Hildesheim - Diese Geschichte hat zwei außergewöhnliche Helden. Der eine ist im Sommer nach schwerer Krankheit gestorben, im Alter von nur 54 Jahren. Zu Lebzeiten, noch im Jahr 2022, hatte Jan Wolberink das Unternehmen Campus am Harz mitbegründet. Eine Einrichtung in Salzgitter für Handwerker und zukünftige Meister, die sich hier qualifizieren und in Express- und Hybridkursen weiterbilden können, zum Kfz-Meister zum Beispiel. Doch kaum stand das Projekt auf sicheren Füßen, wurde er schwer krank. Seine letzten Tage verbrachte er in einem Hospiz.
Eine Zeit, die durch umfassende Betreuung für ihn und seine Familie unter den traurigsten Umständen doch irgendwie zu einer guten Zeit wurde, zu einem letzten Beieinandersein. Was nach dem Tod blieb, war bei den Angehörigen und auch beim Campus-Team Dankbarkeit. Und der Gedanke: Hospize sind wichtig. Als Raum für einen stillen Abschied, für die Würde des Menschen bis zuletzt und alle Möglichkeiten medizinischer Versorgung. Wir wollen ein Hospiz unterstützen, weil Jan es so gewollt hätte.
Einer der letzten Käfer made in Germany
Wir, das sind Campus-Geschäftsführer Oliver Reiter und eine Handvoll Kfz-Spezialisten, Tüftler, Liebhaber alter Schätzchen und uralter Rostlauben. Wir, dazu gehört auch ein ehemaliger Kursteilnehmer aus Kiel, der tatsächlich einen Käfer Baujahr 1975 abzugeben hatte. „Das war einer der letzten, die in Deutschland hergestellt worden sind“, sagt Reiter. Mehr Rostlaube als Schätzchen, zugegeben, aber: original. Wenn man den wieder hinkriegte, ließe der sich doch versteigern – zugunsten des Michaelis Hospizes, das gerade in Hildesheim kurz vor der Eröffnung steht.
„Und dann habe ich Andrea Zimmermann angerufen, die Leiterin dieses Hospizes“, sagt Oliver Reiter, „und wir waren uns ziemlich schnell einig, dass das ein tolles Projekt sein könnte.“ Denn: Geld und Spenden kann das Hildesheimer Hospiz, das unter der Regie der Kongregation der Vinzentinerinnen auf dem Gut Steuerwald entsteht und Anfang 2025 eröffnen soll, noch jede Menge gebrauchen. Besonders für die Innenausstattung ist das Budget knapp, wie Zimmermann stets betont hatte: pflegespezifisches Mobiliar, notwendige medizinische Geräte und eine zeitgemäße Kommunikationstechnik kosten viel Geld. Zudem sei das Hospiz wegen der unvollständigen Refinanzierung durch Kranken- und Pflegekassen fortwährend auf Unterstützung angewiesen. 5 Prozent des Regelbedarfs sowie alle weiteren nicht gedeckten Kosten müsse die Einrichtung selbst über Spenden aufbringen.
Erstmal war sie irritiert, aber dann schnell begeistert
Aber ungewöhnlich fand Zimmermann die Idee mit dem Käfer im ersten Augenblick doch: „Ich war von dem Anruf erstmal irritiert, weil ich mir noch gar nichts drunter vorstellen konnte, war dann aber sehr schnell sehr begeistert von der Idee.“ Nicht zuletzt ist sie selbst ein großer Fan von Autos und Motoren – und fährt selbst einen grünen Käfer.
Doch nun geht es um den alten Käfer aus Kiel, der in Salzgitter in einer Halle steht und wartet. Er ist der zweite außergewöhnliche Held dieser Geschichte. Ein ziemlich ramponierter Held, zugegeben. Er ist oder war mal knallorange, wahrscheinlich hatten die Sitze auch mal die gleichen Bezüge, war der Motor einst intakt, der jetzt ausgebaut neben dem Käfer liegt. „Ich will am liebsten diese schwarz-weiße Sitzfarbe vom Fahrersitz auf allen Sitzen haben, die finde ich am schönsten“, sagt Reiter. „Das dürfte auch der originale Bezug sein“, mutmaßt Andrea Zimmermann mit Expertenblick.
Man sieht es: Die beiden freuen sich auch mit den Herzen zweier Autoliebhaber auf den Tag, wenn der Käfer wieder flott ist. Mindestens 10.000 Euro soll er in der Versteigerung bringen, hofft Reiter, noch lieber 15.000. „Aber ich habe das Vorkaufsrecht!“, sagt Andrea Zimmermann. Und lacht.

