Hildesheim - In der dunklen Jahreszeit sorgt die Straßenbeleuchtung im Stadtgebiet dafür, dass man sicher durch die Nacht kommt – eigentlich. An zwei Orten ist es aber deutlich düsterer, als gedacht: die beiden Brücken, die von der Oststadt über die Bahngleise und die Straße Am Kreuzfeld zum Galgenberg führen. Zahlreiche der Lampen, die die Brücken eigentlich beleuchten sollen, sind kaputt. Der Überweg ist daher nachts streckenweise komplett dunkel, meldet ein 52-jähriger Hildesheimer der HAZ. Er sei deshalb schon einmal in einen am Rand wachsenden Brombeerbusch gelaufen, als er einem entgegenkommenden Fahrradfahrer auswich.
Eine Zählung am Dienstagabend zeigt, dass tatsächlich 21 Lampen an der nördlichen der beiden Brücken defekt sind oder gänzlich fehlen, exakt die Hälfte. Auf der südlichen Brücke ist es noch dunkler – hier funktionieren 22 Lampen vor und auf dem Übergang nicht, dazu noch eine der Deckenlampen in der Spirale auf der Oststadt-Seite. Nur sechs der dreieckigen Lampen brennen tatsächlich, die Beleuchtung der Brücke kommt fast ausschließlich von der darunter liegenden Straße.
Lampen sind aus dem Jahr 1979
Dietmar Wosian, Anwohner des Galgenbergs, ärgert das schon seit Monaten. „Man geht da teilweise wie durch einen dunklen Tunnel“, sagt er – gerade mit Blick auf ältere Bürgerinnen und Bürger sei das nicht hinnehmbar. Im Oktober vergangenen Jahres habe er sich deshalb zum ersten Mal an den städtischen Bauhof gewendet und darum gebeten, die kaputten Lampen auszuwechseln. „Und da hieß es dann: ,Geht an, alles gut’“, sagt Wosian. Doch es passierte nichts, die Lampen blieben aus. Bei einem zweiten Anruf im November habe ihm ein Mitarbeiter der Verwaltung gesagt, dass die Stadt diese Art an Lampen derzeit nicht habe – ein Ersatz sei daher nicht möglich.
Stadtsprecher Helge Miethe bestätigt das auf HAZ-Anfrage. „Es handelt sich um sogenannte Sonderleuchten, welche bei Errichtung der Brücken 1979 installiert worden sind“, schreibt er. „Demzufolge ist die Beschaffung von Ersatzteilen nicht mehr gegeben. Die von uns vorgehaltenen Ersatzteile sind aufgebraucht.“ Ein Unternehmen fertige nun neue her – „in Handarbeit“. Doch einfach nur mit einer neuen Glühbirne sei es nicht getan: „Dem Alter der Lampen ist der erhöhte Reparaturaufwand geschuldet“, schreibt Miethe, „Schrauben reißen ab, Leuchtmittel werden nicht mehr produziert, Gewinde müssen neu erstellt werden, Leitungen und Dichtungen sind porös, technische Bauteile sind defekt.“ Hinzu käme Vandalismus. Dadurch dauere die Reparatur.
Lokalpolitik ist verärgert
Für die Lokalpolitik geht das derweil viel zu langsam voran. „Das ist wirklich ein Ärgernis“, sagt Norbert Frischen, Ortsbürgermeister des Stadtteils Marienburger Höhe/Galgenberg. Das Thema beschäftige ihn und seine Kolleginnen und Kollegen aus dem Ortsrat schon seit Anfang 2023. In der letzten Ortsratssitzung im November habe es von der Verwaltung geheißen, die Lampen seien nicht mehr verfügbar – „mit einem Schulterzucken“, ärgert sich Frischen. Der Vorschlag des Ortsrats, die verbliebenen Lampen besser zu verteilen um so komplett finstere Strecken zu vermeiden, sei verhallt. Dabei gehe es hier um die Verkehrssicherungspflicht, fügt Frischen an. Wenn die Stadt diese von ihren Bürgerinnen und Bürgern verlange, müsse sie sie umgekehrt ebenfalls garantieren.
Auch für Sabine Sonnenberg, Ortsbürgermeisterin der Oststadt und des Stadtfelds, sind die fehlenden Lampen ein Ärgernis. Eine enge Brücke mit mangelnder Beleuchtung – Sonnenberg nennt das einen „echten Angstraum“. Und das Thema beschäftige die Bürgerinnen und Bürger schon seit Jahren, sagt sie. Zwar habe sich der Ortsrat der Oststadt damit noch nicht eingehend befasst. Sie selbst gab das Problem aber im November an die Verwaltung weiter. Die Frage sei dann in der darauffolgenden Ortsratssitzung jedoch „untergegangen“ – der abgesagte Bahnübergang zum Ostend habe alles andere überschattet, bedauert sie.
Austausch mit LED-Lampen
Laut Stadtsprecher Miethe sei die Verwaltung derweil bereits damit beschäftigt, die Beleuchtung mit LED-Lampen zu ersetzen. „Ein Teil der Arbeiten wurde vor Einbruch des Winters ausgeführt“, schreibt er. „Wir gehen davon aus, dass die restlichen Arbeiten ausgeführt werden können, sobald die Temperaturen über dem Gefrierpunkt liegen.“ Die beiden Ortsräte wollen dennoch Tempo in die Sache bringen und den Punkt in ihrer jeweils nächsten Sitzung im Februar auf die Tagesordnung setzen – und den „Finger noch einmal in die Wunde“ legen, kündigt Frischen an.
