Hildesheim - Die Attacken auf das Hildesheimer Jobcenter hören offensichtlich nicht auf. Erneut muss die Polizei in dem Behördenkomplex in der Innenstadt Ecke Kennedydamm/Kaiserstraße jetzt Spuren der Zerstörung nachgehen.
So haben die Beamtinnen und Beamten am Montag, 21. Oktober, eine weitere Anzeige aufgenommen. Nach ersten Ermittlungen hat ein bislang Unbekannter die Eingangstür des Jobcenters durch einen Stein beschädigt. Das bestätigt Jan Makowski, Sprecher der Polizei Hildesheim, auf Nachfrage. Außerdem ist die Glasscheibe eines Pavillons, der zum Jobcenter gehört, von den Tätern zerkratzt worden. Hinterlassen haben sie „unter anderem ein Hakenkreuz“, sagt der Sprecher.
Verfassungswidrige Zeichen
Die Tatzeit liegt nach Auskunft der Polizei zwischen Freitagnachmittag, 18. Oktober, und Montagmorgen, 21. Oktober. Dann wurden die Straftaten am Haus entdeckt. Die Polizei hat ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung und wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen eingeleitet.
Das Jobcenter ist seit Monaten Zielscheibe von Unbekannten, die das fünfstöckige Gebäude attackieren. Wie berichtet, wird das Haus seit Juni immer wieder mit Schüssen getroffen. Verletzt worden ist bislang niemand. Die Anzahl der Taten liegt nach bisherigen Ermittlungen der Polizei „im hohen einstelligen Bereich“. Dabei seien aber jeweils mehrere Scheiben beschädigt worden, erläutert Makowski. Die Anzahl der Einschüsse „bewegt sich in einem mittleren zweistelligen Bereich.“
Zusammenhang der Taten?
Nach Recherchen der HAZ handelt es sich dabei um 53 Einschüsse an insgesamt 28 Fenstern. Diese liegen vornehmlich im Erdgeschoss des Jobcenters. Ob es sich um einen oder mehrere Täter handelt, ist derzeit ebenso unbekannt wie das Motiv. Fest steht nach Aussage der Polizei, dass nichts dafür spricht, dass der Beschuss mit einer erlaubnispflichtigen Feuerwaffe verübt wurde. Bislang hat es an den getroffenen Scheiben deutliche Beschädigungen, aber keine Durchschüsse gegeben. Die jüngsten Schussattacken auf die Behörde hatte die Polizei Ende September aufgenommen. „Derzeit wird nicht von einem Zusammenhang zwischen den Taten bis Ende September und der Tat vom letzten Wochenende ausgegangen“, stellt Hauptkommissar Makowski klar.
Dennoch: Unter den mehr als 200 Angestellten herrscht ein ungutes Gefühl. Das wurde vor allem am vergangenen Donnerstag deutlich, als Ulrich Nehring, Chef des Hildesheimer Jobcenters, in einer Versammlung mittags über die aktuellen Vorkommnisse informierte. Längst nicht allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind bis dahin die Attacken auf das Haus und somit auch möglicherweise ganz direkt auf ihren Arbeitsplatz in der Behörde bekannt gewesen. Sie hatten erst durch die HAZ von den Schüssen erfahren. So reagierten nicht wenige schockiert, teilweise auch vorwurfsvoll wegen der späten Informationen. „Das war echt hitzig“, lautete die Reaktion von Beteiligten.
Autoscheibe zu Bruch gegangen
Wie berichtet, hatte sich auch ein Autofahrer aus Hildesheim erst nach der Berichterstattung einen rätselhaften Unfall erklären können. Demnach war morgens am 18. September eine seitliche Scheibe seines Autos plötzlich zu Bruch gegangen – direkt vor dem Jobcenter. Offensichtlich wurde das Auto ebenfalls von dem gesuchten Schützen getroffen.
Die genaue Schadenshöhe am Jobcenter lässt sich nach Angaben der Polizei noch nicht beziffern. Die Ermittlungen der Hildesheimer Polizei dauern an. Wer Hinweise zu den Taten, zu Tatverdächtigen oder dem Umfeld geben kann, wird gebeten, sich bei der Polizei unter der Telefonnummer 0 51 21/939-115 zu geben. „Jeder noch so kleine Hinweis kann wichtig sein“, betont Polizeisprecher Makowski.



