiftung vor fünf Jahren, und er hegt einen Verdacht: „Ich glaube, dass das Ministerium die Stiftung aushöhlen und abwickeln möchte, um die Marienburg dann zum Landesmuseum machen zu können.“ Ein Vorwurf, den das Ministerium immer bestritten hat. „Ich fühle mich der Stiftung verpflichtet“, betont von Jeinsen, „nicht dem Ministerium, das eigene Interessen verfolgt, die einem wirtschaftlichen Betrieb des Schlosses zuwiderlaufen.“
Derzeit sind die wichtigsten Räume des Schlosses aufgrund einer umstrittenen baufachlichen Stellungnahme wegen Einsturzgefahr behördlich gesperrt. Für die Sanierung haben Land und Bund mehr als 27 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Zuletzt wurde bekannt, dass die Fertigstellung sich bis „frühestens 2031″ verzögern soll. Der Gastronom Arne Pohl hat mittlerweile zumindest an Wochenenden das Café im Innenhof wieder geöffnet, doch einen Museumsbetrieb gibt es nicht.
Stiftung ist in Geldnot
Dabei bräuchte die chronisch klamme Stiftung dringend Geld. „Wir stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand“, sagt Ulrich von Jeinsen. Durch die Dreharbeiten für die zweite „Maxton Hall“-Staffel kamen zwar 70.000 Euro in die Kasse, doch das reicht nicht, um die horrenden Kosten für den Unterhalt der Burg zu bestreiten. In einem internen Papier der Stiftung, das dieser Redaktion vorliegt, ist von einer drohenden Insolvenz die Rede, die es abzuwenden gelte.
Außerdem zeichnet sich ab, dass 27 Millionen Euro für die Sanierung kaum ausreichen dürften. Das interne Papier veranschlagt für die gesamte Sanierung inklusive neuen Dächern und einer Sturmsicherung bis zu 40 Millionen Euro.
Dazu kommt, dass sich die Stiftung in einer Steuerangelegenheit selbst ausgetrickst haben könnte: Nach langen Streitigkeiten um die Vermarktung des Schlosses, hatte die Stiftung sich vom langjährigen Burgpächter Nicolaus von Schöning im Frühjahr getrennt. Dieser hatte für das Schloss die Pacht plus die Umsatzsteuer gezahlt, ein im Mietrecht eher ungewöhnlicher Vorgang.
Durch diesen Kniff war die Stiftung aber in der glücklichen Situation, bei den Sanierungskosten der Burg ihrerseits die Mehrwertsteuer abziehen zu dürfen. Die Sanierung wäre somit faktisch 19 Prozent günstiger ausgefallen, Geld, das mit dem Wegfall des Pächters nun fehlt, zumal die Stiftung ja keine Einnahmen aus den Museumsbetrieb hat.
„Steuerlicher Vorteil abgeschafft“
„Mit der Auflösung des Pachtvertrages hat die Stiftung auf Initiative des Ministeriums diesen steuerlichen Vorteil abgeschafft und sich selbst ein Bein gestellt“, sagt Nicolaus von Schöning. Nach seiner Berechnung fehlen damit faktisch 5,2 Millionen Euro für die Sanierung.
„Nun muss ein neues Modell her“, bestätigt Stiftungsvorstand von Jeinsen. Wie lange er selbst jedoch noch für die Geschicke der Marienburg zuständig sein wird, weiß wohl niemand.
von Simon Benne
