Meinung

Rainer Breda
Kolumne Zweitstimme

Ein Teil ist eher pfui, ein anderer aber hui – das Hildesheimer Verkehrsleitsystem hat auch viel Gutes

- Der sichtbare Teil des Verkehrsleitsystems in Hildesheim – die Infotafeln mit Stauanzeigen – wird wegen des schlechten Starts von den Bürgern nicht ernst genommen. Doch das System hat der Stadt auch viele Vorteile verschafft, die im Hintergrund laufen – die Verwaltung sollte diese besser herausstellen, schreibt HAZ-Redakteur Rainer Breda in seiner HAZ-Kolumne Zweitstimme.

HAZ-Redakteur Rainer Breda beschäftigt sich in seiner HAZ-Kolumne Zweitstimme mit dem politischen Geschehen in Stadt und Landkreis Hildesheim. Foto: HAZ-Archiv

Malte Spitzer leitet Pressetermine zu Projekten der Stadt gern mit den Worten ein, man verkünde jetzt „eine absolute Erfolgsgeschichte“. Nun ist der Sozial- und Schulsozialdezernent ein Verkaufstalent, erst recht im Vergleich mit Andrea Döring. Zudem würde es der Stadtbaurätin niemand abnehmen, wenn diese das Verkehrsleitsystem über den grünen Klee loben würde – dafür ist nach dem Start 2023 einfach zu viel schiefgelaufen. Doch als Döring jetzt im Rat von einem Einwohner gebeten wurde, das System zu bewerten, hat sie eine Chance verpasst.

So deutete sie zwar an, dass man das Thema differenziert betrachten müsse: Viele Menschen reduzierten das Leitsystem auf die digitalen Infotafeln an einigen Zufahrtsstraßen (die niemand mehr ernst nimmt – was Döring allerdings nicht sagte). Doch tatsächlich sei das Ganze viel mehr als die Tafeln, vor allem durch den „My City“-Anteil.

Klartext wäre gut: Der sichtbare Teil des Systems ist eher ein Flop, der verborgene hilft der Stadt bei der Verkehrslenkung.

My City? Was das ist, deutete Döring nur an: ein System, das der Stadt aktuelle Zahlen, Fakten und Daten zum Verkehr liefert und über das sich dieser durch Zugriff auf Ampeln steuern lässt. Tatsächlich floss ein Teil der Gesamtkosten von zwei Millionen Euro des Verkehrsleitsystems für die Bausteine dieses Netzwerkes, zu dem 44 Induktionsschleifen gehören, die an 21 Straßen die Verkehrsmenge und die Art der Fahrzeuge erfassen, sowie 23 Bluetooth-Scanner, die die Geschwindigkeit berechnen. Kein Wunder also, dass Döring das System für „gut“ hält – auch wenn mancher im Ratssaal glaubte, sich verhört zu haben. Dabei hatte sich die Baudezernentin gegenüber dieser Zeitung die Vorteile durchaus schon einmal deutlicher dargestellt.

Ihre jetzige Einschätzung im Rat wäre besser zu verstehen gewesen, wenn Döring Klartext geredet hätte: Die Infotafeln und die Dutzenden neuen Umleitungsschilder erfüllen ihren Zweck eher nicht, die übrige Technik jedoch hat der Stadt sehr viel gebracht – man sieht sie nur nicht, anders als Tafeln und Schilder. Malte Spitzer würde es wohl so formulieren: Immerhin sei das Ganze zum Teil eine echte Erfolgsgeschichte.

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