Nordstemmen - Eigentlich hätten die Sanierungsarbeiten an der Marienburg bereits im ersten Halbjahr 2024 beginnen sollen – so hatte es Niedersachsens Kulturministerium in Aussicht gestellt. Jetzt allerdings steht fest, dass sich die Baumaßnahmen an dem derzeit geschlossenen Welfenschloss in Pattensen deutlich verzögern: Wie die Stiftung Schloss Marienburg bekannt gegeben hat, könnten selbst die Planungen erst im Juli 2026 beendet sein. Die Fertigstellung verschiebe sich auf „frühestens 2031“.
Das historische Schloss bei Pattensen zieht als Drehort der Erfolgsserie „Maxton Hall“ derzeit weltweites Interesse auf sich; gerade wurden dort die Dreharbeiten für die zweite Staffel abgeschlossen. Da die Marienburg jedoch seit Jahresbeginn geschlossen ist, stehen Fans dort derzeit vor verschlossenen Türen – und es zeichnet sich ab, dass die Burg für viele Jahre eine Baustelle bleiben dürfte.
Krach hinter den Kulissen
Bei einer Baubesprechung Ende Juni sei deutlich geworden, dass frühere Gutachten ohne Bauteilöffnungen durchgeführt worden seien, erklärt die Stiftung als Eigentümerin. Zudem seien trotz intensiver Archivrecherche keine Pläne beispielsweise für die Dachkonstruktion gefunden worden. Darum seien jetzt erst einmal Bauteilöffnungen nötig, die ebenfalls ausgeschrieben werden müssten.
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Wie die Stiftung mitteilt, könnte dann „in einem ersten, schnellstmöglich umzusetzenden Abschnitt“ zunächst der steile Burghang am sogenannten Laubengang abgesichert werden. Außerdem solle ein Wetterdach zur Schadensabwehr und als Baugerüst errichtet werden. „Als Nächstes müssten das Tragwerk saniert und schließlich Dach und Fenster instandgesetzt werden, um die Gebäudehülle zu schließen“, erklärt die Stiftung. Restaurierungen und Schönheitsreparaturen stehen in der Prioritätenliste erst an letzter Stelle.
Kann wenigstens ein Teil des Schlosses geöffnet werden?
Stiftungsvorstand Ulrich von Jeinsen arbeitet unterdessen daran, wenigstens einen Teil des Schlosses trotz der anstehenden Baumaßnahmen wieder zu öffnen. Wie die Stiftung erklärt, stehe er „in noch nicht abgeschlossenen Gesprächen mit einem möglichen Betreiber der Gastronomie“. Außerdem sei eine Interimsausstellung für die Dauer der Bauzeit geplant, die jedoch „frühestens 2025 realistisch“ sei.
Hinter den Kulissen gibt es unterdessen massiven Streit um die Zukunft der Marienburg. Bei einer Sitzung des Stiftungsrates im Kulturministerium soll es am 4. Juli lautstark zur Sache gegangen sein. Hintergrund des Eklats sind Spannungen zwischen Stiftungsvorstand von Jeinsen und Mitarbeitern des Ministeriums; Insider sprechen von einem regelrechten Machtkampf.
Geht der Stiftungsrat?
Als Mitglieder des Stiftungsrates waren auch Ernst August Erbprinz von Hannover sowie Regionspräsident Steffen Krach (SPD) bei der Sitzung anwesend, ebenso wie Kulturminister Falko Mohrs (SPD). Dessen Haus hat zwei Stimmen im Stiftungsrat und gibt in dem Gremium den Ton an. Frühere Beschäftigte des Schlosses kritisieren seit Langem, dass das Ministerium nicht genug tue, um der Burg eine Perspektive für die Zukunft zu geben.
Dem Vernehmen nach sollen sich die Beteiligten in der Sitzung mit harschen Vorwürfen überzogen haben. Mittlerweile soll im Raum stehen, dass Ulrich von Jeinsens Vertrag als Stiftungsvorstand nicht verlängert wird. Dieser läuft Ende des Jahres aus. Der Jurist ist bereits der sechste Vorstand der Stiftung seit deren Gründung vor fünf Jahren.
Das Ministerium reagiert auf eine Anfrage unserer Redaktion zur Sitzung nur schmallippig. Auch Ulrich von Jeinsen will sich nicht äußern. Die Stiftung Schloss Marienburg erklärt dazu schriftlich: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Details aus Sitzungen des Stiftungsrats nicht öffentlich diskutieren.“
Von Simon Benne
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