Hildesheim - Es war der erste Vorgeschmack auf vermutlich viele kontroverse Diskussionen, die noch folgen werden: Der Ortsrat Oststadt/Stadtfeld hatte zu seiner Sitzung am Montagabend Stadtbaurätin Andrea Döring eingeladen, um aktuelle Fragen zum Thema Bahnübergang Goethestraße zu beantworten. Wie berichtet, hat die DB Netz nach zehn Jahren der Planungen und Nachbesserungen das Vorhaben der Stadt nun endgültig abgelehnt. Stattdessen hat die Deutsche-Bahn-Tochter angeregt, eine Unterführung für Radfahrer und Fußgänger zu bauen – allerdings auf Kosten der Stadt. Auch der Bahnübergang Frankenstraße solle demnach irgendwann durch eine Unterführung ersetzt werden. Dafür werde dann aber die Bahn aufkommen.
Sie sei eigentlich nicht bereit, mit den Planungen auf Kosten der Stadt von vorn zu beginnen, sagte Döring. Die Aussichten auf eine Entschädigung von Seiten der Bahn sieht sie aber nicht optimistisch. Andererseits: „Wir müssen uns mit dem Thema weiter beschäftigen“, so Döring. Das Ostend dürfe nicht so abgeschnitten bleiben.
Eine Unterführung zu verwirklichen würde sehr viel Geld kosten und Planungskapazitäten der Stadt binden, meinte Dennis Münter (CDU). Sich vorzustellen, wo beides herkommen solle, „da fehlt mir die Fantasie.“ Die Stadtratsfraktion der Grünen habe bereits beschlossen, dass erst einmal 50.000 Euro für eine erste Planung zur Verfügung gestellt werden sollten, berichtete Ulrich Räbiger, Chef der Ratsfraktion und beratendes Mitglied im Ortsrat. Es müsse erst einmal klar sein, was überhaupt technisch möglich und wie teuer es wäre, um sachlich diskutieren zu können, sagte Räbiger.
Ein weiterer Klingeltunnel?
„Ich bin gegen einen Tunnel“, stellte dagegen Sebastian Baacke (SPD) klar. „Für mich ist der Übergang gestorben.“ Mit einem Tunnel entstehe ein Angst-Raum, die Durchfahrt wäre gefährlich. Auch die Vorstellung einer Unterführung in der Frankenstraße sei „unangenehm“.
„Absurd“ findet Helmut Borrmann (SPD) die Idee, einen weiteren „Klingeltunnel“ in der Stadt zu bauen. Die Stadt habe alles versucht, ihr Versprechen gegenüber den Anwohnern und Baugesellschaften im Ostend einzuhalten, aber: „Es funktioniert nicht“, so Borrmann. Auf einer ersten Skizze der Stadtverwaltung für eine Unterführung vom Elisabethgarten im Ostend zur Goethestraße macht die Rampe an der Goethestraße einen scharfen Knick und verläuft im spitzen Winkel ein Stück die Spichernstraße entlang – vermutlich müssten Radfahrende schieben, um den Tunnel zu nutzen: „Da fahre ich doch schneller über die Frankenstraße“, sagte Borrmann.
Ortsbürgermeisterin Sabine Sonnenberg und Barbara Schmidt (beide Grüne) rieten dagegen, nicht gleich aufzugeben. Es gehe schließlich nicht nur um Radfahrende, sondern auch um Fußgänger und Fußgängerinnen, um alte und in der Mobilität eingeschränkte Menschen, die im Vertrauen auf eine kurze Anbindung an die Innenstadt ins Ostend gezogen seien.
Infoveranstaltung am 12. Dezember
Eine Diskussion mit Anwohnenden des Ostends blieb aus – möglicherweise, weil Ortsbürgermeisterin Sonnenberg schon vorab eine Info-Veranstaltung für Bürger und Bürgerinnen zum Thema angekündigt hatte. Als Termin dafür stehe der 12. Dezember fest, Uhrzeit und Ort sind noch nicht bekannt. Auch das Thema Unterführung Frankenstraße wurde nicht diskutiert, das sei ja ohnehin noch nicht aktuell, meinten die Ortsratsmitglieder. Die Frage von Sebastian Baacke, ob die Bahn den Tunnel dort gegen den Willen der Stadt verwirklichen könnte, konnte Stadtbaurätin Döring nicht beantworten.
