Drive-in-Testzentrum

Erstes Drive-in für Corona-Schnelltests in Hildesheim

Hildesheim - Auf dem Hildesheimer Volksfestplatz kann man künftig mit dem Auto kommen und Corona-Schnelltests machen lassen. Wieso die Macher von Hil-care sauer auf die Stadt sind und was es mit einem zweiten Anbieter auf sich hat.

Schwester Manuela testet Yane Zlatkov am Drive-in-Testzentrum auf dem Volksfestplatz in Hildesheim. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Am Mittwoch ist es nur ein Testlauf – beziehungsweise eher ein Testfahrtdurchlauf auf dem Volksfestplatz: Dort hat die Firma Hil-Care zwei Zeltstationen aufgebaut, um künftig Autofahrern die Möglichkeit zu bieten, sich auf Corona testen zu lassen.

„Wir können gleichzeitig mehr als 200 Fahrzeuge in vier Spuren zu den Teststationen führen, ohne dabei einen Rückstau auf öffentlichen Straßen zu haben“, sagt Kai Höljes, einer der drei Macher von Hil-Care. Platz für mehr ist genug vorhanden: „Bei Erweiterung könnten es bis zu 400 Fahrzeuge werden.“

Zeitgleich bis zu 400 Autos

Sebastian Adamski schiebt sich die Sonnenbrille über die Augen. Ein Mitarbeiter baut die ersten Sonnenschirme auf. Doch noch ist wenig Betrieb hier. „Wir sind noch nicht aktiv an die Öffentlichkeit gegangen“, sagt der Hil-Care-Mitgründer. Erst sollen alle Abläufe reibungslos funktionieren. Doch für Donnerstag gebe es – ähnlich wie für das Testzentrum auf der Lilie – reichlich Online-Anmeldungen. „Wir wollen das Gelände hier zum Volkstestplatz machen“, sagt Adamski und lacht.

Doch richtig zum Lachen ist ihm eigentlich nicht zumute. Denn obwohl die Logistik passt, er immer neue Mitarbeiter rekrutiert, befürchtet er ein vorzeitiges Aus für die Aktivitäten von Hil-Care. Zumindest in der Stadt. Höljes hat zwar schon den Antrag gestellt, die Nutzung der Fläche an der Lilie um drei Monate zu verlängern. Doch wenn die Stadt Nein sagt, endet die Aktion Testzentrum in Hildesheim am 21. April wieder.

Testzentrum soll von der Lilie verschwinden

Die Stadt habe ihm zwar angeboten, leerstehende Gebäude in der Innenstadt als Ausweichoption zu nutzen. Doch auf diese Weise könne er bei Weitem nicht so viele Menschen testen wie im Zentrum auf der Lilie. „Hildesheim hat sich für das Projekt ,sichere Zone’ beworben, und wir müssen wieder gehen“, sagt Adamski. Mitstreiter Höljes und Andreas Bente nicken mit verbissener Miene.



„Wir haben eine komplette Logistik aufgebaut, mittlerweile 80 Leute im Team, zum Teil auf Vollzeit, und etwa 50 warten noch aufs Anfangen – und jetzt das“, sagt Adamski. Mittlerweile hat er auch Wind davon bekommen, dass es einen Mitbewerber gibt, der in der Stadt das Testen übernehmen soll. Doch was es damit auf sich hat, weiß er nicht genau. Und genau das sehen die drei von Hil-Care als das Grundproblem an.

Sichere Zone

Die Stadt bewirbt sich für ein Öffnungsprojekt. Doch die dafür notwendigen Partner würden nicht an den Tisch geholt. „Wir sind von uns aus aktiv geworden“, sagt Adamski, „um Hildesheim zu unterstützen“. Dass sich nun noch jemand anderes auf dem Feld tummelt, begrüßt Adamski: „Es gibt genug zu tun.“ Ihn stört nur, wie die Stadt damit umgeht.

Dass auch das Drive-in dabei eine Rolle spielen kann, zeigt sich trotz geringer Resonanz auch an diesem Mittwochnachmittag. Gerade rollt der Wagen von Walburga und Walter Gerling vor die Teststation. Beide lassen ihre Autoscheiben herunter, damit Schwester Manuela eine Schleimprobe aus dem Rachen entnehmen kann. „Bitte den Kopf in den Nacken legen“, sagt sie. Keine 30 Sekunden später können die beiden wieder aus dem Zelt rausrollen.

Testen trotz Impfung

„Wir sind auf dem Weg nach Heidelberg zu unserer Tochter“, sagt Walter Gerling. Der 81-Jährige ist bereits geimpft. Doch testen lässt er sich dennoch: „Man kann ja trotzdem noch ansteckend sein.“ Die Familie der Tochter kann nicht nach Hildesheim kommen, weil die niedersächsischen Lockdownregeln für Haushalte strenger als in Baden-Württemberg sind. Von dem Angebot auf dem Volksfestplatz haben die beiden per Zufall gehört.



Yane Zlatkow hat gezielt im Internet gesucht, wo er noch schnell vorbeifahren kann. Ein Kollege sei positiv getestet worden. Die beiden hätten zwar keinen Kontakt miteinander, aber sicher ist eben sicher. „Klasse, das Drive-in“, sagt er. Keine Parkplatzsuche in der Stadt, keine Zeitverluste. Wer bei hil-care einen Termin bucht, kann beim Drive-in noch auf einen Termin zu den Öffnungszeiten von 8 bis 16 Uhr am Donnerstag und Samstag und am Ostersonntag von 10 bis 14 Uhr hoffen.

Testen in der Arneken Galerie

Der zweite, der sich für Massentests in Hildesheim bereithält, ist Florian Braune von der Firma Corona Freepass mit Hauptsitz in Hamburg. Braune hat sich bereits in der Arneken Galerie die Option gesichert, ein Testzentrum zu installieren und hat noch Anträge für weitere Plätze in Hildesheim gestellt. Doch er wartet seit drei Wochen darauf, dass das Gesundheitsamt in Hildesheim ihm die Freigabe erteilt: „Die haben immer noch offene Fragen.“

Er habe sich an Oberbürgermeister Ingo Meyer gewandt, um seine Möglichkeiten zu Tests zu erläutern. An seinem Standort in der Speicherstraße 9 könne er täglich bis zu 2000 Tests anbieten – sogenannte Speicheltests. Die seien genauso zuverlässig wie die Abstriche in Nase oder Rachen, sagt Braune.

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