Nordstemmen - Zweite Runde für den internationalen Streaming-Hit: Die Amazon-Serie Maxton Hall, die auf dem Schloss Marienburg spielt, darf erneut vor Ort gedreht werden. Dabei ist das marode Schloss eigentlich gesperrt – und das komplett. Nicht nur Besucherinnen und Besucher stehen seit Anfang des Jahres vor verschlossenen Toren. Auch die Beschäftigten des Schlosses mussten sich neue Anstellungen suchen. Umso größer sei daher das Unverständnis in Teilen der einstigen Belegschaft darüber, dass nun doch wieder Menschen im Schloss arbeiten dürften – wenn auch nur temporär.
„Es fehlen mir die passenden Worte“, sagt etwa die ehemalige Leitung des Gastro-Bereichs Katrin Welida-Ehlert. Das Schloss verkörpere niedersächsische Geschichte und Kultur – und die gingen, ist sie überzeugt, nach den Dreharbeiten gänzlich verloren. Generell sehe sie alles, was mit und auf der Marienburg geschehe, als „niederträchtiges Intrigenspiel“ des hiesigen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur sowie weiterer Befürworter der Schließung. Welida-Ehlert zeigt sich diesen gegenüber unversöhnlich.
Fans der Serie kommen nicht auf das Gelände
Deutliche Worte findet auch Carmen Holst-Hillmer, die ehemals als Schlossführerin auf der Marienburg arbeitete: „Es ist eine groteske Situation.“ Dass nun eine Gruppe einen Teil des Schlosses betreten dürfe, beweise ihr, dass Holst-Hillmer und die weiteren ehemaligen Beschäftigten ihre Jobs doch hätten behalten können – vorausgesetzt, dass stets nur einzelne Bereiche der Marienburg nacheinander saniert worden wären. Dafür, so Holst-Hillmer, hätte sie sich stets ausgesprochen.
Nun bekomme sie mit, wie Fans der neuen Amazon-Serie umsonst zum Schloss pilgerten. Denn betreten dürfen sie dieses nicht, bedauert Holst-Hillmer. „Wir hätten denen traumhafte Stunden bescheren können“, sagt die frühere Schlossführerin über sich und ihre einstigen Kolleginnen und Kollegen. Dafür brauche es aber sowohl die nötige Expertise, als auch den Zugang zum Schloss. „Da kannst du nicht einfach nur einen Bratwurststand hinstellen.“
Stiftungsvorstand verteidigt die Freigabe
Der neue Stiftungsvorstand der Marienburg Ulrich von Jeinsen verteidigt dagegen die Freigabe für die Dreharbeiten. Auf die Frage, wieso der Aufenthalt des Drehteams als unbedenklich gesehen werde, während anderen Besuchergruppen der Zutritt verwehrt bleibt, reagiert er verärgert. „Die durch mich geleitete Stiftung geht kein Risiko ein“, sagt er, „weder im Hinblick auf einen Ärger mit dem Bauamt, noch hinsichtlich der Sicherheit irgendwelcher Menschen. Es hat alles seine Ordnung, auch wenn manche das nicht glauben wollen.“
Denn das Drehteam, so von Jeinsen, dürfe einzig über eine „Ausnahmegenehmigung“ das Schloss betreten – und das auch nur in vier Räumen, die eigens dafür gesichert worden seien. „Aber eine temporäre Öffnung von vier Räumen für die Dreharbeiten von wenigen Wochen ist etwas ganz anderes als eine dauerhafte Öffnung“, so der Stiftungsvorstand zur Frage, ob die Erlaubnis auch auf andere Gruppen nach dem Drehteam übertragbar sei – etwa Touristinnen und Touristen. „Das müsste die Bauaufsicht entscheiden.“
Freigabe nicht auf andere Besuchergruppen übertragbar
Dort sei von weiteren Freigaben aber derzeit keine Rede, sagt Philipp Westphal, Pressesprecher der Region Hannover, deren Bauamt für das Schloss zuständig ist. Die Zutrittserlaubnis für das Drehteam, so Westphal, sei nur dank eines eigens für die Dreharbeiten beauftragten Gutachtens möglich. „Da das Gutachten den Nachweis der Standsicherheit nur für temporäre Dreharbeiten erbringt“, so der Pressesprecher, „ist eine andere Nutzung der Räumlichkeiten, zum Beispiel durch größere Besuchergruppen, auf Basis der erteilten Freigabe nicht möglich.“ Sollte noch jemand die Räumlichkeiten nutzen wollen, bräuchte es dafür wiederum ein eigenes Gutachten – und die Garantie, dass die Nutzung sicher sei.
