Nettlingen - Was haben Napoleon Bonaparte, der Dorftrottel und eine Kräuterhexe gemein? Na klar, sie alle kaufen künftig im Tante-Enso-Laden in Nettlingen ein. Zumindest, wenn man der Aufführung der Theatergruppe NitilaunE aus der Ortschaft glauben schenkt. Denn gerade, als Gemeindebürgermeister René Marienfeldt, Ortsbürgermeister Thomas Hein, myenso-Geschäftsführer Thorsten Bausch und Landrat Bernd Lynack das rote Band zur Eröffnung des Dorfladens feierlich durchtrennen wollen, beginnt das Spektakel.
„Der ganze Ort hat Tante Enso gerockt“, erklärt Lynack in seiner Ansprache – eine Anspielung auf die Darbietung von einer ganz eigenen Version von „We will Rock you“ der Grundschule, mit dem Titel „Alle meine Enten“. „Was ihr hier in kürzester Zeit geschafft habt – da kann sich Berlin etwas von abschneiden“, lobt Lynack. Tatsächlich ist weniger als ein Jahr vergangen, seit die Idee, einen Tante Enso in Nettlingen zu eröffnen, im Ortsrat auf Beifall stieß. Schnell waren auch die Bürger und Bürgerinnen des Dorfes Feuer und Flamme. Endlich nicht mehr mit dem Auto einkaufen fahren müssen, selbst für die vergessene Kleinigkeit!
Alles für den täglichen Bedarf auf knapp 200 Quadratmetern
Mit der Eröffnung am Donnerstag ist Nettlingen der erste Ort im Landkreis mit einem Tante-Enso-Markt. Über 30 Tante-Enso-Märkte gibt es mittlerweile deutschlandweit. Das Unternehmen myenso hat sich das Ziel gesetzt, Dorfläden wieder in Mode zu bringen, um Menschen in kleineren Orten an die Nahversorgung anzuschließen.
„Auch ich bin sehr erfreut und stolz“, sagt Gemeindebürgermeister Marienfeldt bei der Eröffnungsfeier. „Als Thomas Hein mit der Idee um die Ecke kam, habe ich gleich gedacht: das passt.“ Knapp 200 Quadratmeter groß ist der Laden, der ehemals ein Elektronikmarkt der Familie Haußmann war. „Haußmann war direkt an Bord“, sagt Ortsbürgermeister Hein. „Ohne sein Engagement und die Immobilie wäre das Projekt gescheitert.“
Mitgestalten erwünscht
Nun liegt es an den Menschen aus Nettlingen, ihre Einkäufe auch bei Tante Enso zu tätigen, damit sich das Geschäft hält. Das soll auch darüber funktionieren, dass die Kundschaft mitbestimmen darf, was in die Regale kommt – vorn, direkt am Eingang des Mini-Marktes, lädt eine Tafel zum Mitmachen ein.
Was fehlt noch, wovon braucht es mehr? „Gestalten Sie ihre Tante Enso zu ihrem besten Supermarkt“, sagt myenso-Geschäftsführer Bausch.
Großer Andrang am Eröffnungstag
Was den ersten Besuchern und Besucherinnen, die einen Schritt in den neuen Mini-Supermarkt machen, auffällt: So Mini ist der gar nicht. „Da geht’s ums Eck!“, sagt eine Frau und betritt die kleine Stufe hinauf zum Nebenraum. Eine andere erzählt erfreut, dass ihr Mann schon versprochen habe, sonntags jetzt immer frische Brötchen zu holen – der Markt hat auch ein kleines Angebot mit frischen Teigwaren.
Auch sonst ist er gut ausgestattet, die Palette reicht von Lebensmitteln über alkoholische und nicht-alkoholische Getränke bis hin zu Hygieneartikeln. Aber, was vielleicht noch wichtiger für den Dorfladen ist – dieser ist ein Punkt sozialen Austausches. Denn während die vielen Gäste mit neugierigem Blick die Gänge durchforsten, fällt schon das ein oder andere Begrüßungswort. Man kennt sich eben in Nettlingen.
Durchgehend geöffnet
„Das ist pures Dorfleben“, sagt Filialleiterin Anja Vogt begeistert. „Das ist auch ein Lebensmittelpunkt für den Ort.“ Das findet auch Maksim Mandelko, der an diesem Tag als Dorfnarr zur Eröffnung gekommen ist – als Teil der Theatergruppe Nettlingens, die immer noch Mitstreiter sucht. „Gerade für Ältere ist es wichtig, dass man sich auch mal zufällig treffen kann“, sagt er. Dann schmunzelt er. Denn klar, auch wenn das Bier am Sonntagabend mal leer ist, ist Tante Enso praktisch. Denn:
Der Mini-Markt hat 24/7 geöffnet. Dafür brauchen Kunden und Kundinnen die Enso-Kart, die einen auch spätnachts in das Geschäft lässt. Mit ihr kann man auch bezahlen – oder lässt sich den Einkauf vom Konto abbuchen. Ein Aspekt, den auch Lynack begeistert. „Als Städter bin ich neidisch“, sagt er. „27/4 – das können wir nicht.“
